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Uniarchiv wird offiziell eröffnet – Erstmalige Ausstellung kostbarer Dokumente
Sebastian Münster
Foto: Matthias Schaette
"Von Prag nach Leipzig", so lautet das Motto der Ausstellung im Universitätsarchiv.
Deutschlands
modernstes Universitätsarchiv beherbergt Dokumente aus mehr als 600
Jahren Geschichte der Universität Leipzig. An diesem Freitag (25.
November) wird es in neuem Quartier eröffnet. In der dazugehörigen
Ausstellung werden erstmals mittelalterliche Urkunden zu sehen sein, die bis weit vor die Gründung der Alma Mater zurückreichen.
Zur
Eröffnung am Freitag wird Uni-Rektorin Beate Schücking den
tschechischen Botschafter in Berlin, Rudolf Jindrak, begrüßen. Der
weltweit renommierte Historiker und Mediävist (Wissenschaft vom
europäischen Mittelalter) Professor Frantisek Smahel von der
Karlsuniversität Prag wird die Festrede halten. Von 17 bis 19 Uhr
ist das Archiv, das in einem ehemaligen
Pferdestall untergebracht
ist, für Besucher geöffnet und erlaubt einen
Blick hinter die Kulissen.
Zum
ersten Mal sind in einer Ausstellung mittelalterliche Dokumente
vereint, die von Schlüsselereignissen in der Entstehungsgeschichte
der Universität Leipzig zeugen. Darunter die Gründungsurkunde der
Universität Prag von 1348 sowie das berühmte Kuttenberger Dekret
von 1409, Dokument eines politischen Schachzuges von König Karl IV.,
um die Böhmen zu bevorteilen. Es gab den Anlass für den Auszug von
46 Magistern und zahlreichen Studenten aus Prag. In Leipzig fanden
sie eine neue Heimstatt - die Geburtsstunde der Uni-Leipzig anno
1409. Die kostbaren Stücke sind eigens aus Prag in das Archiv
gebracht worden und warten nun bei 20 Grad Celsius und 50 Prozent
Luftfeuchte hinter dickem Panzerglas auf interessierte Besucher.
Mehr
Professoren als Studenten
„Als
die 46 Magister in Leipzig einen Neuanfang wagten, hatten sie
lediglich 22 Studenten. Doch bereits Ende des ersten Semesters waren
es 300", erzählt Jens Blecher, Direktor des Uniarchivs.
Dem
Rektor musste der akademische Nachwuchs seinerzeit lebenslange Treue
und Gehorsam schwören. Davon zeugt das ebenfalls zu sehende
Schwurbuch, damaliges Regelwerk der Alma mater Lipsiensis.
Der
promovierte Historiker Blecher gerät ins Schwärmen, wenn er über
die Geschichte der Alma Mater und das neue Uniarchiv spricht. Auch,
weil das Uniarchiv erstmals seit der Sprengung der Universitätskirche
St. Pauli 1968 nach zahlreichen Interims nun wieder ein Quartier auf
Dauer hat. Bis zum 12. Dezember sind die kostbaren Stücke zu sehen.
Natürlich bieten nicht alle Dokumente im Archiv soviel historische Faszination. In erster Linie ist die Uni Leipzig als öffentliche Einrichtung im Freistaat dazu verpflichtet, ihre Akten geordnet zu archivieren. Die umfassende kulturhistorische Quellensammlung, die sich dadurch angesammelt hat, wird von Studierenden wie Lehrenden zu Forschungszwecken genutzt.
Der
Autor Sebastian Münster ist
Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des
Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger
Volkszeitung.
© LVZ-Online, 24.11.2011, 12:19 Uhr