Campus-Reporter begleiten Leipziger Hochschulangehörige und wollen herausfinden, was an ihnen und an ihrem Tun besonders ist.
„Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite.
Claus Baderschneider
von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.
Tschüss, Prof!
– Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt.
Physiker Wolfgang Oehme
weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.
Foto: privat
In Sachsen kommen 1,3 Studenten auf einen Studienplatz, sagt Ulf Banscherus von der Humboldt Universität zu Berlin.
Campus: Der Studentenrat der Universität Leipzig kritisiert, dass sich die Rektorin Beate Schücking den Forderungen der Landesregierung widerstandslos gefügt habe. Hätte sich die Uni-Leitung gegen die Kürzungen überhaupt wehren können?
Banscherus: Die Universitäten sind von den Finanzzuweisungen des Landes abhängig. Zu sagen: „Das machen wir nicht“, geht nicht. Das Rektorat kann zwar mit dem Ministerium verhandeln, wie hoch die Einsparungen letztendlich sein müssen, aber am Ende sitzt das Land am längeren Hebel. Man kann natürlich im Vorfeld mit der Doppelstrategie aus Protesten und Verhandlungen einiges erreichen.
Die geplanten Stellenstreichungen werden mit dem Rückgang der Studierendenzahlen begründet. Ein Irrtum: Es hat sich nun gezeigt, dass heute mehr Studierende an der Universität Leipzig lernen als vor zehn Jahren.
Ja, die Prognosen, die vor vier bis fünf Jahren gemacht wurden, müssen aus heutiger Sicht mit einem großen Fragezeichen versehen werden. Damals wurde für Sachsen mit knapp 15.000 Studienanfängern im Jahr 2011 gerechnet – nun waren es fast 20.000. Nicht ganz klar ist, ob dahinter kurzfristige Entwicklungen oder langfristige Trends stehen.
Was meinen Sie mit kurzfristigen Entwicklungen und langfristigen Trends?
Kurzfristig etwa, dass die Wehrpflicht abgeschafft wurde oder die doppelten Abiturjahrgänge in einigen Bundesländern. Dazu kommen wahrscheinlich strukturelle Trends. Zum Beispiel ist aktuellen Studien zufolge die sogenannte Übergangsquote gestiegen. Das bedeutet, dass mehr Abiturienten den Schritt an die Hochschulen machen. In Sachsen lag die Quote in der Vergangenheit unter dem Bundesdurchschnitt, zuletzt ist sie auf über 70 Prozent gestiegen. Nur ein oder zwei Prozent mehr „Übergänger“ bedeuten einen ganzen Schwung neuer Immatrikulationen. Zudem steigt die Mobilität: Es kommen mehr
In Chemnitz soll ein neuer Standort errichtet werden, um Grundschullehrer an der Technischen Universität auszubilden. Was halten Sie davon, an einem Ende zu kürzen und am anderen neue Strukturen zu schaffen?
Generell bin ich bei der Lehrerbildung gegen die vollständige Konzentration an einem Standort. Das hat mit der Organisation der Schulpraktika zu tun, aber auch mit dem Fächerangebot der Hochschulen insgesamt. Trotzdem sehe ich den aktuellen Vorschlag eher kritisch. Man möchte die neue Ausbildung in Chemnitz ja schaffen, um dem akuten Lehrermangel in Sachsen zu begegnen. Bis die ersten Absolventen die TU Chemnitz verlassen, wird es aber bis zu zehn Jahre dauern. Außerdem macht es wenig Sinn, ausschließlich das Grundschullehreramt an einer Hochschule anzusiedeln, an der die Schwerpunkte eher im Bereich der Weiterbildung als in der Lehr- und Lernforschung oder der Schulforschung liegen.
Die Autorin Britta Veltzke ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.