Perspektiven
Achtzehn Clara-Zetkin-Parks könnten den CO2-Ausstoß der Universität kompensieren
Laura Perschon, Tina Kunath
Foto: Matthias Schaette
Energiehungrige Universität: 32 Millionen Kilowattstunden Strom verbrauchte die Hochschule im Jahr 2010.
Licht aus, Stecker ziehen, Heizung runter, duschen statt baden – die meisten Menschen sparen zu Hause. Das macht sich schließlich auch im Portmonee bemerkbar. Doch wie sieht es mit dem Verbrauch am Arbeitsplatz aus? Wie viel Energie verbraucht die Universität Leipzig mit ihren rund 33.000 Teilzeit-Einwohnern? Und wie umweltfreundlich ist das Ganze?
Jeder kann sich seine eigene Energiebilanz errechnen, zum Beispiel auf der Internetseite des Bundesumweltamtes. Große Energieverbraucher sind nicht nur die Privathaushalte: Neben Unternehmen sind es vor allem öffentliche Einrichtungen wie Universitäten.
Rund 28.000 Studenten und 4500 Mitarbeiter bevölkern die Alma mater lipsiensis. Man könnte von einer „Stadt in der Stadt“ sprechen. Deren Einwohner verbrauchen Wasser, Papier, Strom, verursachen Müll, fahren Uni-eigene Autos und machen im Büro die Heizung an. Das farb- und geruchlose Gas Kohlendioxid entsteht immer, wenn kohlenstoffhaltige Stoffe wie etwa Restmüll oder Kohle und Öl zur Strom- oder Wärmegewinnung verbrannt werden. Kohlendioxid ist ein natürlicher Bestandteil der Luft, die wir atmen. Jedoch steigt der Anteil in der Atmosphäre an. Das „Klimagas“ CO2 schluckt die Strahlung der Sonne. Je höher der Anteil an Kohlenstoff in der Luft, desto weniger Wärme strahlt zurück ins All – nach heutigem Stand der Forschung die Hauptursache für den Klimawandel.
Bäume können die Luft reinigen, indem sie das CO2 binden. Als Faustregel gilt: Ein Hektar Wald, das sind 10.000 Quadratmeter, kann pro Jahr 13 Tonnen CO2 speichern und zu Sauerstoff verarbeiten. Wie viele Bäume sind dann wohl nötig, um den Uni-Verbrauch – also 13 Fakultäten (ohne die Medizin) auszugleichen? Eine Rechnung für das Jahr 2010.
Strom: Eine Person verbraucht im Durchschnitt 2000 Kilowattstunden pro Jahr. Die gesamte Uni mit ihren rund 33.000 Studenten und Mitarbeitern brauchte im Jahr 2010 etwa 32 Millionen Kilowattstunden Strom. Dadurch entstanden 18.900 Tonnen Kohlendioxid. 1454 Hektar Wald könnten diese Menge an Kohlenstoff in einem Jahr verarbeiten – eine Fläche dreimal so groß wie der Cospudener See.
Seit Juni 2010 gibt es auf dem Dach des Campus` Augustusplatz eine Photovoltaik-Anlage. Die Solarzellen sollen die Strom-Ausgaben minimieren. Seit 2011 wird auch Strom in das Netz eingespeist, anstatt es selbst zu nutzen. Im vergangenen Jahr waren das 33.600 Kilowattstunden.
Heizung: Durch das Heizen mit Fernwärme verbrauchte die Uni etwa 43.000 Megawattstunden. Vor allem die alten Gebäude sind wahre Energiefresser, weil die Wärme fast ungehindert durch Fenster und Wände austreten kann. Am Campus Jahnallee setzt man deshalb auf energieeffizienten Umbau. Dort wurden Wärmepumpen installiert, um dadurch die Fernwärme im Sommer einzusparen. Die Uni Leipzig verbrauchte im Jahr 2010 insgesamt 45.500 Megawattstunden. Das Heizöl, Flüssig- und Erdgas, das dafür verbrannt wurde, erzeugte rund 10.000 Tonnen CO2. Das könnten 764 Hektar Wald kompensieren – eine Waldfläche von drei Markkleeberger Seen.
Papier: Abgesehen von Toiletten- und Handtuchpapier, nutzen Studenten und Verwaltung vorwiegend holzfreies Kopierpapier. Der Name täuscht: Dahinter steckt Papier, das aus Zellstoff besteht, welches wiederum aus Holz hergestellt wird. Das Papier ist also nicht recycelt. Das blütenweiße Papier wird trotzdem verwendet, weil es den technischen Anforderungen der Druck- und Kopiergeräte entspricht sowie den optischen Anforderungen für Urkunden und Zeugnissen genügen muss. Nur ein Drittel des verwendeten Papiers besteht aus recyceltem Material.
Im Jahr 2010 wurden insgesamt rund 1,7 Millionen Blatt Papier im A4-Format verbraucht. Bei der Produktion werden rund acht Tonnen Kohlendioxid frei. Wendet man die Faustregel an, so bräuchte man einen Wald in der Größe von 6200 Quadratmetern zum Filtern.
Fahrzeuge: Die Universität Leipzig besitzt einen eigenen Fuhrpark. Dazu zählen 36 Diesel-Fahrzeuge, sowie acht Benziner. Der Durchschnittsverbrauch dieser Automobile liegt bei elf Litern. Auch ein Traktor und ein Viehtransporter gehören zum Fuhrpark. Pro Auto wurden 2010 durchschnittlich rund 11.000 Kilometer zurückgelegt. Insgesamt produzierte der Fuhrpark dadurch 138 Tonnen CO2, die von zehn Hektar Wald gespeichert werden müssten.
Viele Bäume zum Ausgleich
Wie groß ist also der Wald, den die Uni in der Hinterhand haben muss, um nicht zur globalen Erwärmung beizutragen? Summa summarum produzierte die „Stadt in der Stadt“ im Jahr 2010 rund 29.000 Tonnen Kohlendioxid – die Aufbereitung der 120.000 Kubikmeter Abwasser und die Verbrennung von 1500 Tonnen Restmüll noch nicht eingerechnet. Um diese Menge an CO2 auszugleichen, müssten 2230 Hektar Wald gepflanzt werden. Das ist die Fläche von 18 Clara-Zetkin-Parks.
Die Autorinnen Laura Perschon und Tina Kunath studieren am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig und schreiben für die Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 13.04.2012, 12:39 Uhr