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Schücking erklärte gestern Abend dem Studentenrat ihr Strategiepapier.
Universitätsrektorin Beate Schücking hat am Dienstagabend vor dem Plenum des Studentenrates (Stura) das Strategiepapier des Rektorats zu den Stellenkürzungen an der Uni Leipzig verteidigt. Schücking setzte dabei nicht auf Konfrontation, sondern auf Vernunft und Dialogbereitschaft der Studenten. Denn wenn die Universität sich den Kürzungsplänen verweigere, werde das sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst selbst die Schere ansetzen – mit unabsehbaren Folgen.
Es war am gestrigen Dienstag wohl der schwerste Gang für Beate Schücking und die Prorektoren Thomas Lenk und Matthias Schwarz: Nachdem sie am Nachmittag im Senat schon ihr Strategiepapier zu den vorgesehenen Einsparungen an der Universität Leipzig vorgestellt hatten, versuchten sie am Abend auch dem vollbesetzten Plenum des Studentenrates, ihre Pläne zu vermitteln. Was trotz aller Kritik der Studierenden rüberkam: Auch das Rektorat setzt nicht leichten Herzens den Rotstift an.
„Jetzt Stellen abzubauen, passt nicht“
„Uns ist es wichtig, zu kommunizieren, wir setzen auf Transparenz“, sagte Thomas Lenk, Prorektor für Entwicklung und Transfer, bevor er ausführlich die Rahmenbedingungen für die geplanten Kürzungen herausstellte. Die sehen freilich ganz anders aus, als vom Sächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) im Entwurf des Hochschulentwicklungsplans prognostiziert: So gibt es in Leipzig in
diesem Jahr 50 Prozent mehr Studienanfänger als im Plan vorgesehen. „Wir haben bis 2020 keine Auslastungsprobleme. Jetzt Stellen abbauen zu müssen, passt da natürlich nicht“, so Lenk. Und dennoch blieben keine Alternativen zu einem durchdachten Konzept seitens der Universität, um die vom Ministerium geforderten Einsparungen umzusetzen. „Wenn wir uns dem verweigern, werden vom Ministerium einfach die jeweils freiwerdenden Stellen abgebaut“, argumentierte Rektorin Schücking. „Und das ist das, was wir am wenigsten wollen.“
Für die aktive Mitgestaltung habe das Rektorat auf strukturiertes Vorgehen gesetzt: Die Prüfung und Bewertung einzelner Fakultäten und Institute nach Zahl der Studienanfänger und Absolventen, Forschungsaktivitäten, regionale Konkurrenz zu anderen Universitäten sowie Dopplungen in der Stellenbesetzung. Das Ergebnis der Prüfung: In den beiden kommenden Jahren fallen an der Uni insgesamt 48 Stellen weg.
Pharmazie: Zu klein zum Überleben
Der größte Batzen sind die 21 Stellen am Institut für Pharmazie, das komplett geschlossen werden soll. „Es stand im Vergleich mit anderen Einheiten der Universität nicht so gut da“, begründete Schücking. Das Institut sei schon seit der Wiedergründung 1992 zu klein dimensioniert gewesen. „Wir hätten es dennoch nicht gemacht, wenn wir nicht müssten“, sagte die Rektorin in Anbetracht der geplanten Schließung. Gleichzeitig sicherte sie zu: „Natürlich können die Erstsemester fertig studieren.“ Den Ausschlag zur Schließung habe neben der geringen Größe des Instituts auch die Nähe der Uni Halle-Wittenberg gegeben, die ebenfalls einen Pharmazie-Studiengang anbietet.
Die Studentenvertreter der Pharmazie zeigten sich enttäuscht. „Das ist ein Ritt gegen die Wand“, so Christin Nitzsche vom Fachschaftsrat der Pharmazie. „Wir sind fassungslos.“ Sie konnte die Argumente der Rektorin nicht nachvollziehen: Von den jährlich etwa 50 Studienanfängern würden 90 Prozent ihren Abschluss machen, die Ausbildungsqualität sei hoch. Bei der Bewertung der deutschen Pharmazie-Studiengänge würde sich Leipzig immer unter den besten drei bewegen. An Schückings Zusicherung, dass die Erstsemester ihr Studium sicher beenden könnten, wollte Chris Graichen, ebenfalls Fachschaftsrat der Pharmazie, nicht glauben: „Die jetzigen Erstsemester werden erst 2016 fertig. Dass die ordnungsgemäß zu Ende studieren können, glauben wir nicht. Kommendes Jahr gehen zwei Professoren in Rente.“ Von daher sei die Fortführung schon aus personellen Gründen gefährdet.
Weitere Streichungen in Aussicht?
Auch für ihre weiteren Streichungspläne musste Rektorin Schücking Kritik einstecken. Max Wegener forderte die Studierenden zum Schulterschluss auf: „Die Regierung wälzt die Drecksarbeit auf Unis die ab und bringt uns gegeneinander auf“, so der Stura-Vertreter. „Was hier vorgestellt wurde, kann nur ein Plan B sein, aber kein Plan A.“ Florian Sperber als Referent für Hochschulpolitik im Stura befürchtete, dass die bisher kleineren Kürzungen an mehreren Instituten langfristig den Wegfall weiterer Studiengänge bedeuten könnten.
Die Rektorin versuchte gar nicht erst, diese Argumente vor der Runde zu entkräften und meinte sogar, einen „Hoffnungsschweif inmitten deprimierender Nachrichten“ ausgemacht zu haben: Eine dramatisch höhere Nachfrage des Landes Sachsen an Lehrern. Wenn sich die Universität in diesem Bereich profiliere, könne sie an Geld und Stellen kommen. „Wir sollten nicht immer nur jammern, sondern konstruktive Forderungen stellen“, so Schücking.
Auch Zustimmung unter den Studenten
Unterm Strich kam der Auftritt der Hochschulleitung trotz aller schlechten Nachrichten gut an. Weder Buhrufe noch Pfeifkonzerte störten den Vortrag der Rektorin, stattdessen stand sachliche Argumentation im Mittelpunkt – die am Ende nicht wenige Studenten von den Plänen des Rektorats überzeugte. „Das Rektorat hat einen guten Job gemacht, Prorektor Lenk hat eine schlüssige Präsentation gezeigt“, sagte Moritz Heiser, Student der Politikwissenschaft. „Allerdings hat man gesehen, dass bei den Grundlagen großen Dissens mit den Studierenden gibt. Auch ich stimme zu, dass die Kürzungen nur der Plan B sein können.“ Pragmatischer sah es Marina Bohn: „Wenn schon gekürzt werden muss, ist dies noch die erträglichste Art“, äußerte die Ägyptologie-Studentin Verständnis. „Wir sind in einer bescheidenen Lage und ich denke nicht, dass es abzuwenden geht.“
„Die Argumentation ist prinzipiell nachvollziehbar“, musste sogar Pharmazie-Fachschaftsrätin Christin Nitzsche anerkennen. „Aber wenn man selbst mit drinsteckt, weiß man, dass das auf Mutmaßungen fußt.“
Beate Schücking setzte zum Abschluss noch einmal auf Diplomatie: „Dass die Studenten der Entscheidung ihren Segen nicht geben, beruhigt mich“, sagte die Rektorin und bekannte: „Bei vielem, was Sie tun, haben Sie meine Sympathie.“
Der Autor Matthias Schätte ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.