17.05.2012 02:58 Uhr
 
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Claus Baderschneider im Rosental „Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite. Claus Baderschneider von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.   
Weitere Lieblingsplätze der Studenten, Professoren und Mitarbeiter der Leipziger Hochschulen lernen Sie hier kennen.
 

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Tschüss, Prof! – Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt. Physiker Wolfgang Oehme weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.
 

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Japanischer Botschafter zum Atomausstieg: „Eine betonköpfige Argumentation ist nicht notwendig“

"Es muss auf dem Campus weiter diskutiert werden"   Foto: Matthias Schaette "Es muss auf dem Campus weiter diskutiert werden"
Die schlechten Nachrichten aus Fukushima reißen nicht ab. Knapp acht Monate nach der japanischen Reaktorkatastrophe hat es in dem Kraftwerk laut Medienberichten am Mittwoch eine unkontrollierte Kernspaltung gegeben. Im Interview beantwortet Japans Botschafter in Berlin, Dr. Takahiro Shinyo, Fragen zur Energiewende, zur Rolle der Hochschulen und zur Sicherheit deutscher Studenten in Japan.

Herr Shinyo, das Thema Atomkraft wird nicht erst seit Fukushima unter deutschen Studenten heiß diskutiert. 1973 haben Sie selbst in Göttingen Völkerrecht studiert. Wie haben Sie damals über Energiefragen debattiert?

Zu meiner Studienzeit fand die erste Ölkrise statt. Deswegen erinnere ich mich sehr gut daran. Man war sehr sensibilisiert und hatte große Angst, dass die Öllieferung gestoppt wird. Im kalten Winter kann man nicht heizen. Man hatte sonntags Fahrverbot. Das war für mich nicht nur Diskussion, sondern Tatsache. Deswegen waren wir damals sehr ernsthaft. Aber in Deutschland, wie auch in Japan sind die Leute sehr ruhig mit den notwendigen Maßnahmen umgegangen. Es gab keinen Krach.

Zu Ihrem Vortrag an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur im Rahmen der Vorlesungsreihe „Fukushima und die Folgen“ kamen mehr als 200 Studenten. Wie diskutieren deutsche Studenten heute über Energiefragen?

Sie sind sehr interessiert. Wenn es der Wirtschaft gut geht, dann fragt man nicht. Wenn es der Wirtschaft schlecht geht, dann entdeckt man eine Sensibilität für diese Frage und diskutiert - aus der Not heraus. Ich glaube aber, dass die Studierenden in Deutschland gut informiert, motiviert, umweltorientiert sind. Ich kenne keine anderen Studierenden industrialisierter Länder, die so sensibilisiert und bewusst sind in Bezug auf die Umwelt wie in Deutschland.

Eines der zentralen Diskussionsthemen ist die Atomenergie. Welche Rolle spielt dieses Thema unter japanischen Studenten? Wird sich kritisch damit auseinandergesetzt?

In Bezug auf die Energiefrage sind die Meinungen geteilt. Es gibt in Japan natürlich auch Studenten, die einen Sofortausstieg aus der Atomenergie wünschen. Nicht wenige sind auch besorgt über die wirtschaftliche Entwicklung. Ohne Atomenergie kann die Wirtschaft nicht weiter vorangetrieben werden. Das würde bedeuten, dass sie an Lebensniveau verlieren. Es muss auf dem Campus weiter diskutiert werden. Wir haben volle Meinungsfreiheit. Aber ich wünsche mir, dass man nicht einseitig denkt. Eine betonköpfige Argumentation ist nicht notwendig.

Welche Rolle kommt den Universitäten zu, neue Technologien zur Vorhersage oder Vermeidung zukünftiger Naturkatastrophen zu
"Es gibt keinen Grund, Japan zu meiden."   Foto: Matthias Schaette "Es gibt keinen Grund, Japan zu meiden."
entwickeln?

Hochschulen haben eine immens große Verantwortung, und auch Möglichkeiten, neue Technologien zu erforschen. Das ist auch ihre Pflicht, dies nicht nur den Unternehmen zu überlassen, sondern grundlegende Forschung zu betreiben. Das Undenkbare zu denken, ist die Aufgabe der Universitäten. Denkbares zu denken, ist die Aufgabe der Unternehmen.

Gibt es bereits Innovationen, die Tsunamis vorhersagen helfen?

Da muss man ehrlich sagen, gegen Tsunamis kann man nichts tun. Selbst eine Schutzmauer hilft nicht.

Nun gab es deutsche Studenten, die nach der Katastrophe im März zurück nach Deutschland geflogen sind. Wie sicher sind deutsche Studenten momentan in Japan?

Die sind völlig sicher. Sehen Sie mal, was die japanischen Studierenden machen! Die evakuieren nicht, die bleiben dort, wo sie sind. Unsere Kinder sind auch da. Warum sollten die Ausländer weggehen? Dafür gibt es keinen Grund. Man muss wissen, dass durch diesen Atomunfall niemand gestorben ist. Wir recherchieren und untersuchen langfristig die Strahlung und ihre Auswirkung auf den menschlichen Körper. Erst nach 30 oder 60 Jahren kann man feststellen, welche Auswirkung die radioaktive Strahlung hat.

Wie hoch ist die Strahlenbelastung heute?

Es ist nicht so viel. In Tokio weniger als in sonstigen Städten, nicht nur in Japan, sondern der Welt. Im Großen und Ganzen gibt es keinen Grund, Japan zu meiden oder keinen Grund, Nahrungsmittel aus Japan, die geprüft worden sind, nicht zu essen. Auf Gerüchte basierendes Verhalten schadet dem Austausch. Wir hoffen, dass die deutschen Studenten nach Japan kommen möchten und sehen, was dort passiert ist.

Am 9. November folgt der nächste Vortrag der Ringvorlesung „Fukushima und die Folgen“ in der HTWK Leipzig. Ab 17.15 Uhr spricht Prof. Antonio Hurtado, Experte für Wasserstoff- und Kernenergietechnik von der TU Dresden, über „Grundlagen der Kernenergietechnik". Die Veranstaltung findet im Hörsaal G119 in der Karl-Liebknecht-Straße 132 statt.

Der Autor Conrad Ziesch ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
 
 
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