Campus-Reporter begleiten Leipziger Hochschulangehörige und wollen herausfinden, was an ihnen und an ihrem Tun besonders ist.
„Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite.
Claus Baderschneider
von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.
Tschüss, Prof!
– Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt.
Physiker Wolfgang Oehme
weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.
Foto: Sebastian Münster
Musste kurz vor Heilig Abend eine ziemlich unweihnachtliche Entscheidung treffen: HMT-Rektor Robert Ehrlich
Frage: Herr Professor Ehrlich, das Rektorat hat gestern entschieden, was lange befürchtet wurde. Wie geht es für Musicalstudenten nun weiter?
Prof. Ehrlich: Es war eine sehr lange und extrem ernsthafte Sitzung. Wir haben den einstimmigen Beschluss gefasst, dass es nicht weitergehen kann. Wir müssen die Musicalausbildung aufheben. Das bedeutet im Klartext: Alle Studierenden - derzeit sind 17 Studenten immatrikuliert - werden ihr Studium abschließen können und wir werden uns bemühen, ihnen die bestmögliche Ausbildung zu geben.
Sie haben im Vorfeld in der Senatssitzung am Dienstag gesagt, es gehe nicht darum, ob die HMT die Musicalausbildung weiterführen wolle, sondern ob sie es könne. Mussten sie einsehen, dass sie es nicht können?
Diese Ausbildung ist gescheitert. Das hat eine Senatskommission in akribischer Arbeit herausgefunden, ein einstimmiges Protestvotum der Studenten hat das bestätigt. Wir haben in den letzten sechs, sieben Monaten Verbesserungen herbeigeführt. Aber die Ausbildung ist immer noch nicht auf HMT-Niveau. Bei der Abstimmung im Senat hat es sich niemand leicht gemacht: Die meisten haben sich ihrer Stimme enthalten. Also musste das Rektorat handeln. Wir wollen nicht diejenigen sein, die das Beil schwingen. Aber diesen Studiengang weiterzuführen, ohne ihn grundlegend zu reformieren und neu zu strukturieren, würde Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht tragen können. Und den Ausnahmezustand, in dem wir uns derzeit befinden, können wir schlichtweg nicht weiter finanzieren. Wir müssen eingestehen, dass uns ein Projekt nicht gelungen ist. Ich finde aber, dass wir angemessen reagieren. Gut geht es mir nicht dabei. Aber in erster Linie täte es mir leid, wenn weitere Generationen von Studierenden enttäuscht würden.
Im Februar hatten sich die Musical-Studenten nahezu geschlossen beschwert, weil sie sich nicht angemessen betreut gefühlt haben. Seitdem wurden zusätzliche Lehrkräfte eingestellt. Die Ausbildung hat sich nach Studentenaussagen seitdem stark verbessert. Warum kann man das nicht fortsetzen?
Die drei Professorinnen des Fachbereiches Musical sind verbeamtet und werden weiter an der Hochschule bleiben. Wie soll das gehen?
Dass es keine Musicalausbildung gibt, heißt nicht, dass diese Hochschullehrer auf einmal überflüssig geworden sind. Die Tanzausbildung war immer eine hervorragend funktionierende Säule der Musicalausbildung. Sie gibt es auch weiterhin bei Schauspiel, in der Musikpädagogik oder in der Schulmusik. Ich zweifle keine Sekunde, dass wir dort trotz aller menschlichen Enttäuschung und allem Groll eine gute Lösung für die Professorin und vielleicht sogar für einzelne Lehrbeauftragte finden können. Auch Gesangsausbildung wird es weiterhin geben, sowohl in der Klassik wie beim Schauspiel als auch bei der Schulmusik. Viele Elemente dieses Studienganges sind ohnehin präsent in der Ausbildung der HMT.
Die Schließung des einzigen ostdeutschen Musical-Studiengangs wird zweifelsohne einen Imageverlust für die HMT bedeuten. Wie kann man das reparieren?
Der eigentliche Imageverlust ist längst geschehen. Die Musicalausbildung ist sehr spezifisch. Es reicht nicht aus, einfach ein bisschen Schauspiel, Gesang und Tanz zu studieren, um dann bei „Cats" in Hamburg aufzutreten. Da braucht man eine zielstrebige Ausbildung, um diese Dinge zu vereinigen. Und die haben wir nicht. Das Potential allerdings haben wir und deshalb haben unsere Musicalstudenten auch immer wieder Erfolg. Aber insgesamt hat es nicht funktioniert. Und ich kann den krankenden Musicalbereich nicht auf Kosten gesunder Fachrichtungen stärken. Wir schließen nicht aus finanziellen Gründen, sondern das war eine qualitative Entscheidung.
Der Autor Sebastian Münster ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.