Perspektiven
Sind Studiengänge mit englischen Namen bloß Marketing? - Drei Fragen an Prof. Wintermantel
Lisa Rogge
Foto: Hochschulrektorenkonferenz
Prof. Margret Wintermantel sagt, englische Studiengangnamen haben Funktionen.
BWL heißt Management Science, aus Geographie wird Urban Management. Es scheint kaum noch deutsche Bezeichnungen für Hochschulfächer zu geben. Ist das so? - Professorin Margret Wintermantel, die Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz, sieht eine ähnliche Tendenz. Aber ihrer Meinung nach gehen die neuen Namen mit einer geänderten inhaltlichen Ausrichtung einher - sonst wären sie unsinnig.
Campus: Frau Wintermantel, Sie sind Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz. Gibt es tatsächlich immer mehr Englisch betitelte Studiengänge?
Wintermantel: Die Zahl hat zugenommen, das scheint mir auch so. Vor etwa 15 Jahren hat die damalige Bundesregierung dem Deutschen Akademischen Austausch Dienst und der Hochschulrektorenkonferenz finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, um englischsprachige Pilotstudiengänge für deutsche und ausländische Studierende einzurichten. Das war eine wichtige Unterstützung, um die Attraktivität der deutschen Studienprogramme für ausländische Studierende zu erhöhen.
Traditionell interessierten die sich eher für britische und nordamerikanische Hochschulen. Kurze Zeit später wurde dann mit dem Bologna-Prozess die Vision eines Europäischen Hochschulraums entwickelt. Seitdem bemühen sich deutsche Universitäten aktiv um ausländische Studienbewerber, und dafür sind Studiengänge in englischer Sprache eben eine von mehreren Möglichkeiten.
Was verbirgt sich hinter Studiengängen mit englischen Namen?
In einigen Fällen werden die Studienprogramme überwiegend in englischer Sprache abgehalten. In anderen handelt es sich um Gegenstände, die in englischen Begriffen eingeführt sind, nehmen Sie etwa Business Engineering oder Public Health. Wieder anders ist es in Fällen, in denen die Orientierung auf einem internationalen Arbeitsmarkt Ausdruck finden soll. So gibt es ein internationales Masterprogramm „European Studies“, das auf einen EU-orientierten Berufsweg vorbereitet.
Welche Vorteile bieten englischsprachige Bezeichnungen der Universität, wenn sich ansonsten nichts an den deutschen Lehrinhalten ändert? Ist es nur ein Marketing-Gag?
Ohne Bezug zu den Lehrinhalten oder der Unterrichtssprache wird daraus auch aus Marketing-Sicht kein Schuh. Die Bezeichnungen sollten – deutsch oder englisch – aussagekräftig sein, dann transportieren sie das Profil der Hochschule und ihres Studienangebots.
Die Autorin Lisa Rogge ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 24.05.2011, 14:34 Uhr