Lehre + Forschung
Studenten lernen Ehrenamt – Amerikanisten bieten Seminar zu Service Learning an
Julia Reinard
Foto: Carola Rauch
Projektvorstellung: Talentshow für Guatemala
Wieder ein Beispiel dafür, dass vieles Neues aus den USA zu uns nach Deutschland kommt: Das Institut für Amerikanistik der Universität Leipzig hat im Sommersemester erstmals ein Seminar zu ehrenamtlichem Engagement angeboten. Studenten mussten dabei soziale Kompetenz beweisen, sich in ehrenamtlichen Projekten engagieren und bekamen dafür Noten. Knapp ein Drittel der Helfer entschied sich nach Veranstaltungsende, auch in Zukunft weiter ehrenamtlich tätig zu sein.
„Arbeitgeber schauen auch auf das soziale Engagement", sagt Maria Zywietz, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Amerikanistik-Institut. Das wissen auch die 13 Studenten, die das Seminar „Service Learning" (Ehrenamtliches Engagement) belegt haben. Ihre Aufgabe: Sie sollten sich sich einen Verein suchen oder sich ein eigenes Projekt aufbauen, um soziales Engagement zu zeigen. Heraus kamen sechs Projekte, die an diesem Donnerstag (21. Juli, 17 Uhr) in der Universitätsbibliothek Albertina der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Testlabor für Instituts-übergreifendes Angebot
Die Idee, „Service Learning" zu einem Teil des Studiums zu machen, brachte Amerikanistik-Professor Crister Garrett aus den Vereinigten Staaten mit: „Dort ist Service Learning in der Hochschullandschaft fest verankert." Seiner Ansicht nach bietet es drei Vorteile: „Es hilft, die Grenzen zwischen Universität und Gesellschaft abzubauen, und Studenten erwerben berufliche Fähigkeiten." Außerdem würden Themen wie Einwanderung und Integration behandelt.
Auch in Deutschland gibt es bereits vereinzelt Universitäten, die „Service Learning" in ihre Studienprogramme aufgenommen haben. Zum Beispiel die Uni Duisburg-Essen. Dort ergab eine Auswertung nach drei Jahren Projektdauer, dass ein Drittel der Teilnehmer sich auch nach Ende des Seminars ehrenamtlich engagiert hat. In Leipzig gilt die Veranstaltung der Amerikanistik als „Testlabor", wie es die Wissenschaftliche Mitarbeiterin Maria Zywietz ausdrückt. Die „Förderer und Freunde der Universität" unterstützten das Projekt mit 2000 Euro. Das Konzept wird nach diesem Semester bewertet und eventuell von der Universität übernommen. Sie würde die Veranstaltung dann institutsübergreifend anbieten.
Projekt gründen oder einen Verein unterstützen
Foto: Julia Reinard
Projektdiskussion: Lisa Wiedemann und Maria Zywietz
Wie sah die praktische Arbeit für die Studenten aus? Theresia Lakomy, Lisa Förster und Linda Kopitz beispielsweise haben Spenden für den Verein „Mirador" gesammelt, der in Guatemala eine Krankenstation errichten will. Sie haben sich bewusst für einen bestehenden Verein entschieden. „Es gibt ganz viele tolle Projekte, da wollten wir lieber eines unterstützen als noch eines zu schaffen", sagt Linda Kopitz. Sie veranstalteten einen Talentabend und erwirtschafteten dabei 249 Euro durch Eintrittsgelder und Spenden, die sie nun dem Verein übergeben. Theoretisches Fundament des Seminars bildeten dabei Grundlagen zu Spendensammeln, Vereinsgründen, Öffentlichkeitsarbeit und die Philosophie sozialen Engagements.
Diese Verbindung von Theorie und Praxis fand Lennert Bastert besonders spannend: „Der Vorteil des Moduls war die theoretische Reflexion", sagt der 20-jährige Bachelor-Student. Er hätte vor Beginn des Semesters ohnehin nach einem Verein gesucht, bei dem er ehrenamtlich mitmachen kann, erzählt er. Als er dann vom Seminar las, sei er begeistert gewesen. Zusammen mit Kommilitone Fritz Goldfuß hat er sich die „Universität des Mitgefühls" auf die Fahnen geschrieben. Die Studenten wollen einen Platz an der Uni aufbauen, an dem sich Vereine und am Ehrenamt Interessierte finden können - damit sie nicht wie Bastert unzufrieden suchen. Auch die Universität wollen sie dafür mit ins Boot holen. Sie haben sich während des Semesters viel mit Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt, ein Blog eingerichtet und ihr Projekt bekannt gemacht.
Nicht alle Vorhaben waren erfolgreich
Die entstandenen Projekte sind vielfältig: In einem klärten Susann Erhardt und Lisa Wiedemann Schüler über Cyber-Mobbing auf. Eine andere Gruppe hat versucht, Kindern von Flüchtlingen einen kostenlosen Besuch in Kultureinrichtungen zu ermöglichen. Es kamen aber kaum Interessenten. Es geht also nicht immer alles glatt - aber auch das ist etwas, woraus die Studenten lernen können, findet Maria Zywietz.
Nun sind Uni und Vereine über das Seminar in Kontakt getreten, aber wie sieht es in Leipzig mit Engagement über Veranstaltung und Benotung hinaus aus? Mit richtig ehrenamtlichem Engagement? Mit Lennert Bastert und Fritz Goldfuß wollen zwei der Studenten ihr Projekt weiterverfolgen. Zwei andere Seminarteilnehmer haben sich einem Verein angeschlossen. Vier von 13 Studenten - knapp ein Drittel von ihnen hat das Interesse also gepackt.
Die Autorin Julia Reinard ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 19.07.2011, 16:17 Uhr