Campus-Reporter begleiten Leipziger Hochschulangehörige und wollen herausfinden, was an ihnen und an ihrem Tun besonders ist.
„Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite.
Claus Baderschneider
von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.
Tschüss, Prof!
– Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt.
Physiker Wolfgang Oehme
weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.
Foto: Sebastian Münster
T-Shirts, Picknickdecken, Koffergurte und Kulis: Die Merchandising-Artikel der Uni werden gern geschenkt.
Eine Gruppe ehemaliger Studenten aus der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator nahm die Mühe des langen Weges nach Leipzig auf sich. Einige von ihnen waren bereits im hohen Alter von über 80 Jahren. Im Gepäck hatten sie das größte Geschenk, das die Uni je bekommen hat: Eine mongolische Jurte samt kompletter Inneneinrichtung. Die traditionelle mongolische Behausung steht noch heute auf dem Gelände der Veterinärmedizinischen Fakultät und wird sogar ab und zu für Lehrveranstaltungen genutzt.
„Was man nicht anziehen oder essen kann, das landet im Uniarchiv"
Jens Blecher, der Leiter des Universitäts-Archivs, erinnert sich noch gut an den letzten Rektor: „Professor Häuser hat es mit den Geschenken ganz pragmatisch gehalten. Was man nicht anziehen oder essen kann, das landet früher oder später bei uns."
Dabei handelt es sich vor allem um landestypische Volkskunst, aber auch einige Kuriositäten. Nicht immer entsprechen diese Dinge dem mitteleuropäischen Geschmack, doch man freue sich stets diplomatisch und pflichtgemäß, sagt Blecher ironisch. Das gebiete die Höflichkeit. So hat sich über die Jahre eine wahrhaft eindrucksvolle Sammlung angehäuft, die vor allem durch ihre Vielseitigkeit beeindruckt. Besonders viele Geschenke im Uni-Archiv stammen von vietnamesischen Universitäten und Alumni. Bereits in den 50er Jahren gab es zahlreiche vietnamesische Studenten in Leipzig. Außerdem gehe es da oft auch um gegenseitige Wirtschaftsinteressen. „Die Absolventen von heute sitzen vielleicht morgen schon in den Chefetagen Vietnams", erklärt Blecher. Da können sich gute Beziehungen auszahlen.
Von Vase bis Spaten – Alles ist möglich
1965 feierte Leipzig sein 800-jähriges Jubiläum - die Universität war mit von der Partie. Die Partnerhochschulen stammten zumeist aus den „sozialistischen Bruderländern°. Ein hübsches Beispiel für die künstlerische Folklore der damaligen Zeit kam von der Universität Kiew. Eine Porzellanvase mit Porträts von Lenin und Marx, umrankt von einem wunderschönen Blumenensemble, würde sich wahrscheinlich heute kaum noch ein Rektor ins Büro stellen wollen.
Einen Spaten hätte man im Sammelsurium der Geschenke auch eher weniger vermutet. Die Firma AME schenkte dem damaligen Rektor Professor Volker Bigl das Arbeitsgerät fürs Grobe. Eine Inschrift auf dem edel glänzenden Metall verrät, warum: Bigl hatte damit im Jahre 1999 den traditionellen ersten Spatenstich zum Neubau des Juridicums, des Gebäudes der juristischen Fakultät, getan.
Viele der Geschenke können ihren wohlgesinnten Urhebern nicht mehr zugeordnet werden. Auch ihr genaues Alter und ihr Wert kann nur geschätzt werden. Das liegt vor allem daran, dass die Geschenke nicht im eigentlichen Sinne archiviert, sondern im Uniarchiv „nur gelagert" werden. Immer dann, wenn sich zu viel angesammelt hat, müsse das Rektorat die Dinge schlicht und einfach loswerden, erklärt Blecher.
Wenn man sich in seinem Büro, aber auch bei Dr. Svend Poller im Akademischen Auslandsamt so umschaut, stellt man fest, dass sich manche der Geschenke mittlerweile unauffällig in die Büroszenerie der beiden Männer eingegliedert haben. Neben dem Briefbeschwerer aus Ohio ziert das mongolische Porzellanpferd Pollers Schreibtisch. Auf dem Aktenschrank hat es sich der Uni Leipzig-Teddy bequem gemacht und auf dem Fensterbrett grüßt die traditionelle Strohpuppe aus Weißrussland.
Der Autor Sebastian Münster ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.