Perspektiven
Stillstand im Paulinum - Im Innern des Kirche-Aula-Baus der Uni Leipzig geht es nicht voran
Kristin Kielon und Stephanie Eilert
Foto: Raimund Groß
Fertigstellungstermin weiterhin ungewiss: Der Bau des Paulinums auf dem Leipziger Uni-Campus am Augustusplatz kommt nicht voran.
Es wird und wird nicht fertig: das Paulinum auf dem Leipziger Uni-Campus am Augustusplatz. Mit jedem Monat, in dem die künftigen Nutzer nicht in die Aula und den Andachtsraum einziehen können, steigen die Kosten. Nun stellt das sächsische Finanzministerium als Bauherr nicht einmal mehr eine Prognose für die Fertigstellung.
Die Gerüste und der Kran an der Baustelle sind abgebaut. Von außen sieht es fast so aus, als stehe das Paulinum kurz vor der Vollendung. Doch der Schein trügt. Spätestens beim Blick in die Aula holt den Betrachter die Realität ein. Dort herrscht nach wie vor Baustelle - mehr als zwei Jahre nach dem geplanten Eröffnungstermin.
Uni-Baudezernent Titus Werner wäre schon zufrieden, wenn die Arbeiten überhaupt einen Fortschritt erkennen ließen. „Es würde uns nicht mehr erschüttern, wenn der Zustand noch zwei Jahre so bleibt“, sagt Werner. Bis vor zwei Jahren sei noch alles halbwegs nach dem ohnehin stark gestreckten Plan gelaufen. Dann habe sich der Freistaat mit dem Architekten Erick van Egeraat in Streitigkeiten über die Verträge verstrickt. Dieser Rechtsstreit ist dem Finanzministerium zufolge seit Herbst 2011 ausgeräumt. Dennoch herrscht Funkstille zwischen Dresden und Leipzig.
Der Sprecher des Finanzministeriums, Stephan Gößl, sagt, es gebe keinen Zeitplan, aber Gespräche mit dem Architekten. Einer der Knackpunkte dabei ist dem Vernehmen nach die Finanzierung. Will das Land die Kosten für den Innenausbau senken? Ein Ende der Gespräche ist für Gößl derzeit nicht absehbar.
Auch eine Baustelle, auf der nicht gearbeitet wird, kostet Geld, erklärt der Uni-Kanzler Frank Nolden: „Bis Ende 2010 musste die Uni für alle bauverzugsbedingten Mehrkosten aufkommen, die sich auf zirka zwei Millionen Euro belaufen. Seit 2011 hat der Freistaat diese Kosten übernommen.“ Dazu zählen unter anderem Miet- und Betriebskosten für Interimslösungen. Aufgrund des Bauverzuges entstehen aber noch weitere Probleme: Die mit Hilfe privater Spender restaurierten Kunstwerke können noch nicht montiert werden. Nolden bereitet das Sorgen: „Weil die Werke nicht zum vereinbarten Zeitpunkt präsentiert werden können, bekommt die Universität unverschuldet ein Glaubwürdigkeitsproblem.“
Für schwindendes Vertrauen könnte der Bauverzug auch bei potenziellen Partnern sorgen, die das Paulinum nutzen wollen - als Tagungsort oder Konzertsaal. So soll es für den MDR-Musiksommer und das Bachfest Interesse geben. Diese Kooperationen würden auch ein wenig Geld in die klamme Kasse der Uni spülen. Das wäre auch im Sinne der Studenten, glaubt Universitätsmusikdirektor David Timm: „Ich sehe hier einen Widerspruch: Auf der einen Seite gibt es dieses Prestigeobjekt, dessen Bau ständig teurer wird. Andererseits muss gespart werden und es fehlt teilweise an den einfachsten Mitteln, um vernünftig studieren zu können.“ Timm hat bereits Pläne für das Paulinum: „Auf jeden Fall möchte ich eine Konzertreihe mit den zwei neuen Orgeln veranstalten. Denkbar ist auch eine eigene Reihe mit Universitätschören.“ Derzeit muss er noch auf andere Auftrittsorte ausweichen. So ist der Uni-Chor häufig kostenpflichtiger Mieter in der Peterskirche und das Orchester zu Gast im Gewandhaus. „Für meine Arbeit wäre mir schon sehr geholfen, wenn ein Raum im Paulinum frei geräumt würde, so dass in der warmen Jahreszeit verschiedene Veranstaltungen darin stattfinden können“, meint Timm. Aber das scheint in weiter Ferne: Im Paulinum lagert derzeit Baumaterial, das für den Ausbau des neuen Augusteums gebraucht wird.
Die Autoren Kristin Kielon und Stephanie Eilert sind Mitglieder der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 19.04.2012, 22:13 Uhr