21.05.2012 12:57 Uhr
 
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Tschüss, Prof! – Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt. Physiker Wolfgang Oehme weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.
 

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Uni-Prorektor Lenk fordert Korrektur des Hochschulentwicklungsplans

Foto: privat Prorektor Lenk glaubt, dass er den Wissenschaftsausschuss des Sächsischen Landtages überzeugt hat.
Professor Thomas Lenk von der Universität Leipzig widerlegt die Argumente des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst (SMWK) für die Kürzungen im Hochschulbereich. Im Campus-Interview appelliert der Prorektor für Entwicklung und Transfer an den Ministerpräsidenten, sein Finanzierungsversprechen zu halten. Thomas Lenk spart nicht mit Kritik: „Die Schüler müssen besser auf das Abitur vorbereitet werden.“

Herr Professor Lenk, das SMWK fordert die Uni auf,  bis 2013/14 zunächst 48 Stellen zu streichen. Bis zum Jahre 2020 weitere 124 Stellen. Als Grund gibt die Landesregierung unter anderem klamme Kassen auf Grund des auslaufenden Solidarpaktes II an. Wie Sie im Wissenschaftsausschuss in Dresden darlegten, halten Sie diese Argumente für nicht stichhaltig. Warum?

Wir sind nach wie vor absolut nicht mit den Forderungen der Landesregierung einverstanden. Die Landesregierung argumentiert einerseits, dass künftig das Geld für Bildung fehle, weil der Solidarpakt II auslaufe. Das ist schlichtweg falsch. Dieses Geld sollte nie für Bildung aufgewendet werden sieht man von den Infrastrukturmitteln für diesen Bereich einmal ab. Andererseits sei noch nicht klar, wieviele EU-Fördermittel nach 2013 fließen werden. Außerdem begründet sie die Kürzungspläne mit dem Neuverschuldungsverbot.

Das heißt, der Bildungsetat sollte in diesem Zusammenhang keine Rolle spielen?

Die Landesregierung muss sich im Klaren sein, wie kurzsichtig es ist, im Bereich der Hochschulen zu kürzen. Zumal Ministerpräsident Tillich nach dem schlechten Abschneiden Deutschlands in der Pisa-Studie 2008 versprochen hat, bis spätestens 2015 die Ausgaben für Bildung und Forschung auf 10 Prozent des sächsischen Bruttoinlandsproduktes zu steigern. Darin sind drei Prozent für Forschung enthalten. Nach Angaben des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst sind es in Sachsen derzeit nur 2,68 Prozent. Damit bekommt der Bereich Forschung im Freistaat bereits jetzt etwa 300 Millionen jährlich weniger, als versprochen wurde. Hier noch weiter sparen zu wollen ist schlicht kontraproduktiv.

Sind Sie im Landtag auf offene Ohren gestoßen?

Diejenigen, die da waren, wurden nachdenklich. Ich denke, der Wissenschaftsausschuss hat begriffen, dass die Argumente des Ministeriums weit weniger stichhaltig sind, als bisher angenommen wurde. Am Ende waren alle zur Anhörung geladenen Experten einig. Der Hochschulentwicklungsplan gehört überarbeitet. Dem hat keiner der Anwesenden widersprochen.

Auch der von der Landesregierung prognostizierte Rückgang der Studierendenzahlen ist bisher nicht eingetreten. Sind die Auswirkungen des Geburtenknicks in Sachsen nach 1990 ausgeblieben oder wird sich das Ganze nur verzögern?

Sachsen hatte 1990 nachgewiesenermaßen einen Geburtenknick zu verzeichnen. Dennoch sind wir das einzige neue Bundesland, von Berlin mal abgesehen, dass ein positive Entwicklung der Studienanfängerzahlen vorzuweisen hat – jetzt sind es etwa acht Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Wir sind außerdem für junge Leute aus dem Westen attraktiver geworden. Der Anteil Studierender aus den alten Bundesländern lag noch vor vier Jahren bei etwa 25 Prozent. Mittlerweile sind es etwa 38 Prozent. Diese Zuwanderung von qualifizierten bzw. zu qualifizierenden jungen Leuten braucht Sachsen. Dem müssen wir Rechnung tragen. Die Streichungen müssen mindestens verschoben werden. Jetzt zu kürzen, wäre fatal.

Was schlagen Sie stattdessen vor?

Man muss das gesamte Bild betrachten. Sachsen hat außerdem unterdurchschnittlich wenige Hochschulzugangsberechtigte. Das liegt vor allem am harten Abitur und der damit einhergehenden Benachteiligung der „Landeskinder“ bei den numerus-clausus-Fächern. Zudem könnte der Freistaat 1200 Studierende mehr im Jahr haben, wenn wir bei der Anzahl der Hochschulzugangsberechtigten den Bundesschnitt erreichen würden. Hier ist das Kultusministerium gefragt. Die Schüler müssen besser auf das Abitur vorbereitet werden. Das Ministerium hatte sich 2008 zum Ziel gesetzt, 40 Prozent aller Jugendlichen im entsprechenden Alter an die Hochschulen zu locken. 2009 lagen wir zuletzt bei etwa 37 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liegt bei über 40.

Und dennoch haben Sie im Dezember 2011 zum ersten Mal konkrete Stellen benennen müssen, die die Uni Leipzig nach Forderung des Ministeriums streichen würde. Am härtesten würde es dann die Leipziger Pharmazeuten treffen – das Institut mit seinen 21 Stellen würde geschlossen werden. Warum gerade dieses Institut?

Die Entscheidung fiel in einem mehrstufigen Prozess. In der ersten Stufe haben wir uns gefragt, wieviel Lehrende sind in einem Fach notwendig. Diese Zahl haben wir dann mit der tatsächlichen Stellenausstattung verglichen. Und hier ist die

zum Thema „Sächsische Politik ist wissenschaftsfeindlich“ - Dekan fürchtet Aus für weitere Studiengänge Universität Leipzig bald ohne die Fachbereiche Geologie und Mineralogie? Hochschulexperte: "Nahezu alle Hochschulen sind unterfinanziert"
Pharmazie eindeutig unterausgestattet – und das schon seit Jahren. Der Fachbereich ist mit nur drei besetzten von fünf Professuren zu klein, um die Anforderungen, die dieses Studium stellt, auf Dauer bewältigen zu können. Von verbleibender Zeit der Lehrenden für Forschung einmal abgesehen. Zwar sollten die beiden ausstehenden Professuren im Jahre 2013 neu besetzt werden. Tendenziell war dieses Institut aber von Anfang an zu klein aufgestellt. Wir haben aber schlicht nicht das Geld, hier in neue Stellen und deren Ausstattung zu investieren, um das Institut konkurrenzfähiger zu machen. Das Pharmazie-Institut an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg hat zum Vergleich 15 Professuren. So ist es einfach personell bedingt, dass Halle hier auch intensiver forschen kann.

Anmerkung der Redaktion vom 27. Januar: Wie Professor Lenk mitgeteilt hat, ist es nicht korrekt, dass nur drei der fünf Professuren besetzt sind. Stattdessen seien alle fünf Professuren besetzt. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

Die Pharmazeuten haben das Rektorat unter anderem dafür kritisiert, die Diskussion um die Schließung des Institut mitten in einer wichtigen Antragsphase zu führen. Der Verbund der mitteldeutschen Universitäten Leipzig, Halle und Jena ist einer von vier verbliebenen Bewerbern für ein deutsches Zentrum für Biodiversitätsforschung, für das auch die Pharmazeuten nach Aussagen der Institutsdirektorin eine Professur geplant hatten. Konkret geht es um bis zu sieben Millionen Euro Fördermittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) jährlich – und zwar über eine Laufzeit von zwölf Jahren. Würde eine Schließung des Leipziger Institutes für Pharmazie die Chancen der Uni schmälern?

Meiner Ansicht nach stehen Leipzigs Chancen auf Bewilligung des Gemeinschaftsantrages sehr gut – ich denke bei 50 zu 50. Christian Wirth, der die Professur für Spezielle Botanik und Funktionelle Biodiversität inne hat, spielt hier eine wichtige Rolle. Unter seiner Leitung würde das Zentrum in Leipzig entstehen. Deswegen kann in dieser Phase natürlich nicht in der Biologie gekürzt werden. Wir mussten uns daher auch fragen, welche Bereiche es auch an anderen Hochschulen in der Region gibt. Sowohl Halle als auch Jena haben ein Pharmazie-Institut. Und dennoch: Sofern für die Entstehung eines Biodiversitätszentrums in Leipzig vor Ort eine Pharmazeutische Professur benötigt werden sollte, dann wird es diese auch geben. Nur ist das leider kein Argument für die Aufrechterhaltung des Studienganges.

Ist die Schließung des Pharmazie-Institutes damit beschlossene Sache?

Wir haben dem Ministerium Stellen melden müssen. Das haben wir gemacht. Was nun passieren wird, wissen wir auch nicht. Denn das Ministerium muss uns nun mitteilen, was es von unseren Kürzungsvorschlägen hält und es muss darüber entscheiden. Meiner Ansicht nach sind Kürzungen bzw. Streichungen keine Option. Das habe ich bei der Anhörung auch so kommuniziert.

Der Autor Sebastian Münster ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.

 
 
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