Campus-Reporter begleiten Leipziger Hochschulangehörige und wollen herausfinden, was an ihnen und an ihrem Tun besonders ist.
„Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite.
Claus Baderschneider
von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.
Tschüss, Prof!
– Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt.
Physiker Wolfgang Oehme
weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.
Foto: Jakob Richter
Geschafft: Karl Heinrich von Stülpnagel, Restaurator des Ägyptischen Museums, ist sichtlich erleichtert. Bis auf einen Riss im Deckel hat der eineinhalb Tonnen schwere Steinsarg den Transport unbeschadet überstanden.
Foto: www.egyptarchive.co.uk Jon Bodsworth
Kleinwüchsig und stolz darauf: Der Hofbeamte des Pharaos ließ sich neben seiner Frau auf einem Podest sitzend verewigen. Der Name Seneb bedeutet übersetzt soviel wie „ist gesund“.
Die Grabkammer im Schaufenster
Wenn alles fertig ist, soll das Schaufenster des Museums in der Leipziger Goethestraße den Schnitt durch eine Grabkammer zeigen. Im Zentrum soll der Sarkophag stehen. Auf die Frage, wie er da hinkommen soll antwortet der federführende Restaurator des Museums Karl Heinrich von Stülpnagel smart: „Das ist einfach. Gaaaanz vorsichtig!“ Und so geschieht es. Ein Gabelstapler bewegt das gute Stück behutsam in das Schaufenster, dessen Scheibe vorher entfernt werden musste. Besonders heikel: Der Sarkophag ist breiter als das Fenster. Es muss also ein wenig rangiert werden.
Rund 8 Jahre hat es gedauert, das etwa 1,8 Meter lange, quaderförmige Ungetüm aus hunderten Splittern Kalkstein wieder zusammenzusetzen. Kalkstein sei „extrem empfindlich“, gibt Kustos Raue zu verstehen, jede kleine Temperaturschwankung könne zu Rissen und Brüchen in dem Jahrtausende alten Material führen. Zudem müsse der Kalkstein vorm eigentlichen „Puzzeln“ und Kleben meist noch gereinigt werden. Diese Sisyphosarbeit braucht ihre Zeit, sei aber zugleich eine hervorragende Möglichkeit für angehende Restaurateure, ihre Fähigkeiten zu schulen. So geschehen im Rahmen der Ausbildung von „acht Generationen“ von Studenten an der Fachhochschule Hildesheim, wo das Stück wieder zusammengesetzt wurde. „Wir sind eine Forschungs- und Lehrsammlung. Bei uns und von uns soll man lernen können.“ Das trifft natürlich auch auf die Restauration zu, die „in deutschen Handwerkerstunden“ unbezahlbar gewesen wäre, so Raue.
Kunstschätze in der ganzen Welt verstreut
Über dem Sarkophag soll, abgetrennt durch eine Schicht Erdreich, die Kultstätte mit den Statuen Senebs und seiner Frau nachgebildet werden. „Der Totenkult in Ägypten sah eine strenge Trennung vom eigentlichen Grab und dem Ort der Verehrung vor“, so Raue. Bis zu sechs Meter Erdreich liegen normalerweise zwischen einem Sarkophag und den Kultobjekten über der Erde. Die Originalstatuen des Paares stehen heute in Kairo.
Nur die wenigsten Bergungen aus dieser Zeit sind vollständig versammelt an ein und demselben Ort zu sehen. Das sei damals leider so gehandhabt worden, erklärt Raue. Anders sei eine Finanzierung nicht möglich gewesen. Gebeutelt durch Kriegsschulden, Reparationszahlungen und Inflation hatte die damalige Weimarer Republik kein besonders großes Interesse, Unsummen für Grabungen auszugeben. Die meisten Stücke wurden von Stiftungen wie der Deutschen Orientgesellschaft bezahlt. Die Funde wurden geteilt und in alle Welt gestreut, je nachdem, wer zahlen konnte. Die heutige Politik Ägyptens betreibt zudem Kulturprotektionismus. Alles, was heute noch dort steht oder entdeckt wird, muss in der Regel im Land bleiben, erklärt Raue.
Foto: Sebastian Münster
Dr. Dietrich Raue, Kustos des Ägyptischen Museums, freut sich auf die Aufgaben der kommenden Monate.
Das stört den Kustos aber nicht. Er plane für die nahe Zukunft ohnehin keine Neuanschaffungen, denn Museum und Ägyptologisches Institut hätten mehr als genug Sehenswertes im Bestand, um die großzügigen Räumlichkeiten im Krochhochhaus zu füllen.
1000 neue Exponate ab Ende des Jahres
Neben dem Sarkophag soll es etwa 1000 neue Exponate zu sehen geben, denen während der vergangenen zehn Jahre teils direkt in den Restaurationswerkstätten des Museums und teils in Restaurations-Fachschulen in Erfurt, Stuttgart und Hildesheim wieder zu alter Schönheit verholfen wurde.
Einige der Kunstschätze des Ägyptologischen Institutes wurden während des Krieges aus der Stadt gebracht, etwa nach Schloss Mutzschen und nach Döbeln. Vieles wurde jedoch in den Kellern Leipzigs gelagert. Die Folge: Unzählige Stücke trugen schwere Brandschäden davon, rund 2000 wurden ganz zerstört. Seit 1951 wird kontinuierlich restauriert. Wenn alles nach Plan läuft, werden im Ägyptischen Museum ab Ende des Jahres etwa 7000 Objekte zu sehen sein. Das ist ein beträchtlicher Teil der gesamten Sammlung, die etwa 9700 Stücke umfasst.
„Damit können wir endlich zeigen, was wir haben. Die meisten unserer Exponate sind mit Steuergeldern restauriert worden, also müssen sie auch allen zugänglich sein“, sagt Raue stolz. Seit Juni 2010 haben er und sein Museum ein neues Zuhause im Krochhochhaus am Augustusplatz gefunden. Am vorherigen Standort in der Burgstraße konnten lediglich 300 Exponate gezeigt werden.
Foto: Sebastian Münster
Dirk Blaschta, Ägyptologe, demonstriert anhand eines Tongefäßes, wie schwierig die Restaurationsarbeit ist. Die einzelnen Splitter werden mittels eines Spezialklebers zusammengefügt.
Doch bis zum fertigen neugestalteten Museum muss noch einiges getan werden. In den hauseigenen Restaurationswerkstätten kleben, puzzeln und zeichnen Raues Kollegen noch eifrig, denn längst sind noch nicht alle Stücke der neuen Ausstellung vollständig wiederhergestellt. Ab 15. September wird das Museum zudem einige seiner Schauräume schließen müssen, um mit dem Umbau zu beginnen.
Mehr Ehre für den Namensgeber
Mehrere große Vitrinen sollen hinzukommen. Dem Namensgeber des Museums, Georg Steindorff, soll zudem ein prominenterer Platz in der neuen Ausstellung zukommen. Kustos Raue und die Jewish Claims Conference hatten sich erst im Juli friedlich darauf geeinigt, dass die Sammlung des berühmten Leipziger Ägyptologen im Museum verbleiben darf. Die Hinterbliebenen Steindorffs forderten jedoch, dass das Erbe des Wissenschaftlers und Archäologen die entsprechende Aufmerksamkeit erhalte.