Lieblingsplatz
Professorales Drachensteigen im Leipziger Rosental
Conrad Ziesch
Foto: Conrad Ziesch
Claus Baderschneider lässt im Rosental Drachen steigen.
Dozenten, Mitarbeiter und Studenten der Leipziger Hochschulen stellen in
dieser Campus-Serie ihren Lieblingsort vor. Und erzählen, warum sie
gerade diesen Platz mögen. Claus Baderschneider, Prorektor der
Hochschule für Telekommunikation Leipzig, frönt am liebsten im Rosental
seinen Hobbies.
Laub wirbelt über die geschorene Rasenfläche des Rosentals. Stoßweise weht der Wind die Gerüche des benachbarten Zoos herüber. Claus Baderschneider, Prorektor der Hochschule für Telekommunikation Leipzig, stapft über den Schotterweg Richtung Parkmitte, unter seinem Arm trägt er einen viereckigen Kinderdrachen mit lachendem Gesicht und grünem Schwanz.
Baderschneider lässt den Drachen in den Himmel aufsteigen, hält dabei die zitternde Schnur fest in seinen Händen.
Die Wiese bietet ihm Freiraum, an den Wochenenden Zeit mit seinen beiden Söhnen – der eine vier Jahre und der andere 20 Monate alt – zu verbringen. Im Sommer ist der Eiswagen das erste Ziel der Baderschneiders. „Hier trifft man auf Familien, die in der Umgebung wohnen.“ Der Kindergarten und das Zuhause befinden sich nur wenige Meter entfernt. Im Rosental kann der Familienvater den Job für einige Stunden hinter sich lassen, dem ältesten Sohn Fahrradfahren beibringen, mit dem Jüngsten die Zebras und Giraffen beobachten. „Mich beruhigen Parks“, sagt Baderschneider und erinnert sich, dass er aus seiner Studentenbude im schwedischen Lund direkt auf den botanischen Garten blicken konnte.
Seit fünf Jahren lebt der gebürtige Schwabe „im grünen Leipzig“, wie er es nennt. Er zieht Parallelen zu seiner Heimatstadt Ulm. In wenigen Minuten war er als Kind draußen auf dem Land. „So hat man sich viel in Wäldern, am Baggersee oder auf freien Flächen herumgetrieben, Pfeil und Bogen geschossen, Drachen steigen lassen.“ Nun verbringt er seine freie Zeit mit den eigenen Kindern. Angelegte Wege, gestutzte Rasenflächen liegen ihm heute mehr als wilde Natur. Baderschneider schwärmt von japanischen Gärten. „Was mir am städtischen Grün gefällt, ist, dass es gepflegt ist, dass es eine Architektur hat und ein Gedanke dahinter steht.“
Struktur verlangt ihm auch seine Arbeit an der Hochschule für Telekommunikation ab. Vor zwei Jahren wurde er zum Professor für das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik berufen. Seit 2011 ist er Prorektor für Marketing und Internationale Beziehungen und vertritt seine Hochschule auf zahlreichen Auslandsreisen.
Zurück in Leipzig pendelt er täglich zwischen seinem Zuhause am Zoo und dem Arbeitsplatz in der Südvorstadt. „Das Rosental bildet meine tägliche Achse vom Norden in den Süden. Dazwischen ist für mich Leipzig.“
Der Autor Conrad Ziesch ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 10.02.2012, 17:50 Uhr