21.05.2012 12:57 Uhr
 
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Wie andere Hochschulangehörige den Tag verbringen, lesen Sie hier .
 

CAMPUS SPECIAL: LIEBLINGSPLÄTZE

 
Claus Baderschneider im Rosental „Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite. Claus Baderschneider von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.   
Weitere Lieblingsplätze der Studenten, Professoren und Mitarbeiter der Leipziger Hochschulen lernen Sie hier kennen.
 

Campus-Serien

 
Tschüss, Prof! – Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt. Physiker Wolfgang Oehme weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.
 

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Wenn Hochschulen schenken

Gastgeschenke   Foto: Sebastian Münster T-Shirts, Picknickdecken, Koffergurte und Kulis: Die Merchandising-Artikel der Uni werden gern geschenkt.
Wer Anderen einen Besuch abstattet, der sollte nicht mit leeren Händen kommen. Diese ungeschriebene Anstandsregel gilt überall, egal ob Verwandtschafts- oder Staatsbesuch. Doch wenn hochrangige Hochschulvertreter sich treffen, geht es nicht allein um Anstand und Respektbekundung. Hier schenken beide Seiten. Das versteht sich von selbst. Denn einerseits soll ein Zeichen von Freundschaft suggeriert werden, andererseits geht es ums Image, und um Marketing.

Svend Poller ist an der Universität Leipzig der Mann, der entscheidet, was Univertreter auf Auslandsbesuch verschenken und womit internationale Besucher in Leipzig beglückt werden. Der 51-jährige promovierte Anglist ist Leiter des Akademischen Auslandsamtes. In dieser Eigenschaft musste er sich schon oft den Kopf zerbrechen, womit man beispielsweise den armenischen Botschafter erfreuen könnte. „Ein Geschenk mitzubringen, ist eine unverzichtbarer Ritus, genauso wichtig wie die obligatorischen Begrüßungsworte." Seiner Kreativität beim Geschenkeaussuchen sind dabei kaum Grenzen gesetzt.

Leipzig hat vor allem auch den Ruf einer Musikstadt - klarer Fall: CDs schenkt Poller daher besonders gerne. Sein Favorit ist Bach, Poller hat zudem den Vorteil, auf die Produktionen des Uni-Chores zurückgreifen zu können. Auch eine mehrbändige Hochschulchronik und einen großen, schweren Fotoband der Stadt Leipzig habe er im Repertoire. Doch die seien bei ausländischen Gästen, die mit dem Flugzeug reisen müssen, eher unbeliebt, sagt er schmunzelnd.

Gastgeschenke   Foto: Sebastian Münster Svend Poller entscheidet, was die Universität schenkt.
Seit die Uni Leipzig ihre eigenen Merchandising-Artikel produzieren lässt, gebe er aber immer öfter auch ganz simple, praktische Dinge in Auftrag. Zuletzt zum Beispiel Kofferbänder, also Sicherungsgurte, die verhindern sollen, dass sich das Reisegepäck auf den holprigen Laufbändern der Flughäfen öffnet. Schließlich sind die beschenkten Delegierten viel unterwegs. Da kann man sowas gut gebrauchen.

„Unser Motto war immer Reisen", so Poller. „Das hat mehrere Vorteile: Erstens sind das Geschenke, die auch einen Nutzwert haben, und zweitens sind Sachen wie Schlafsäcke und Strandmuscheln kulturfest. Da kann niemand etwas missverstehen."

Praktisch heißt jedoch nicht gleich schnöde und farblos. Pollers Geschenkideen haben sich auch unter seinen Kollegen zum beliebten Utensil gemausert. Viele von ihnen haben sich schon den einen oder anderen Geschenkartikel gekauft. Poller gibt dann einfach ein paar Stück mehr in Auftrag. So müssten die meisten seiner Kollegen im Akademischen Auslandsamt regelmäßig an ihn denken, und zwar immer dann, wenn sie es sich auf einer Uni Leipzig-Picknickdecke bequem machen, erzählt Poller grinsend. Doch nicht alle Ideen setzt der Philologe um. „Ich habe mal mit bedruckter Unterwäsche geliebäugelt. Die Idee habe ich dann aber verworfen", sagt er und kann sich ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen.

Ein ganzes Haus im Gepäck

Wenn es um Jubiläen geht, eine Partnerschaft bereits besonders lang andauert oder wenn die Univertreter auf besonders exotische Kulturen treffen, werden gern auch größere und aufwändigere Geschenke gemacht. Da will jeder seinem Gegenüber zeigen, wofür das eigene Heimatland bekannt ist oder ein gleich ein Stück Landesgeschichte mitbringen.

Für die Karlsuniversität Prag, die „Mami", wie Poller sie nennt, hat er die Reproduktion eines historischen Bildes aus der Kustodie der Hochschule in Auftrag gegeben: Der Auszug der Studenten aus der Stadt Prag im Jahre 1409. „Kein besonders schönes Motiv, aber dafür ein Stück Geschichte", so Poller. Damals verließ ein Teil der deutsch sprechenden Studenten und Professoren Prag aus Protest gegen das ungleich verteilte Stimmrecht, das den Böhmen zu viel Einfluss einräumte. In Leipzig wagten sie einen Neuanfang. Natürlich sind die Beziehungen zur Uni Prag heute wesentlich freundlicherer Natur.

2009 wurde die Universität Leipzig besonders üppig beschenkt. Zum 600. Geburtstag der Hochschule machten dem damaligen Rektor Franz Häuser sämtliche Partnerhochschulen ihre Aufwartung. Auch zahlreiche Alumni nutzten die Gelegenheit, um ihren alten Studienort im fernen Ausland noch einmal aufzusuchen. Da gab es zahlreiche rührende Geschichten, erinnert sich Poller. Und natürlich auch spektakuläre Geschenke.

Eine Gruppe ehemaliger Studenten aus der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator nahm die Mühe des langen Weges nach Leipzig auf sich. Einige von ihnen waren bereits im hohen Alter von über 80 Jahren. Im Gepäck hatten sie das größte Geschenk, das die Uni je bekommen hat: Eine mongolische Jurte samt kompletter Inneneinrichtung. Die traditionelle mongolische Behausung steht noch heute auf dem Gelände der Veterinärmedizinischen Fakultät und wird sogar ab und zu für Lehrveranstaltungen genutzt.

„Was man nicht anziehen oder essen kann, das landet im Uniarchiv"

Jens Blecher, der Leiter des Universitäts-Archivs, erinnert sich noch gut an den letzten Rektor: „Professor Häuser hat es mit den Geschenken ganz pragmatisch gehalten. Was man nicht anziehen oder essen kann, das landet früher oder später bei uns."

Dabei handelt es sich vor allem um landestypische Volkskunst, aber auch einige Kuriositäten. Nicht immer entsprechen diese Dinge dem mitteleuropäischen Geschmack, doch man freue sich stets diplomatisch und pflichtgemäß, sagt Blecher ironisch. Das gebiete die Höflichkeit. So hat sich über die Jahre eine wahrhaft eindrucksvolle Sammlung angehäuft, die vor allem durch ihre Vielseitigkeit beeindruckt. Besonders viele Geschenke im Uni-Archiv stammen von vietnamesischen Universitäten und Alumni. Bereits in den 50er Jahren gab es zahlreiche vietnamesische Studenten in Leipzig. Außerdem gehe es da oft auch um gegenseitige Wirtschaftsinteressen. „Die Absolventen von heute sitzen vielleicht morgen schon in den Chefetagen Vietnams", erklärt Blecher. Da können sich gute Beziehungen auszahlen. 

Von Vase bis Spaten – Alles ist möglich


1965 feierte Leipzig sein 800-jähriges Jubiläum - die Universität war mit von der Partie. Die Partnerhochschulen stammten zumeist aus den „sozialistischen Bruderländern°. Ein hübsches Beispiel für die künstlerische Folklore der damaligen Zeit kam von der Universität Kiew. Eine Porzellanvase mit Porträts von Lenin und Marx, umrankt von einem wunderschönen Blumenensemble, würde sich wahrscheinlich heute kaum noch ein Rektor ins Büro stellen wollen.

Einen Spaten hätte man im Sammelsurium der Geschenke auch eher weniger vermutet. Die Firma AME schenkte dem damaligen Rektor Professor Volker Bigl das Arbeitsgerät fürs Grobe. Eine Inschrift auf dem edel glänzenden Metall verrät, warum: Bigl hatte damit im Jahre 1999 den traditionellen ersten Spatenstich zum Neubau des Juridicums, des Gebäudes der juristischen Fakultät, getan.

Viele der Geschenke können ihren wohlgesinnten Urhebern nicht mehr zugeordnet werden. Auch ihr genaues Alter und ihr Wert kann nur geschätzt werden. Das liegt vor allem daran, dass die Geschenke nicht im eigentlichen Sinne archiviert, sondern im Uniarchiv „nur gelagert" werden. Immer dann, wenn sich zu viel angesammelt hat, müsse das Rektorat die Dinge schlicht und einfach loswerden, erklärt Blecher.

Wenn man sich in seinem Büro, aber auch bei Dr. Svend Poller im Akademischen Auslandsamt so umschaut, stellt man fest, dass sich manche der Geschenke mittlerweile unauffällig in die Büroszenerie der beiden Männer eingegliedert haben. Neben dem Briefbeschwerer aus Ohio ziert das mongolische Porzellanpferd Pollers Schreibtisch. Auf dem Aktenschrank hat es sich der Uni Leipzig-Teddy bequem gemacht und auf dem Fensterbrett grüßt die traditionelle Strohpuppe aus Weißrussland.

Der Autor Sebastian Münster ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.

 
 
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