Perspektiven
Meuterei bei Musical-Ausbildung – Zukunft der Fachrichtung an der Musikhochschule ungewiss
Richard Siegert
Foto: Bertram Kober
Die Zukunft der Musical-Ausbildung an der HMT ist ungewiss.
Groß war der Frust der Musicalstudenten an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater (HMT). Daher reichten sie im Februar fast geschlossen eine Beschwerde beim Rektorat ein. Hauptkritikpunkt war die Qualität der Gesangsausbildung. Folge: Die von der Beschwerde betroffene Professorin gibt derzeit keinen Gesangsunterricht mehr. Seit Beginn des Sommersemesters gibt es daher drei neue Lehrbeauftragte. Jetzt soll die Zukunft der Fachrichtung überdacht werden.
„Schwerwiegende fachliche und pädagogische Mängel“ lauten die Vorwürfe von HMT-Studentenratsmitglied Fabian Bothe. Er studiert Gesang Popularmusik- Jazz/Musical im vierten Semester. In erster Linie richtet sich die Kritik gegen die Gründerin der Musicalausbildung an der Hochschule. Laut Bothe seien vor allem „das destruktive Feedback sowie der fehlende Enthusiasmus“ der Professorin für die Studierenden nicht länger tragbar gewesen.
Gemeinsam mit 14 seiner 17 Kommilitonen reichte er am 11. Februar einen schriftlichen Wechselantrag bei der Hochschulleitung ein. „Das war ein Hilferuf der Studierenden“, meint HMT-Rektor Robert Ehrlich. Generell seien Lehrerwechsel an Kunsthochschulen, wo verstärkt Einzelunterricht stattfindet, zwar nicht unüblich, so Ehrlich. Doch dass sich nahezu ein ganzer Studiengang an ihn wendet, sei ein eindeutiges Zeichen gewesen, dass „da richtig etwas schief gegangen ist“. Die Studenten forderten drei neue Lehrkräfte. Um dem Anspruch an eine hochwertige Ausbildung gerecht zu werden, kam das Rektorat dieser Aufforderung nach.
Mit der betroffenen Professorin, die sich auf Nachfrage nicht zu den Vorwürfen äußern wollte, einigte sich die Hochschulleitung vorerst in einem Schlichtungsgespräch. Sie gibt derzeit keinen Einzelgesangs-, jedoch weiterhin Gruppenunterricht und ist auch nach wie vor als Studiendekanin tätig.
Eine in geringerem Umfang auch von der Kritik betroffene Professorin gibt zurzeit nach wie vor Gesangsunterricht in der Fachrichtung. In beiden Fällen können die Studenten jetzt jedoch entscheiden, ob sie statt von einer der beiden alteingesessenen Lehrerinnen lieber von den neuen Lehrbeauftragten unterrichtet werden möchten.
Studentenvertreter Bothe ist „sehr zufrieden mit der Lösung“. Die Stimmung in der Fachrichtung habe sich stark verbessert. Die neuen Lehrkräfte werden dem Rektor zufolge auch im Wintersemester weiterbeschäftigt. Damit scheint die Ausbildung der derzeitigen Leipziger Musicalstudenten gesichert. Was jedoch mit künftigen Jahrgängen geschieht, steht zurzeit in den Sternen. Nur soviel ist momentan gewiss: „Der Senat hat einstimmig beschlossen, dass im kommenden Jahr keine neuen Musicalstudenten aufgenommen werden, um die Situation zu entspannen und nötige Stellschrauben zu drehen. Ausgang offen“, so Rektor Ehrlich.
Der Autor Richard Siegert ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 03.08.2011, 13:50 Uhr