Studentenleben
Ausschließlich für Akademiker – Leipziger Uni-Absolvent gründet Reisefirma
Julia Reinard
Foto: Julia Reinard
Ein Hoch aufs Busfahren: Stefan Lorenz und Zahnmedizinstudentin Kristina Grinberg haben eine Reisefirma für Akademiker gegründet.
Laute Gesänge und betrunkene Mitreisende - Stefan Lorenz kennt solche Reisen. Er hat früher Jugendbusfahrten begleitet. Immer wieder fuhren Studenten mit, die zwar in der Gruppe verreisen wollten, sich aber über das Benehmen mancher Fahrgäste beschwerten. Deshalb gründete der Betriebswirtschaftler ein Unternehmen, das Busreisen allein für Studenten und Absolventen anbietet.
Die Entscheidung, nur Reisende mit höherem Bildungsgrad mitzunehmen, sei nicht leicht gefallen. Die drei Firmeninhaber hätten das Thema „kontrovers diskutiert", erzählt Lorenz, einer der Unternehmer und treibende Kraft des Vorhabens. Doch am Ende stand fest: „Wir wollen ein Angebot von Studenten für Studenten machen." Die erste Reise steht Ende September an: Mit einem Bus geht es zum Münchner Oktoberfest. „Da wollte ich schon immer mal hin, aber von hier aus gibt es kein Angebot dafür", sagt der gebürtige Leipziger.
Einige Anfragen, auf die erste organisierte Reise mitzukommen, hat er schon ablehnen müssen. Denn die Interessenten zählten nicht zur Zielgruppe. Die Absagen seien ihm als diplomiertem Betriebswirtschaftler schwergefallen, aber nur so könne er Studentenreisen reinen Gewissens anbieten.
Studenten reisen gern - manche auch in Gruppen
Anne Morszeck wird bei der ersten Fahrt auch mit an Bord sein. Sie wollte das Oktoberfest besuchen - „gemeinsam mit meinen Mädels", wie sie sagt. Als die 27-jährige Informatikstudentin das Angebot der Firma sah, griffen sie und zwei Freundinnen sofort zu.
Firmengründer Lorenz ist seit 2009 mit der Uni fertig, hat Betriebs- und Volkswirtschaftslehre studiert. Er war gerne Student und besuchte genauso gern Partys. Doch mit dem Studienende fehlte schlagartig der Bezug zu Studenten: „Kaum war ich aus dem Unibetrieb raus, hatte ich keinen Kontakt mehr zum Campus, das war schade." Der Leipziger überlegte nicht lange, sondern organisierte eine eigene Party. Per Schwarzem Brett suchte er Freiwillige, die Lust auf Partyorganisation hatten. Juliane Münch und Kristina Grinberg meldeten sich. Dass die eine Medizin, die andere Zahnmedizin studiert, war geradezu perfekt. Die Studentinnen haben jenen Einblick, der dem Alumnus Lorenz mittlerweile fehlt: „Man muss Student sein, um zu wissen, was, wo und wann für Studenten interessant ist."
Vorhaben: zum Shoppen nach Berlin
Die erste Party veranstalteten die drei als „Campus-United" im Oktober vor einem Jahr. Sie sei gut gelaufen, bis heute lädt das Team einmal im Monat auf diverse Tanzflächen der Stadt. Doch in Stefan Lorenz‘ Hinterkopf tummelte sich weiterhin die Idee der Studentenreisen, von der er die Studentinnen überzeugte. Sie hätten sich bei Partygästen erkundigt, ob solche Reisen von Interesse sind - und hatten Begeisterung geerntet.
Daraufhin gründeten sie gemeinsam die Reisefirma, die bis auf den Bindestrich den gleichen Namen wie das Partyunternehmen hat. Sie haben neben einem Facebook-Auftritt eine Internetseite online gestellt, auf der auch das Konzept „von Studenten für Studenten" erläutert wird. Eine zweite Tour haben sie sich auch schon ausgedacht. Ende des Herbstes soll es zum Shoppen Richtung Berlin gehen. Und für kommenden Sommer hofft Lorenz auf richtige Urlaubstrips. In der Hinsicht baut er auf seine Erfahrung. Die besagt: Viele Studenten wollen mit Gleichgesinnten verreisen. Während der Betriebswirtschaftler in ihm erfreut hinzufügt: „Und es gibt so viele Studenten wie nie zuvor."
Die Autorin Julia Reinard ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 29.09.2011, 16:28 Uhr