Zum Thema: |
"Zeitgleich haben wir eine Datenabfrage in unserem Polizeicomputer gestartet", sagt der Kriminalist später. Das dauert aber einige Zeit. Am Ende ermittelt der Rechner: In Schkeuditz sind neun Personen wegen Sexualdelikten in den vergangenen Jahren aufgefallen, für ganz Leipzig sind es 239. Teilweise sind die Daten, so wie bei Uwe Kolbig, fast zehn Jahre alt. Seine bisher letzte Verurteilung stammt aus dem Jahr 1998. "Danach wird nichts automatisch aktualisiert", erklärt Matthias.
Am Sonnabend, an diesem Tag wird abends die Leiche von Mitja gefunden, gleichen Kriminalisten in den Einwohnermeldeämtern die Adressen der vorbestraften Sittentäter ab. Dabei stellt sich heraus, Uwe Kolbig ist inzwischen umgezogen. "Im Wohnhaus haben wir dann das Straßenbahnfoto gezeigt", so der Kripochef. Keiner erkennt ihn darauf. Auch beim Vergleich des bei der Meldebehörde hinterlegten Passbildes mit der Aufnahme der Straßenbahnkamera, finden die Ermittler nicht heraus, dass der Mann an Mitjas Seite Kolbig ist. "Er hat zwar vor zwei Jahren einen neuen Ausweis beantragt, das Bild muss wesentlich älter sein", sagt Leipzigs Chefermittler.
Auf die Spur von Uwe Kolbig kommen die Beamten durch den Hinweis eines Gartennachbarn in der Sparte "Verein der Kleingärtner von 1915" an der Äußeren Leipziger Straße in Schkeuditz. Der mutmaßliche Mörder hat dort seit drei Jahren eine Parzelle mit Laube gepachtet. Auf einem Fahndungsfoto erkennt ihn der Laubenpiper wieder und ruft die Polizei am Sonnabend gegen 19 Uhr an. Da ist es für Mitja längst zu spät. Als die Ermittler die Laube öffnen, bietet sich ihnen ein schreckliches Bild. Zwischen umgeworfenem Inventar liegt der tote Junge. Zu diesem Zeitpunkt lebt der Schüler schon seit rund zwei Tagen nicht mehr. Der Todeszeitpunkt liegt zwischen Donnerstagabend und spätestens Freitagmorgen 4 Uhr, sagt Staatsanwalt Ricardo Schulz.
Rückblick: Gegen 16.30 Uhr verlässt der Neunjährige am 22. Februar den Hort der Stahmelner Kindertagesstätte Sonnenhügel, wo er während der Schulferien betreut wird. Um 16.49 Uhr steigt er in die Straßenbahn ein. Auf dem Film der Überwachungskamera ist der Junge um 16.52 Uhr zu sehen. Er sieht fröhlich aus auf diesem Bild und neben ihm sitzt der Mann, den der Gartennachbar wiedererkannt hat. Gemeinsam mit dem mutmaßlichen Täter steigt der Schüler kurz darauf am Hellweg-Baumarkt aus. Um nach Hause zu kommen, hätte er die Bahn bereits nach zwei Stationen verlassen müssen. Die Beiden werden kurz nach 17 Uhr in einer Modelwitzer Bäckerei gesehen. "In einem anscheinend vertrauten Verhältnis hat der 43-Jährige dort noch Kuchen gekauft. "Der Junge wollte den Kuchen und der Mann hat ihn aussuchen lassen. Die Verkäuferin hat keinerlei Angst bei dem Jungen bemerkt, sagt Kripochef Matthias. Danach verliert sich die Spur bis zum Hinweis des Gartennachbarn.
mro., LVZ-Online
|
|

















.gif)


