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HMT-Rektorat beschließt Aus für Leipziger Musicalausbildung

Musste kurz vor Heilig Abend eine ziemlich unweihnachtliche Entscheidung treffen: HMT-Rektor Robert Ehrlich   Foto: Sebastian Münster Musste kurz vor Heilig Abend eine ziemlich unweihnachtliche Entscheidung treffen: HMT-Rektor Robert Ehrlich
Bereits seit Februar befindet sich die Musicalausbildung an der Hochschule für Musik und Theater (HMT) im Ausnahmezustand, nachdem die Studenten eine Sammelbeschwerde beim Rektorat eingereicht hatten. Seit Donnerstag ist bekannt: Der einzige Musical-Studiengang in den neuen Bundesländern wird geschlossen. Im Campus-Interview erläutert Rektor Robert Ehrlich die Hintergründe.

Frage: Herr Professor Ehrlich, das Rektorat hat gestern entschieden, was lange befürchtet wurde. Wie geht es für Musicalstudenten nun weiter?

Prof. Ehrlich: Es war eine sehr lange und extrem ernsthafte Sitzung. Wir haben den einstimmigen Beschluss gefasst, dass es nicht weitergehen kann. Wir müssen die Musicalausbildung aufheben. Das bedeutet im Klartext: Alle Studierenden - derzeit sind 17 Studenten immatrikuliert - werden ihr Studium abschließen können und wir werden uns bemühen, ihnen die bestmögliche Ausbildung zu geben.

Sie haben im Vorfeld in der Senatssitzung am Dienstag gesagt, es gehe nicht darum, ob die HMT die Musicalausbildung weiterführen wolle, sondern ob sie es könne. Mussten sie einsehen, dass sie es nicht können?

Diese Ausbildung ist gescheitert. Das hat eine Senatskommission in akribischer Arbeit herausgefunden, ein einstimmiges Protestvotum der Studenten hat das bestätigt. Wir haben in den letzten sechs, sieben Monaten Verbesserungen herbeigeführt. Aber die Ausbildung ist immer noch nicht auf HMT-Niveau. Bei der Abstimmung im Senat hat es sich niemand leicht gemacht: Die meisten haben sich ihrer Stimme enthalten. Also musste das Rektorat handeln. Wir wollen nicht diejenigen sein, die das Beil schwingen. Aber diesen Studiengang weiterzuführen, ohne ihn grundlegend zu reformieren und neu zu strukturieren, würde Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht tragen können. Und den Ausnahmezustand, in dem wir uns derzeit befinden, können wir schlichtweg nicht weiter finanzieren. Wir müssen eingestehen, dass uns ein Projekt nicht gelungen ist. Ich finde aber, dass wir angemessen reagieren. Gut geht es mir nicht dabei. Aber in erster Linie täte es mir leid, wenn weitere Generationen von Studierenden enttäuscht würden.

Im Februar hatten sich die Musical-Studenten nahezu geschlossen beschwert, weil sie sich nicht angemessen betreut gefühlt haben. Seitdem wurden zusätzliche Lehrkräfte eingestellt. Die Ausbildung hat sich nach Studentenaussagen seitdem stark verbessert. Warum kann man das nicht fortsetzen?

zum Thema Meuterei bei Musical-Ausbildung – Zukunft der Fachrichtung an der Musikhochschule ungewiss Verschnaufpause nutzen Hochschule für Musik und Theater Leipzig
Wir haben kompetente, national bekannte Lehrkräfte geholt, um die Ausbildung zu verbessern. Das kostet viel Geld. Das Resultat war eine Doppelstruktur. Neben dem eigentlichen Fachgebiet gibt es seit Februar einen zweiten virtuellen, der die Lehre durchführt. Selbst wenn wir diesen Zustand aufrecht erhalten könnten, muss die Frage gestellt werden, ob das eine seriöse Ausbildung ist. In einem künstlerischen Bühnenstudiengang ist man als Student wirklich jeden Tag zehn, elf Stunden in der Hochschule und macht Übungen in Tanz, Gesang und Schauspiel. Wenn da kein roter Faden ist, dann Gute Nacht. Das Konzept muss stimmen. Das Zusammengehen der Lehrkräfte muss funktionieren. Lehrende und Studierende müssen miteinander klar kommen.

Die drei Professorinnen des Fachbereiches Musical sind verbeamtet und werden weiter an der Hochschule bleiben. Wie soll das gehen?

Dass es keine Musicalausbildung gibt, heißt nicht, dass diese Hochschullehrer auf einmal überflüssig geworden sind. Die Tanzausbildung war immer eine hervorragend funktionierende Säule der Musicalausbildung. Sie gibt es auch weiterhin bei Schauspiel, in der Musikpädagogik oder in der Schulmusik. Ich zweifle keine Sekunde, dass wir dort trotz aller menschlichen Enttäuschung und allem Groll eine gute Lösung für die Professorin und vielleicht sogar für einzelne Lehrbeauftragte finden können. Auch Gesangsausbildung wird es weiterhin geben, sowohl in der Klassik wie beim Schauspiel als auch bei der Schulmusik. Viele Elemente dieses Studienganges sind ohnehin präsent in der Ausbildung der HMT.

Die Schließung des einzigen ostdeutschen Musical-Studiengangs wird zweifelsohne einen Imageverlust für die HMT bedeuten. Wie kann man das reparieren?

Der eigentliche Imageverlust ist längst geschehen. Die Musicalausbildung ist sehr spezifisch. Es reicht nicht aus, einfach ein bisschen Schauspiel, Gesang und Tanz zu studieren, um dann bei „Cats" in Hamburg aufzutreten. Da braucht man eine zielstrebige Ausbildung, um diese Dinge zu vereinigen. Und die haben wir nicht. Das Potential allerdings haben wir und deshalb haben unsere Musicalstudenten auch immer wieder Erfolg. Aber insgesamt hat es nicht funktioniert. Und ich kann den krankenden Musicalbereich nicht auf Kosten gesunder Fachrichtungen stärken. Wir schließen nicht aus finanziellen Gründen, sondern das war eine qualitative Entscheidung.

Der Autor Sebastian Münster ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.

 
 
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