Bis Adrian im vergangenen Jahr eingeschult wurde, hieß es an mindestens drei Tagen der Woche mehrmals hin und her: zwischen der Wohnung im Waldstraßenviertel, dem Kindergarten im Nordosten der Stadt, der HTWK in Connewitz und ihrem Halbtags-Job an der Handelshochschule Leipzig (HHL) in Zentrum-West. „Bei so einem Programm ist mir jede Minute heilig.“ Schon beim Schildern eines solchen Tagesablaufs klingt die zierliche 26-Jährige erschöpft.
Auf die Frage, ob ein Auto als Studentin und junge Mutter nicht trotzdem ein ziemlicher Luxus sei, antwortet sie kurz und pragmatisch: „Schon. Aber mit den Öffentlichen bin ich einfach zu unflexibel und zu langsam.“ Deshalb sei das Auto von Beginn an immer im Budget eingeplant gewesen. Auch, weil ihre Familie auf dem Land wohnt. Leisten könne sie sich ihren Opel durch den Job sowie durch Unterstützung von zu Hause und in Form von BAföG.
Trotzdem sieht sich Sophie nicht als notorische Kraftfahrerin. Wenn sie im Sommer mit ihrem Studium an der HTWK fertig wird und dadurch der tägliche Weg in den Leipziger Süden entfällt, gedenkt die junge Mutter auch öfter mit dem Rad zu fahren: Denn sowohl ihr Arbeitsplatz an der HHL als auch die Grundschule, zu der Adrian mittlerweile geht, sind nur einen Katzensprung von ihrer derzeitigen Wohnung entfernt. Sophie findet Leipzig als Stadt zum Radfahren nämlich eigentlich durchaus geeignet, und auch Adrian fährt gerne Fahrrad. So steht einer gemeinsamen Erkundung der Stadt auf zweimal zwei statt einmal vier Rädern bald theoretisch nur das kaputte Fahrrad im Weg. Aber das lässt sich gewiss schnell mit dem Auto zur nächsten Werkstatt bringen.
Der Autor Richard Siegert ist Mitglied der Lehrredaktion Campus,
einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der
Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.