Campus-Reporter begleiten Leipziger Hochschulangehörige und wollen herausfinden, was an ihnen und an ihrem Tun besonders ist.
„Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite.
Claus Baderschneider
von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.
Tschüss, Prof!
– Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt.
Physiker Wolfgang Oehme
weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.Schoof untersucht, ob auch die dritte Porsche-Reihe in Leipzig gebaut werden kann
Dies bekräftigt Porsche-Personalchef Althoff: „Wenn Maschinen stillstehen, etwa wegen Wartungen, geht wertvolle Zeit verloren und weniger Autos können produziert werden." Der gelernte Rechtsanwalt bemüht einen Vergleich: Es sei in der Produktion wie bei einem 24-Stunden-Rennen - nicht die Spitzengeschwindigkeit, sondern der laufende, möglichst reibungslose Betrieb sei entscheidend. Die Effizienz stehe im Mittelpunkt.
Der wissenschaftliche Sachverstand der Diplomandin soll und kann sich in Zukunft für den Autobauer Porsche lohnen. Schoofs Beitrag sei wichtig, um durchgehend störungsfrei produzieren zu können und die derzeitige Auslastung von etwa 98 Prozent zu halten, so Althoff. Die Diplomandin untersucht, ob dieser Wert gehalten werden kann, wenn in den nächsten Jahren eine dritte Baureihe in Leipzig produziert wird. Es sei im Interesse des Unternehmens, potenzielle künftige Berufsstarter so früh wie möglich mit den Abläufen vertraut zu machen, damit sie fit für künftige Aufgaben sind, so Althoff. Eine Garantie für eine spätere Anstellung sind Praktikum und Diplomarbeit bei Porsche freilich nicht, doch auf diese Weise bietet sich den Unternehmen die Möglichkeit, mit qualifiziertem Personal vor dem Berufseinstieg auf Probe zusammen zu arbeiten.
Dabei hat Schoof weniger mit PS und mehr mit nüchternen Zahlen zu tun. Die tägliche Arbeit mit den Zahlenkolonnen auf dem Weg zum Diplom, die Auswertung von Daten der vergangenen zehn Jahre in Excel-Tabellen sei mitunter auch anstrengend und „manchmal auch relativ eintönig", sagt Schoof. Aber im Grunde sei sie froh, nun mit greifbaren Zahlen statt mit abstrakten Variablen und theoretischen Gleichungen zu tun zu haben - in ihrem Fach keine Selbstverständlichkeit. „Ich kam an die Uni und hatte plötzlich nur noch Buchstaben vor mir", sagt sie rückblickend. Viele Kommilitonen haben inzwischen das Studium aufgegeben, Schoof nicht. Vielleicht hänge ihr Faible fürs Rechnen ja damit zusammen, dass sie laut familiärer Überlieferung „ungefähr in der 34. Generation" von Adam Ries, dem Vater des modernen Rechnens, abstammt, sagt die Diplomandin beiläufig und scherzt: „Meine Schwester hat aber weniger mathematisches Verständnis mitbekommen."
Für die Arbeit im Unternehmen sind andere Kenntnisse nötig als im Studium
Die im Studium gelegten Grundlagen und die mathematische Herangehensweise seien zwar wichtig, meint die 24-Jährige, doch seit sie bei Porsche ist, sieht sie ihr Studium mit etwas anderen Augen: Zwar könne sie erstaunlich viel im Studium Erlerntes nun praktisch anwenden, doch bei ihren Analysen im Unternehmen helfen die Grundlagen nur bedingt: „Theoretische Beweisführung brauche ich hier nicht. Ich finde es schade, dass das Studium nicht vorsieht, sich praktisch zu orientieren." Von den Angeboten der Betriebe komme bei den Studierenden nicht viel an. Ein Praktikum während ihres Studiums sei nicht vorgesehen, und nicht viele ihrer Kommilitonen machen ein Praktikum. Sie nahm sich für ihr erstes halbes Jahr bei Porsche ein Urlaubssemester.
Ob und inwiefern praktische Erfahrungen neben dem Studium gesammelt werden, „das hängt sehr vom Engagement der Studierenden ab", meint Wirtschaftsmathematiker Heyde. Nach seiner Einschätzung sind Praktika während des Studiums „auf jeden Fall hilfreich und durchaus sinnvoll". Allerdings, so Heyde, seien solche praktischen Erfahrungen für angehende Wirtschaftsmathematiker kein Muss. Es gelinge in der Regel auch Studierenden ohne vorheriges Praktikum, den Übergang in die Praxis zu meistern.
Auch für eine praxisnahe Diplomarbeit ist ein Praktikum kein Muss. So werden im Leipziger BMW-Werk Themen für Diplomarbeiten zum Teil gezielt ausgeschrieben. Häufig entstünden Ideen für Diplomarbeiten allerdings während eines Praktikums - so war es auch bei Christin Schoof und Porsche. Abschlussarbeiten und Praktika in Betrieben sieht BMW-Sprecherin Ihle als wichtigen Praxisaustausch. Man wolle Studenten die Möglichkeit geben, ganz konkret Praktisches zu lernen und den Berufseinstieg erleichtern. Ähnlich wird dies an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) bewertet. Dort gehören Praktika in vielen Studiengängen zum Curriculum, sagt Dirk Lippik, Referent für Forschung im Prorektorat für Wissenschaftsentwicklung. An der Uni dagegen hängt der Praxisanteil stärker von Fachrichtung und Eigenantrieb der Studenten ab. Christin Schoof bereut ihre Themenwahl nicht - auch wenn es noch viel zu tun gibt, bevor sie das wissenschaftliche Werk in gebundener Form in Händen halten kann.
Der Autor Jonas Wissner ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.