Köpfe
Neuer HTWK-Professor Engisch ist ein Ursachse mit Auslandserfahrung
Stefan Hantzschmann
Foto: Stefan Hantzschmann
Professor Engisch zeigt eine Druckmaschine für Probedrucke.
Wie wäre es, wenn man Solarzellen einfach drucken könnte, kostengünstig und im großen Stil? Oder wenn man chemisch aktives Papier herstellen könnte, mit dem Blut schneller als bisher analysiert werden kann? Professor Lutz Engisch von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) ist begeistert von diesen Ideen. Die HTWK hat ihn nach Leipzig geholt, damit er an neuen Technologien zum Drucken forscht und den Fachbereich für Werkstoffe neu gestaltet.
Lutz Engisch ist ein Ursachse. In Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) wurde er 1974 geboren und studierte dort Physikalische Chemie. Einige Klischees eines gebürtigen Chemnitzers erfüllt Engisch voll und ganz: Dazu gehört diese Bescheidenheit, mit der er ruhig seinen Lebenslauf erzählt, und der freiwillige Städte-Vergleich. „In Leipzig ist wirklich mehr los als in Chemnitz“, sagt Engisch, der in der Industrieperle Sachsens nicht nur studierte, sondern auch promovierte – im Rahmen des Graduiertenkollegs „Dünne Schichten und nichtkristalline Stoffe“ an der Technischen Universität.
Bevor Engisch zur größten Fachhochschule Sachsens kam, sammelte er zunächst Arbeitserfahrungen in Schweden und forschte später auf der anderen Seite der Erdkugel – in Australien. Während seines Aufenthaltes auf dem fünften Kontinent, hat er den deutschen Sozialstaat zu schätzen gelernt. Nachdem er 2005 für eine Stockholmer Firma aus dem Bereich der Papierindustrie arbeitete, ging Engisch nach Australien und forschte mithilfe eines Stipendiums der Deutschen Forschungsgesellschaft in Brisbane an der Queensland University of Technology.
Er ist gern zurück nach Sachsen gekommen. „In Australien war es völlig anders als in Schweden oder Deutschland“, sagt Engisch. Er schmunzelt, als müsse er es sich verkneifen, schlecht über Australien zu reden. Schön sei es da gewesen, sagt er schließlich, aber gewöhnungsbedürftig. „Das Leben dort hat schon eine gewisse Härte“, meint er. Deutschland sei sozialer und die Mentalität der Australier manchmal „nervenaufreibend“ – zum Beispiel in Sachen Pünktlichkeit. „Skandinavien entspricht da schon eher meinem Naturell“, sagt Engisch. Schweden beispielsweise sei ein soziales Land mit freundlichen Menschen.
In Leipzig hat sich der neue HTWK-Professor für eine Wohnung im Stadtteil Plagwitz entschieden. „Ich mag das städtische Flair und habe dort trotzdem einen kleinen Garten.“ Seine Familie fühle sich in Leipzig ausgesprochen wohl. Im November 2010 ist er Vater geworden.
Der Umzug nach Leipzig ist geschafft, doch auf den jungen Wissenschaftler wartet eine ganze Menge Arbeit an der HTWK. Engisch will seinen Fachbereich neu organisieren, neue Anwendungsmöglichkeiten für Werkstoffe finden – durch das Drucken. Bisher konzentrierte sich der Fachbereich auf das Drucken mit klassischen Werkstoffen – zum Beispiel Farbe auf Papier oder Folie. Engisch versucht hingegen die Drucktechnik als Instrument zu nutzen, um ganz andere Materialien zu verarbeiten. So könnten in Zukunft auch Solarzellen gedruckt werden.
Mittlerweile erreichen ihn bereits etwa 30 E-Mails pro Tag, Tendenz steigend. Außerdem gibt Engisch an der HTWK seine ersten Vorlesungen. „Es ist nicht einfach, den Stoff für 90 Minuten richtig abzuschätzen“, meint er. Die Arbeit mit den Studenten stehe für den 37-Jährigen an erster Stelle und bereite ihm viel Spaß – auch ein Grund für ihn, eine Karriere an der Hochschule einzuschlagen. Zuletzt arbeitete Engisch als Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Sächsischen Walzengravur Frankenberg. Die Verbindung von Forschung und Praxis ist ihm wichtig. „Es ist gut, wenn die Studenten auch mal in der Praxis gearbeitet haben“, findet der Professor. Das Ausbildungskonzept der HTWK schätzt er wegen des Praxisbezugs.
Der Autor Stefan Hantzschmann ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 08.07.2011, 18:45 Uhr