Polizei schließt Massen-Gentest im Fall Michelle nicht aus
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Wawrzynski betonte, dass die Veröffentlichung interner Einzelheiten der Ermittlungen nicht nur die Arbeit der Soko behindert, sondern auch für ein späteres Gerichtsverfahren von Nachteil sein könnte.
Zeugenaussagen wären damit völlig unbrauchbar, sagte er. Noch habe die Polizei kein konkretes Bild vom möglichen Täter, sagte er. Bisher seien so viel Spuren wie möglich gesichert worden. Jetzt sind wir dabei, den Berg abzutragen, so der Polizeichef. Er schloss eine weitere Aufstockung der Soko Michelle nicht aus. Selbst ein Massen-Gentest käme in Frage, wenn die Ermittlungen ins Leere laufen.
Entsetzt vom Bruch der von der Polizei verhängten Nachrichtensperre durch veröffentliche Einzelheiten zu den Todesumständen des achtjährigen Mädchens zeigte sich gestern auch die Anwältin von Michelles Familie. Die Eltern haben das gelesen, sagte Ina Alexandra Tust. Für sie sei es ärgerlich und traurig, derart grausame Details über den Tod ihres Kindes zu lesen. Staatsanwalt Ricardo Schulz forderte ebenfalls Zurückhaltung von den Medien ein. Berichte mit angeblichen Details behinderten und erschwerten die Puzzle-Arbeit der Soko. Muss man das wirklich schreiben?, mahnte er auch unter Verweis auf die Familie des Opfers an.
Für Empörung sorgt weiterhin die Vereinnahmung des Mordfalls Michelle durch Rechtsextreme. Es ist ihnen nichts heilig, sagte die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch dem Sender MDR Info. Sie werden noch den Teufel holen, um ihn für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Es sei jetzt endlich Zeit, dass man die NPD verbiete und die öffentlichen Gelder für sie einfriere. Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo (CDU) sprach von einer Schande und Bodenlosigkeit.
kub/F. D./dpa/ddp, Leipziger Volkszeitung vom 3. September 2008
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