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22.03.2010 10:18 Uhr
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Kein Neonazi-Marsch durch Leipzig - Dank für friedlichen Protest


Kein Neonazi-Marsch durch Leipzig - Dank für friedlichen Protest
Leipzig. Der geplante Neonazi-Aufmarsch durch den Leipziger Osten ist am Samstagnachmittag von der Polizei aufgelöst worden, noch bevor sich die Teilnehmer auf die geplante Route begeben konnten. Anlass für das vorzeitige Ende sind Übergriffe der Rechtsextremen auf die Einsatzkräfte gewesen, teilte die Polizei am Abend mit. Bei den Attacken mit Steinen und Flaschen seien vier Beamte verletzt worden. Einer von ihnen musste an der Hand operiert werden. Polizeipräsident Horst Warwrzynski selbst erlitt ein Knalltrauma, als ein Feuerwerkskörper in seiner unmittelbaren Nähe detonierte.

Insgesamt waren nach Polizeiangaben rund 1350 Anhänger der rechten Szene zu der geplanten Großkundgebung angereist. Ihnen gegenüber standen zwischen 2500 und 3000 friedliche Gegendemonstranten sowie mehrere hundert Linksradikale. Unter dem Motto "Leipzig nimmt Platz" protestierten seit dem Samstagvormittag verschiedene Leipziger Initiativen mit zahlreichen Aktionen gegen den geplanten Neonazi-Aufmarsch in der Messestadt. Das Bündnis "17. Oktober" hatte im Vorfeld alle Leipziger zum friedlichen Protest gegen die Rechten-Demo aufgerufen. An den Protesten hatten auch Leipziger Politiker und Bürgerrechtler teilgenommen.

Unter den Gegendemonstranten war auch Christian Führer. Der ehemalige Nikolaipfarrer dankte am Sonntag "den friedlichen und entschiedenen Bürgerinnen und Bürgern auf der Straße und der erfolgreichen Sicherheitspartnerschaft mit der Polizei". Polizeipräsident Wawrzynski habe "durch seine Umsichtigkeit sowohl Polizistinnen und Polizisten als auch Demonstrantinnen und Demonstranten einen Tag gelungener Demokratie" ermöglicht.

Auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung, der am Samstagvormittag am "Brunch gegen Rechts" teilnahm, dankte den friedlichen Gegendemonstranten und Polizei. "Die Leipzigerinnen und Leipziger haben mit ihrem friedlichen Protest ein starkes Zeichen gegen Rechts gesetzt. Sie verhinderten, dass die Neonazis durch unsere Stadt marschieren und ihre politischen Ziele erreichen konnten. So wurde deutlich sichtbar: in Leipzig ist kein Platz für fremdenfeindliche Brunnenvergifter", hieß es in einem offiziellen Schreiben am Sonntag.


Die Polizei sicherte den Rechten-Aufmarsch mit mehreren Hundertschaften aus Sachsen und fünf weiteren Bundesländern. Die für 12 Uhr an der Eisenbahnstraße geplante Auftaktkundgebung hatte aufgrund umfangreicher Personenkontrollen bis zum Nachmittag nicht beginnen können. Als später Steine aus dem Lager der Rechtsextremen gegen die Einsatzkräfte flogen, wurde die Versammlung von der Polizei um 15.50 Uhr für aufgelöst erklärt. Die Teilnehmer der Kundgebung sind anschließend im Laufe des Abends kontrolliert und in kleinen Gruppen zum Bahnhof geleitet worden.

Ein "Spiel auf Zeit", wie es die rechten Demonstranten den Beamten vorwarfen, wies Polizeipräsident Warwrzynski zurück. Vielmehr warf er den Veranstaltern mangelnde Kooperationsbereitschaft vor und sprach außerdem von einer "bundesweit neuen Qualität der Gewaltbereitschaft bei rechten Demonstrationen".

Die Proteste gegen die rechte Großkundgebung verliefen größtenteils friedlich. Jedoch schlossen sich nach Aussage der Polizei vermeintlich gewaltbereite Linksautonome zu kleinen Gruppen zusammen un beschäftigten die Einsatzkräfte bis in die späten Abendstunden.

Insgesamt wurden 114 Personen beider Seiten vorübergehend in Gewahrsam genommen. Die Schäden belaufen sich auf drei umgestürzte Autos, einen demolierten Reisebus der rechten Demonstrationsteilnehmer und zehn brennende Müllcontainer. In der Nacht zum Sonntag gab es nach Angaben von Polizeisprecher Daniel Kapferer keine weiteren Ausschreitungen.

Bereits am späten Freitag-Abend war es im Leipziger Stadtteil Connewitz zu massiven Krawallen gekommen. Mehr als 200 junge Leute aus der linksextremen Szene hatten Straßensperren errichtet, mehrere Container sowie drei Autos in der Prinz-Eugen-Straße in Brand gesetzt. Polizeibeamte wurden mit Steinen und Flaschen beworfen und mehrere Einsatzfahrzeuge beschädigt.

Der für den 17. Oktober geplante Neonazi-Aufzug unter dem Motto "Recht auf Zukunft" war von Tommy Naumann, Vorsitzender der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten Sachsen und Aktivist der "Freien Kräfte Leipzig", angemeldet worden. Das Ordnungsamt hatte für den zwischen 12 und 20 Uhr geplanten Demonstrationszug eine Reihe von Auflagen erteilt, die Strecke aber zugelassen. Die Demonstranten wollten sich am S-Bahnhof Sellerhausen treffen und über die Torgauer Straße, Wurzener Straße, Breite Straße, Täubchenweg, Dresdner Straße, Georgiring bis zum Ziel an der Brandenburger Straße hinter dem Hauptbahnhof marschieren. Dort war auch die Abschlusskundgebung geplant. Zuvor sollte der Zug noch zu Zwischenkundgebungen an der Kreuzung Wurzener Straße/Breite Straße und neben der ehemaligen Hauptpost stoppen.

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