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Der Finanzallrounder: HTWK-Professor bringt Zahlenwissen in Wirtschaft und Wohltätigkeit ein
Silvia Perdoni
Foto: Silvia Perdoni
Das Handy ist Johannes Ditges ständiger Begleiter.
Vorsitzender bei Caritas, Vorsitzender des Finanzausschusses der Leipziger Industrie- und Handelskammer, Beirat der Deutschen Bank, Mitglied des Hochschulrates der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur (HTWK), Partner in einer Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfgesellschaft, Beisitzer im Wirtschaftsförderverein Machern - all das ist Johannes Ditges. Neben seinem Hauptberuf als Professor für Steuerlehre an der HTWK.
Das Smartphone auf dem Tisch fiept, doch Johannes Ditges schiebt es beiseite. Er nimmt sich Zeit für das Interview. „Ohne das Handy wäre ich aufgeschmissen", sagt der vom Niederrhein stammende Ditges. „Meine Sekretärin in der Kanzlei schickt mir darüber alle Termine für den Tag." Die besagte Mitarbeiterin hat ihr Büro fernab der HTWK in Ditges zweitem beruflichem Standort: Der ADW Prof. Ditges & Partner Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfgesellschaft. „Dort hänge ich als Gesellschafter und Mitgründer finanziell mit drin, um das Tagesgeschäft kümmere ich mich aber nicht. Das verwalten zwei Geschäftsführer."
Selbst wenn Ditges wollte, er dürfte in der Kanzlei nicht mehr Aufgaben übernehmen: Denn hauptberuflich ist er an der HTWK angestellt; gesetzlich dürfen Professoren nur acht Stunden pro Woche einer Nebentätigkeit nachgehen. „Im Kern bin ich Professor. Meine Passion ist es, den Studenten die bunte Welt der Steuern nahe zu bringen." Vorgeschrieben sind dem Professor 18 Wochenarbeitsstunden, dazu kommen Vor- und Nachbereitung, Klausuren und Abschlussarbeiten. Und die sonstigen Ämter des 60-Jährigen.
Das Wissen aus dem einen Gremium hilft Ditges bei der Arbeit in einem anderen
Was auf den ersten Blick wie ein Sammelsurium an Mitgliedschaften und Vorsitzen scheint, hat System: „Ich kann mein Wissen aus dem einen Gremium für meine Arbeit in einem anderen gebrauchen", sagt Ditges. „Zum Beispiel bin ich Mitglied im Steuerausschuss des Deutschen Industrie- und Handelskammertages. Er tagt zweimal pro Jahr und kooperiert direkt mit der Bundesregierung." Das Insiderwissen von oberster Stelle helfe dem Professor, die Mitglieder der Industrie- und Handelskammer (IHK) Leipzig auf den etwa dreimal jährlich stattfindenden Sitzungen über steuerliche Neuerungen zu informieren. „Bei der Leipziger IHK wiederum habe ich mit Unternehmen im ganzen Landkreis zu tun, auch in Machern." In dem Ort östlich von Leipzig wohnt Ditges, und dort ist er Beisitzer im Wirtschaftsförderverein.
Auch in seiner Funktion als Vorsitzender des Leipziger Caritas-Verbandes bleibt Ditges seinem Thema treu: Er übernimmt die unternehmerische Führung, berät in Steuer- und Finanzfragen. „Ohne soziales Engagement würde unsere Gesellschaft nicht funktionieren. Jeder sollte dabei das tun, was er am besten kann - bei mir sind das halt Finanzdinge." Auch hat der Professor das Gefühl, in dieser Funktion am meisten bewegen zu können: „Wenn ich Anträge richtig stelle und kontrolliere, dass Gelder rechtzeitig bezahlt werden, ist mein Hebel länger, als wenn ich mich in der direkten Betreuung von Menschen engagiere. Das können andere besser."
Wie beeinflussen Ditges nebenberufliche Tätigkeiten seinen Job an der HTWK? „Bestimmte Dinge aus beiden Bereichen helfen mir, meine Arbeit in dem jeweils anderen besser zu machen", erzählt der Professor. „Die Lehrtätigkeit verpflichtet mich, in der Rechtsprechung stets auf dem Laufenden zu sein. Erzähle ich in einer Vorlesung etwas, das nicht hinhaut, entlarven mich die Zuhörer." Andersherum diskutiere er in Vorlesungen über knifflige Steuerrechtsfälle, die ihm in der Kanzlei begegnen. „Das ermöglicht den Studenten Praxiseinblicke."
„Spaß an der Ausbildung von Nachwuchs hatte ich schon immer."
Die Idee, Lehre für Studenten möglichst anwendungsbezogen zu gestalten, gefällt Ditges. „Deswegen wollte ich nie an eine Uni, sondern habe mich bewusst an einer Fachhochschule beworben, wo der Praxisbezug ausgeprägter ist." Im Jahr 1993 sah der damalige Wirtschaftsprüfer eine Stellenausschreibung der HTWK in einer Tageszeitung. „Dann habe ich mich einfach beworben", sagt der Professor lachend. „Spaß an der Ausbildung von Nachwuchs hatte ich schon immer." Bereits vor seiner Berufung an die HTWK gab Ditges in seinem damaligen Betrieb Weiterbildungsseminare.
Dass Vorlesungen und Studentenbetreuung unter Ditges vielen Nebentätigkeiten leiden, findet Martin Lindner nicht. Im Wintersemester hatte der International Management-Student den Grundkurs Steuerlehre belegt. „Die Vorlesungen haben nach Plan stattgefunden und wir konnten Fragen stellen", so Lindner. „Ich gehöre allerdings nicht zu den ‚Vielfragern', weiß also nicht, wie gut zum Beispiel Professor Ditges Sprechstunde ist." Ausreichend gut jedenfalls, dass die Studenten der Lehrveranstaltung im vergangenen Semester die Schulnote 2 gaben.
Trotz der Anerkennung spielt Ditges mit dem Gedanken, sich beruflich etwas zurück zu nehmen. „Ich bin kürzlich 60 geworden und habe meiner Frau versprochen, kürzer zu treten", erzählt der Hobbysportler, für den die Sonntage auf dem Tennisplatz ein guter Ausgleich zur Arbeitswoche sind. Ditges Geheimrezept, alle Verpflichtungen zu vereinen, ist schlicht: gute Zeitplanung. „Trotzdem will ich schon einmal anfangen, für den Ruhestand zu trainieren." Ob er eher die Lehre oder seine Firma aufgeben würde? „Das weiß ich nicht. Noch sind das alles nur Überlegungen." Gleich darauf beginnt das Smartphone zu fiepen und schickt dem Professor einen neuen Termin - ganz so, als wolle es diesen Satz untermauern.
Die Autorin Silvia Perdoni ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem
Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität
Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 09.08.2011, 14:59 Uhr