17.05.2012 02:58 Uhr
 
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Claus Baderschneider im Rosental „Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite. Claus Baderschneider von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.   
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Tschüss, Prof! – Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt. Physiker Wolfgang Oehme weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.
 

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Der Buchstaben-Bastler – Maurice Göldner ist Schriftgestalter und Meisterschüler

Meisterschüler Maurice Göldner in seinem Büro   Foto: Stefanie Dietz Meisterschüler Maurice Göldner in seinem Büro.
Sie sind die kleinen Stars an den Kunsthochschulen, auch in Leipzig: die Meisterschüler. So dürfen sich nur die begabtesten Studenten nennen. Eine handverlesene Elite, die nach strengen Kriterien ausgewählt wird. Doch welche Vorteile hat der Titel? Campus hat nachgefragt und einen der jungen Künstler an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) besucht.

Der Bleistift gleitet sicher über das Papier. Ein „O", ein „N", ein „W". Sie entstehen schnell, die Buchstaben, mit denen Maurice Göldner sein Geld verdient. Buchstaben sind Konventionen unterworfen, sagt er. „Ein ,a‘ muss immer wie ein ,a‘ aussehen". Nur im Detail habe er „eine ziemlich große Freiheit." Maurice Göldner ist Schriftentwickler - neudeutsch auch Type-Designer genannt - und obendrein: Meisterschüler an der HGB. Sein Diplom schloss er mit einer Eins mit Auszeichnung ab. Deshalb durfte der 32-Jährige sich im Anschluss für ein so genanntes Meisterschülerstudium einschreiben. In gewissen Kunstkreisen erzeuge das „M-Wort", wie er sagt, noch immer lobende „Ah"- und „Oh"-Ausrufe. „Ich bin schon stolz auf den Titel."

Insgesamt 122 Meisterschüler hat Leipzig. 75 von ihnen studieren an der HGB, 37 an der Hochschule für Musik und Theater (HMT). Wer sein Diplom an der HGB mit gut oder sehr gut abschließt, kann sich für das Graduiertenstudium bewerben - vorausgesetzt, der Student findet einen Professor, der ihn die nächsten zwei Jahre betreut. So lange dauert das Meisterschülerstudium. Eine Kommission entscheidet schließlich darüber, wer angenommen wird.

"Vor einigen Jahren hatten wir mal eine Flut von Meisterschülern", erinnert sich Julia Blume, die in der Auswahlkommission sitzt. Die Professoren konnten die vielen Begabten nicht mehr betreuen. Seit kurzem gilt deshalb: Höchstens zehn Prozent aller HGB-Studenten dürfen Meisterschüler sein. An der HMT wird noch strenger ausgewählt: Hier müssen Bewerber eine Aufnahmeprüfung ablegen, zugelassen wird nur, wer dort mindestens die Note 1,5 erhält. 30 Studenten bewerben sich durchschnittlich auf einen Platz. „Es kam aber auch schon vor, dass wir keinen für geeignet befunden haben", sagt Professor Roland Schubert, der an der HMT Klassischen Gesang lehrt.

Maurice Göldner ist einer von nur zwei Meisterschülern in der Schriftklasse von Type-Design-Professor Fred Smeijers. Alle vier Wochen treffen sich Schüler und Meister zu Konsultationen, das Projekt wird besprochen, Details geklärt. Doch die meiste Zeit werkelt Maurice allein an seiner Arbeit. Mit sieben anderen Künstlern hat er sich im Leipziger Kolonnadenviertel in Innenstadtnähe in mehrere Büros eingemietet. Seins liegt im Souterrain und umfasst zehn Quadratmeter. Ein kahler Raum, spartanisch eingerichtet mit einem Holzschreibtisch und grauen Büroschränken. Vielleicht ist es gerade diese Schlichtheit, die Maurice für seine Arbeit braucht. Erst per Hand, dann am PC bastelt er tagelang an einer Schrift. „Wellington" heißt die, die er sich für sein Meisterschülerprojekt ausgesucht hat. Eine Schriftgießerei aus Dresden entwickelte sie Anfang des 20. Jahrhunderts. Maurice baut sie um, ergänzt sie. Er spricht von einer „Interpretation einer alten Schriftidee, mit neuem eigenem Design."



Eine Frage, die sich der Gestalter oft gefallen lassen muss: Warum entwickeln Leute wie er überhaupt noch neue Schriften? Das kontert Maurice stets mit einer Gegenfrage: „Warum entwickelt die Mode jede Saison neue Hosen und Hemden?" Er lächelt. Schrift sei identitätsstiftend, sie unterstreiche den Stil einer Publikation. Und was viele nicht vermuten: Es gibt unendliche Variationsmöglichkeiten. „Mich fasziniert nicht nur die Buchstabenform, sondern auch das Zusammenspiel miteinander."

Sein Meisterschülerstudium vergleicht Maurice mit einer Promotion im Kunstbereich. Seine Projektarbeit umfasst einen großen Theorieteil - sie ähnelt einer Dissertation. Wie viele Doktoranden muss auch er nebenher arbeiten, um sein Projekt zu finanzieren. Bafög können die Meisterschüler nicht mehr beantragen, eine Graduiertenförderung bekam Maurice trotz seines Abschlusses von 1,0 nicht. Ein bisschen Geld dazu verdienen können sich die diplomierten Künstler an der Abendakademie der HGB. Zwölf Kurse geben sie dort für studieninteressierte Schüler ab 16 Jahren. „Da sollen die Meisterschüler ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben", sagt Akademieleiterin Blume. Der Verdienst liegt bei 13,11 Euro pro Stunde. Die Nachfrage sei größer als die Zahl der angebotenen Stellen. Hinzu kommen an HGB und HMT verpflichtende kostenlose Tutorien. Vier bis fünf Semesterwochenstunden müssen Meisterschüler im 3. und 4. Semester unterrichten. Auch Maurice gibt seine Kenntnisse regelmäßig an Studenten im Grundstudium weiter.

Eingebildet ist er nicht, aber sehr stolz, dass er als begabtester Nachwuchs an der HGB gilt. Ab und zu wird er in einer Künstler-Runde nicht als freier Schriftgestalter, sondern als Meisterschüler vorstellt. „Der Titel macht schon was her." Julia Blume bestätigt, dass der Begriff in der Kunstwelt noch immer einen hohen Stellenwert einnimmt. „Ursprünglich kommt er von einer alten akademischen Tradition, die den Meister in den Vordergrund rückt", erklärt sie. Schon zu Rembrandts Zeiten war es üblich, dass „der Student am Kunstprozess des Meisters teilnahm."

Heute sollen die Schüler sich nicht mehr an den Werken des Professors orientieren, sondern „einen individuellen Stil entwickeln", betont Blume. Der Einfluss des Professors ist dagegen an der Hochschule für Musik und Theater von großer Bedeutung. Gesangs-Professor Schubert bezeichnet den Titel als höchsten akademischen Grad an einer Kunsthochschule. „Die Anforderungen an die Meisterschüler werden deshalb jedes Jahr höher." Drei Stunden Programm müssen sie für den Abschluss vor einer Kommission vortragen, 14 Tage später ein öffentliches Konzert geben und weitere Prüfungen bestehen.

In einem Jahr wird auch Maurice Göldner sein praktisches Projekt vor einer Kommission verteidigen. Eine Meisterschülernote bekommt er nicht. Es zählt nur, ob er bestanden hat. Bis dahin wird er weiter in seiner Kammer am Schreibtisch sitzen und den Buchstaben seinen eigenen Stil verleihen.

Die Autorin Gina Apitz ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.

 
 
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