Perspektiven
Hohe Fixkosten, sinkende Zuschüsse - Studentenwerk erhöht Semesterbeitrag
Jonas Wissner
Foto: Andreas Lamm
Noch in diesem Jahr wird der Semesterbeitrag um 15 Euro steigen.
Das Studentenwerk Leipzig steckt in der Zwickmühle. Statt die Essenspreise für Studenten in den Mensen zu erhöhen, steigt vom kommenden Sommersemester an der Semesterbeitrag um 15 Euro. Die Sparpotenziale scheinen ausgeschöpft, nun will das Studentenwerk beim Freistaat Überzeugungsarbeit leisten, um nicht noch weitere Fördergelder zu verlieren.
Der Verwaltungsrat des Studentenwerks hat entschieden: Statt bislang 55 Euro müssen Leipziger Studenten ab April nächsten Jahres 70 Euro pro Halbjahr an das Studentenwerk zahlen. Die erste Erhöhung seit vier Jahren soll komplett dem Verpflegungsbereich, also den Mensen und Cafeterien, zugute kommen. Für Mitarbeiter und externe Gäste werden die Essenspreise um 50 Cent angehoben. Nach Angaben des Studentenwerks ist der Landeszuschuss für Mensen und Cafeterien von knapp 3,5 Millionen Euro im Jahr 2001 auf nun gut 1,5 Millionen Euro gesunken.
„Wir haben eine Situation erreicht, wo ich meine, dass das Land Sachsen seiner Verantwortung zur Finanzierung nicht ausreichend nachkommt", so Andrea Diekhof, Geschäftsführerin des Studentenwerks Leipzig, das für Studenten an sieben Hochschulen in der Messestadt zuständig ist. Es sei kritikwürdig, Studenten als unterstützungsbedürftige Gruppe seitens des Freistaats weniger zu unterstützen: „Sachsen ist beim Sparen vorn, aber die Frage ist, ob das Rad hier nicht zu weit angezogen wird."
Erhöhung trifft alle Studenten, nicht nur Mensa-Gäste
Foto: Andreas Lamm
Die Zuschüsse des Freistaates für das Studentenwerk Leipzig: Vor zehn Jahren standen noch 2 Millionen Euro mehr zur Verfügung.
Das Studentenwerk hat im vergangenen Jahr 500.000 Euro Verlust bei der Verpflegung eingefahren. Andere Bereiche bereiten weniger Sorgen: Die BAföG-Betreuung finanziert der Staat komplett, die Studentenwohnheime werden Diekhof zufolge kostendeckend vermietet.
Die Haltung des Studentenrats (StuRa) der Universität Leipzig zur Gebührenerhöhung sei schwierig, sagt Magdalena Protte, Referentin für Hochschulpolitik. Doch im Grunde sei der StuRa „völlig auf der Seite des Studentenwerks." Hinter der Beitragserhöhung stehe „die fehlende Finanzierung von Landesseite. Da kommt es zu ähnlichen Problemen wie auch im Hochschulbetrieb" , sagt Protte mit Blick auf die Kürzungen bei den Hochschuletats.
Nach Andrea Diekhofs Ansicht ist „die Entscheidung für die Erhöhung keinem leicht gefallen." Sie habe aber schon dafür geworben, dass nicht die einzelnen Kunden, sondern alle Studenten vermehrt zur Kasse gebeten werden. Diekhof: „Die Frage ist: Wollen wir die Erhöhung im Sozialbeitrag oder bei jenen, die essen?" Ihr Argument: „Die Hauptkosten entstehen, weil wir die Infrastruktur vorhalten müssen - für alle." Daher sei es besonders wichtig, langfristig Kapazitäten zu planen.
Problematisch: Die hohen Fixkosten
Im Verwaltungsrat des Studentenwerks sitzen auch Studenten der Leipziger Hochschulen. Sie müssen ihren Kommilitonen erklären, warum pro Semester bald 15 Euro mehr anfallen. „Wir hören hier öfter Beschwerden, zum Beispiel über die kürzere Öffnungszeit der Cafeteria im Geisteswissenschaftlichen Zentrum in der Beethovenstraße, aber das Studentenwerk versucht, ein sehr vielfältiges Angebot aufrecht zu erhalten", findet StuRa-Referentin Protte.
Eben dieser Standard bringt hohe Fixkosten für Mensen und Cafeterias mit sich. „Wenn eine Mensa einmal steht", so Geschäftsführerin Diekhof, „dann ist ein hoher Erlös der Hebel für Wirtschaftlichkeit." Es sei ertragreicher, viele Kunden anzulocken, als weniger Portionen zu kochen.
Die Cafeteria in der Karl-Heine-Straße ist seit Juli geschlossen, diesen Einschnitt habe man hinnehmen müssen, so Diekhof. Im Geisteswissenschaftlichen Zentrum wurden die Öffnungszeiten verkürzt, dies sei wegen stark rückläufiger Umsätze notwendig gewesen.
Weitere Einsparpotenziale sieht die Studentenwerk-Geschäftsführerin kaum. Durch gemeinsame Einkäufe mit anderen Studentenwerken würden Kosten bereits gesenkt, beim Kartoffeleinkauf etwa spart Leipzig laut Diekhof gegenüber dem Vorvertrag 20 Prozent ein. Allerdings seien die Kaffeepreise wieder angezogen, zudem erwarte sie steigende Personal- und Energiekosten.
Studentenwerk will weiter verhandeln
„In den Mensen haben wir das Konzept umgesetzt, auch Bio-Produkte und vegane und vegetarische Speisen anzubieten", sagt Diekhof, da sei das Leipziger Studentenwerk gut aufgestellt. StuRa-Referentin Protte stimmt zu: „Da gibt es großartige Entwicklungen."
In den kommenden Wochen und Monaten will das Studentenwerk weiter mit dem Land verhandeln. „Wir haben nun ein Zeitfenster bis Anfang nächsten Jahres, in dem wir versuchen werden, auf die Entscheidungsträger einzuwirken", sagt die Geschäftsführerin. Sie hoffe, dass das der Freistaat nicht noch weiter bei den Studentenwerken spare.
Der Autor Jonas Wissner ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 08.11.2011, 18:46 Uhr