Campus-Reporter begleiten Leipziger Hochschulangehörige und wollen herausfinden, was an ihnen und an ihrem Tun besonders ist.
„Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite.
Claus Baderschneider
von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.
Tschüss, Prof!
– Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt.
Physiker Wolfgang Oehme
weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.Der Bleistift gleitet sicher über das Papier. Ein „O", ein „N", ein „W". Sie entstehen schnell, die Buchstaben, mit denen Maurice Göldner sein Geld verdient. Buchstaben sind Konventionen unterworfen, sagt er. „Ein ,a‘ muss immer wie ein ,a‘ aussehen". Nur im Detail habe er „eine ziemlich große Freiheit." Maurice Göldner ist Schriftentwickler - neudeutsch auch Type-Designer genannt - und obendrein: Meisterschüler an der HGB. Sein Diplom schloss er mit einer Eins mit Auszeichnung ab. Deshalb durfte der 32-Jährige sich im Anschluss für ein so genanntes Meisterschülerstudium einschreiben. In gewissen Kunstkreisen erzeuge das „M-Wort", wie er sagt, noch immer lobende „Ah"- und „Oh"-Ausrufe. „Ich bin schon stolz auf den Titel."
Insgesamt 122 Meisterschüler hat Leipzig. 75 von ihnen studieren an der HGB, 37 an der Hochschule für Musik und Theater (HMT). Wer sein Diplom an der HGB mit gut oder sehr gut abschließt, kann sich für das Graduiertenstudium bewerben - vorausgesetzt, der Student findet einen Professor, der ihn die nächsten zwei Jahre betreut. So lange dauert das Meisterschülerstudium. Eine Kommission entscheidet schließlich darüber, wer angenommen wird.
"Vor einigen Jahren hatten wir mal eine Flut von Meisterschülern", erinnert sich Julia Blume, die in der Auswahlkommission sitzt. Die Professoren konnten die vielen Begabten nicht mehr betreuen. Seit kurzem gilt deshalb: Höchstens zehn Prozent aller HGB-Studenten dürfen Meisterschüler sein. An der HMT wird noch strenger ausgewählt: Hier müssen Bewerber eine Aufnahmeprüfung ablegen, zugelassen wird nur, wer dort mindestens die Note 1,5 erhält. 30 Studenten bewerben sich durchschnittlich auf einen Platz. „Es kam aber auch schon vor, dass wir keinen für geeignet befunden haben", sagt Professor Roland Schubert, der an der HMT Klassischen Gesang lehrt.
Maurice Göldner ist einer von nur zwei Meisterschülern in der Schriftklasse von Type-Design-Professor Fred Smeijers. Alle vier Wochen treffen sich Schüler und Meister zu Konsultationen, das Projekt wird besprochen, Details geklärt. Doch die meiste Zeit werkelt Maurice allein an seiner Arbeit. Mit sieben anderen Künstlern hat er sich im Leipziger Kolonnadenviertel in Innenstadtnähe in mehrere Büros eingemietet. Seins liegt im Souterrain und umfasst zehn Quadratmeter. Ein kahler Raum, spartanisch eingerichtet mit einem Holzschreibtisch und grauen Büroschränken. Vielleicht ist es gerade diese Schlichtheit, die Maurice für seine Arbeit braucht. Erst per Hand, dann am PC bastelt er tagelang an einer Schrift. „Wellington" heißt die, die er sich für sein Meisterschülerprojekt ausgesucht hat. Eine Schriftgießerei aus Dresden entwickelte sie Anfang des 20. Jahrhunderts. Maurice baut sie um, ergänzt sie. Er spricht von einer „Interpretation einer alten Schriftidee, mit neuem eigenem Design."