Campus-Reporter begleiten Leipziger Hochschulangehörige und wollen herausfinden, was an ihnen und an ihrem Tun besonders ist.
„Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite.
Claus Baderschneider
von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.
Tschüss, Prof!
– Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt.
Physiker Wolfgang Oehme
weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.
Foto: Sebastian Münster
Der promovierte Politikwissenschaftler Daniel Schmidt koordiniert den Forschungsbereich "Riskante Ordnungen".
Herr Schmidt, unter dem Oberbegriff Contested Order arbeiten Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen an - für den Laien - ganz unterschiedlichen Projekten. Hier die Ethnologin, die sich mit Nomaden befasst, andererseits Sie als Politikwissenschaftler, der sich mit demografischem Wandel als politische Ressource beschäftigt. Was hält die profilbildenden Projekte inhaltlich zusammen?
Woran arbeiten Sie im profilbildenden Forschungsbereich?
Ich bin zurzeit mit zwei Projekten beschäftigt: Das erste heißt „Right-wing youth violence preventing programmes" (Programme zur Prävention von rechtsgerichteter Jugendgewalt), es geht darum, wie der Staat auf Rechtsextremismus reagiert. Dabei hat sich herausgestellt, dass es ein Outsourcing auf zivilgesellschaftliche Initiativen gibt.
Das andere Projekt, „Die vergangene Zukunft Europas", wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert, die Publikation steht noch aus. Im Mittelpunkt steht der demografische Wandel als politische Ressource.
Wie sieht die Zusammenarbeit praktisch aus?
Auf der Ebene des gesamten profilbildenden Bereichs gibt es Statusworkshops, dort wird dann diskutiert. Im Sommersemester hatten wir erstmals eine Serie von Mittagsvorträgen, wo immer zwei Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen referiert haben. Es läuft viel über Workshops und Konferenzen. Auch die Nachwuchsförderung ist dabei von Bedeutung. Gerade in den Sozial- und Geisteswissenschaften ist interdisziplinäres Arbeiten nicht selbstverständlich, da gibt es eine andere Wissenschaftstradition in Deutschland. Man muss das erst lernen.
Inwiefern profitieren die beteiligten Wissenschaftler von der interdisziplinären Zusammenarbeit?
Es eröffnet die Möglichkeit, zu interessanten Fragestellungen zu kommen. Etwa im Bereich der Politik, wo ich forsche, da haben sich drei große Blöcke herausgebildet: Politische Theorie, politische Systeme sowie Vergleichende Analyse politischer Systeme. Inzwischen haben sich die Gegenstände der Politikwissenschaft aber verändert, wir können zum Beispiel die Europäisierung nicht nur in einem Bereich fassen. Die Gegenstände rinnen den Disziplinen aus den Fingern. Interdisziplinarität kann helfen, da herauszukommen.
Der Autor Jonas Wissner ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.