21.05.2012 13:02 Uhr
 
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Tschüss, Prof! – Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt. Physiker Wolfgang Oehme weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.
 

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Aufbruch statt Routine: Warum Jura-Professor Kotzur die Uni verlässt

Neuer Lehrstuhl in der Hansestadt: Nach fünf Jahren in der Messestadt verlässt Kotzur bald die Alma Mater   Foto: Sebastian Münster Neuer Lehrstuhl in der Hansestadt: Nach fünf Jahren in der Messestadt verlässt Kotzur bald die Alma Mater.
Bessere Forschungsperspektiven und der Reiz der Großstadt ziehen den Leipziger Jura-Professor Markus Kotzur an die Uni Hamburg. Zum Sommersemester 2012 verlässt der Experte für Völker- und Europarecht die Alma Mater. Dekan Professor Christian Berger sichert einen „reibungslosen Übergang" zu. Die Professur soll zunächst vertreten und nach Möglichkeit in einem Jahr wiederbesetzt werden.

Im Flur des Fachbereiches Öffentliches Recht in der Burgstraße reihen sich herrenlose Tische und Stühle aneinander. An den Büros gibt es keine Namensschilder. Nur ein provisorischer Aushang an der Eingangstür des Instituts verrät dem Besucher den Weg zu Markus Kotzurs Büro. Der Jura-Professor und seine Mitarbeiter sind gerade erst umgezogen, und dennoch wird sein neues Büro bald sein altes sein.

Der 42-Jährige wirkt entspannt und gelassen, denn er hat sich nach Wochen des Haderns entschieden: Für Hamburg und gegen Leipzig. Eine Entscheidung, die seine Studenten bedauern und für die der Professor sich Zeit nehmen musste. „Mir ist es extrem schwer gefallen, auch emotional, weil die Studierenden hier sich ja sehr bemüht und sehr positive Signale gesetzt haben. Da entscheidet man sich jetzt nicht leichtfertig für oder gegen eine Universität."

zum Thema Trotz Lobeshymnen und Fackelumzug: Jura-Professor Kotzur geht nach Hamburg Fackelzug – Jura-Studenten wollen Professor in Leipzig halten
Mehr Ressourcen und mehr Mitarbeiter

Erst im Juli hatten seine Studenten einen Fackelumzug organisiert, der den Juristen überzeugen sollte, ihnen treu zu bleiben. Kotzur zeigte sich gerührt. Dennoch, sagt er, habe er eine Grundsatzfrage beantworten müssen: „Will man noch mal aufbrechen, noch mal an eine andere Universität, die ein Stückchen weit eine andere Orientierung und Aufstellung hat, um dann dort weiterzumachen und eben auch um Routinen aufzubrechen?"

Die Juristische Fakultät der Uni Hamburg ist ungleich größer als jene in Leipzig. Dort gibt es drei Professuren allein für Völker- und Europarecht. In Leipzig ist Kotzur der einzige Professor mit diesem Schwerpunkt. Auch gibt es in Hamburg mehr wissenschaftliche Mitarbeiter. Forschungsarbeit sei dort anders möglich als in Leipzig, so Kotzur. „Der Lehrstuhl selber ist gar nicht so viel besser ausgestattet als der in Leipzig. Aber in der Gesamtperspektive ist das Institut ressourcenreicher." Das ist auch für Kotzurs Mitarbeiter reizvoll. Ein Habilitand wird ihn begleiten, zwei weitere Mitarbeiter denken laut Kotzur darüber nach, ihm ebenfalls zu folgen.

Sprung ins kalte Wasser

Für Kotzur selbst bedeutet der Gang nach Hamburg den Umzug in die erste „wirkliche Großstadt". Dies sei ein Sprung ins kalte Wasser, gesteht er. „Das ist neu, das ist spannend, aber es birgt auch Risiken. Ob es nun wirklich so schön wird, wie man sich das vorstellt, weiß man vorher nicht. Insofern habe ich da auch ein etwas mulmiges Gefühl und ein bisschen Bammel vor."

Dennoch lasse er in Leipzig auch einiges zurück. Das Verhältnis zu Studenten und Kollegen sei stets hervorragend gewesen. Kotzur war 2005 nach Leipzig berufen worden und hatte den Schwerpunktbereich Europa- und Völkerrecht mit aufgebaut. „Diese Aufbaudynamik, die hier spürbar ist, das ist sicherlich eine der besonderen Chancen, die Leipzig bietet. Wenn man mal guckt, was hier an European Studies und Global Studies gemacht wird, oder am Center for Area Studies, an dem ich ein Stück weit mit beteiligt gewesen bin - das ist, glaube ich, ein ganz großer Standortvorteil. Das wird wahrscheinlich auch für meinen Nachfolger von großer Bedeutung sein."

Ganz normaler Vorgang: Dekan Professor Christian Berger will für eine zügige Neubesetzung sorgen.   Foto: Sabitha Berger Ganz normaler Vorgang: Dekan Professor Christian Berger will für eine zügige Neubesetzung sorgen.
Reibungsloser Übergang

Den Großteil des Wintersemesters 2011/12 wird Kotzur nach eigener Aussage den Studierenden noch erhalten bleiben. Damit ihnen durch seinen Weggang keine Nachteile entstünden, wolle er sich um einen reibungslosen Übergang bemühen. Sowohl seine Lehrveranstaltungen als auch alle Arbeiten, die er betreut, wolle er gemeinsam mit den Studenten zu Ende bringen.

Auch der Dekan der juristischen Fakultät, Professor Christian Berger, bekräftigt, dass sich unter den Studierenden niemand sorgen müsse. „Sowas ist ein ganz normaler Vorgang und wird routinemäßig stattfinden." Es werde ab dem Sommersemester 2012 eine Vertretung geben. Wer das sein wird, sei jetzt noch nicht absehbar.

Neuausschreibung in Vorbereitung

Eine Ausschreibung werde in diesen Tagen vorbereitet, so Berger. Optimal wäre eine Neubesetzung der Professur zum Wintersemester 2012/13. „Ob es auch so kommt, kann man natürlich nicht sagen, weil das auch davon abhängt, ob der ausgewählte Kandidat zusagt oder einen anderen Ruf annimmt."

Angst, dass die Neubesetzung in Gefahr sein könnte, hat Berger indes nicht. Er sei „100-prozentig sicher", dass ein Nachfolger gefunden werde, versichert er. „Die Juristenfakultät ohne eine Professur für Völker- und Europarecht wäre undenkbar. Das sieht auch die Rektorin so", sagt der Dekan.

Auszeichnung für die Fakultät

Dass Professor Kotzur ein solch lukratives Angebot aus Hamburg bekommen hat, sieht Berger auch als Zeichen für die gute Arbeit der Leipziger Fakultät. „Das zeigt, dass wir gut berufen haben. Professor Kotzur war ein sehr talentierter Kandidat und hat sich hier am Lehrstuhl dementsprechend profilieren können."

Sicher ist sich Berger auch, dass die Fakultät einen guten Ersatz für Kotzur finden werde. „Optimal wäre jemand, der schon erste akademische Verdienste hat. Wichtig für einen Kandidaten sind heute vor allem die internationale Vernetzung und die Drittmittelakquise. Wir wollen jemanden, der dort weitermacht, wo Professur Kotzur aufhören wird."

Zuversicht trotz Abschiedsstimmung

Es sei nie schön, einen Kollegen zu verlieren, den man schätzen gelernt hat, doch Professor Kotzurs Weggang sei für Berger nachvollziehbar. Es gehöre nun einmal zu einer akademischen Laufbahn, dass man sich weiterentwickle. Und auch für die Uni Leipzig biete eine Neubesetzung Chancen. „Es gibt nichts Schlimmeres, als ein Institut, an dem sich 20 Jahre lang nichts ändert. Ich freue mich drauf. Es wird spannend sein, zu sehen, wer sich bei uns bewerben wird."

Seine Studenten werden vor allem den engen Bezug zu ihrem Professor vermissen, sagt Sophie Freier, Leipziger Vorstand der Vereinigung von Jura-Studenten ELSA. Dass ihr Professor trotz der Bemühungen seiner Studentenschaft dem Ruf nach Hamburg folgt, sei aus wissenschaftlicher Sicht verständlich, sagt sie. „Wir wünschen ihm alles Gute und freuen uns auf das von ihm angebotene Abschieds-Get-Together."

Der Autor Sebastian Münster ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.

 
 
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