Campus-Reporter begleiten Leipziger Hochschulangehörige und wollen herausfinden, was an ihnen und an ihrem Tun besonders ist.
„Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite.
Claus Baderschneider
von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.
Tschüss, Prof!
– Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt.
Physiker Wolfgang Oehme
weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.„Das ist eine Katastrophe. Nicht nur für die Universität Leipzig, sondern für das Land Sachsen. Wir sind der einzige universitäre Ausbildungsstandort für Pharmazeuten in Sachsen“, kommentierte Pharmazie-Professor Detlef Briel diese Vorschläge. Die Rektorin begründete die geplante Schließung des Instituts und die damit einhergehende Streichung von 21 Stellen mit dem Wandel des Apothekerberufes auf europäischer Ebene und mit der starken Konkurrenz an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. „Halle ist personell größer, aber nicht besser aufgestellt. Das wir so klein sind, liegt vor allem daran, dass wir in den letzten zehn Jahren regelmäßig zusammengekürzt worden sind“, sagte Briel auf Campus-Nachfrage. Mit ihrem Vorschlag reagierte Schücking auf die Forderung des Ministeriums zur Umsetzung des sächsischen Hochschulentwicklungsplanes. Demnach muss die Uni bis 2020 knapp 170 Stellen einsparen.
Stark betroffen ist auch die Philologische Fakultät der Alma mater. Dort sollen sechs Stellen eingespart werden. Jeweils zwei Stellen werden in folgenden Einrichtungen abgebaut: Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Fakultät für Mathematik und Informatik sowie Fakultät für Geschichte, Kunst und Orientwissenschaften. Auch die Einstellung des Masterstudiengangs Komparistik ist angedacht. Von Herbst 2012 an würden dann in diesen Fachrichtungen keine Studierenden mehr immatrikuliert. In der Zentralverwaltung soll der Rotstift bei sieben Stellen angesetzt werden.
Auch die Ethnologie könnte betroffen sein, sagte Professor Frank Zöllner, Dekan der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften auf Campus-Anfrage. Ob es Ende 2014 noch eine eigenständige Studienrichtung Ethnologie geben wird, sei momentan noch unklar. Die am Dienstag besprochenen Kürzungen sind erst rund ein Viertel der insgesamt vom Ministerium geforderten Einsparungen. So sei es außerdem wahrscheinlich, dass bereits in der nächsten Runde nach 2014 die Musikwissenschaft gestrichen werden müsse, so Dekan Zöllner. Die Hochschule für Musik und Theater habe in diesem Bereich größere Personalkapazitäten. "Damit hätte die Universität der Musikstadt kein Institut für Musikwissenschaft mehr", so Zöllner.
Die Politikwissenschaft, die lange Zeit als Wackelkandidat galt, bleibt bestehen. Hier soll jedoch der Fokus stärker auf die Lehrerausbildung gelegt werden. Dies gilt auch für Schückings Konzept insgesamt: „Wir müssen dieses Flaggschiff, das Zentrum für
Die Reaktionen auf Schückings Vorschläge waren unterschiedlich: „Ich war angenehm überrascht. Natürlich kommt der große Aufschrei dort, wo gekürzt wird. Aber es ist ja auch nicht so, dass das Rektorat die Kürzungen begrüßt“, sagte Hochschulratsmitglied Klaus Tschira. Im Mittelbau und unter den Studenten regte sich Kritik an der späten Information zum Strategiepapier: „Wir haben keine Vorabinfo über die Pläne bekommen“, beklagte Senatsmitglied Bert Klagges, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Genetik. Erst 30 Minuten vor der Sitzung kursierte unter den studentischen Senatsmitgliedern das Gerücht über die Schließung des Instituts für Pharmazie. „Die Pharmazie hat fast alle Stellenkürzungen in den Naturwissenschaften aufgefangen“, sagte Biochemie-Studentin und Senatsmitglied Salome Adam.
Sie vermutet, dass die Hochschulleitung sich auf diese Weise bessere Chancen bei der laufenden Exzellenzinitiative ausrechnet. Für das geplante Zentrum für Biodiversität brauche man starke Naturwissenschaften, einzig die Pharmazie passe nicht in dieses Modell.
Auch der studentische Senator Sebastian Stieler zeigte sich unglücklich über die Entscheidung, das ganze Institut zu schließen. „Die Stellen müssen weg, das ist klar“, sagte er. Man hätte aber eher einzelne Fächer kürzen oder zusammenlegen sollen. Sein Kommilitone Simon Feldkamp rief dazu auf, die Forderungen des Wissenschaftsministeriums abzulehnen: „Die Verweigerung würde ich nicht aufgeben. Warum schlagen wir nicht einen mutigeren Weg ein?“
Am Abend wollte die Rektorin mit dem Studentenrat über ihre Strategiepapier diskutieren.
Die Autoren Stefan Hantzschmann, Stefan Lehmann, Sebastian Münster und Jonas Wissner sind Mitglieder der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.