Studentenleben
Das Ensemble Consart – ein Experimentierfeld für Musiker und Laien
Stefan Lehmann
Foto: Stefan Lehmann
Violinistin Juliane Schreiber schätzt besonders die angenehme Atmosphäre zwischen Musikern und Laien im Ensemble.
Von gregorianischer Kirchenmusik bis hin zur Kinderoper - beim Leipziger Ensemble Consart komponieren und musizieren Studenten und Absolventen verschiedener Fachrichtungen und Hochschulen zusammen. Was als Experimentierfeld begann, hat längst professionelle Züge angenommen. Zehn Jahre nach dem Start machen selbst die Kinder der Ensemblemitglieder mit.
Andreas Reuter ist musikalischer Leiter von Consart. Der Name des Ensembles ist eine Zusammensetzung aus dem lateinischen Wort „consort" und dem englischen Begriff für Kunst, „art". „Frei übersetzt: Zusammen Kunst machen, zusammen musizieren", erklärt Reuter. Ursprünglich hatte sich die Gruppe in Dresden gegründet. „Aber später hat sich das Ganze nach Leipzig verlagert." Der Grund: Viele der Mitglieder waren oder wurden Studenten an der Hochschule für Musik und Theater (HMT) - so auch Reuter.
Von Bach bis Kinderoper
Foto: Stefan Lehmann
Andreas Reuter ist musikalischer Leiter des Ensemble Consart.
Auf eine bestimmte Musikrichtung will sich das Ensemble nicht festlegen lassen. „Wir sind Allrounder", sagt Stephan Vorwergk, eines der Gründungsmitglieder und organisatorischer Leiter der Gruppe. Zum Reformationstag spielte ein Teil des Ensembles in der Leipziger Emmauskirche zwei Bach-Kantaten mit. Beim nächsten größeren Auftritt am 14. Januar 2012 in einer Basilika im thüringischen Herrenbreitungen wird Consart gregorianische Gesänge aufführen. „Aber direkt im Anschluss daran planen wir einen Impro-Kneipenabend", sagt Vorwergk. Dann wollen die Musiker von der Basilika in das nächstgelegene Gasthaus weiterziehen und noch einmal ganz spontan musizieren. Mit der Kirchenmusik habe das dann nichts mehr zu tun. Was genau bei dieser Aktion herauskommen wird, müsse man abwarten. Genau das sei aber auch das Schöne am Ensemble: „Hier können sich die Musiker ausprobieren."
Den Höhepunkt dieses Experimentierens bildet ein Musikprogramm, das die 32 Musiker einmal jährlich auf dem Schloss Hohenbreitungen in Thüringen aufführen. Zehn Sommertage verbringen sie dann zusammen, musizieren in Kulturhäusern und Kirchen. HMT-Studentin Juliane Schreiber hat dabei vor allem die angenehme Atmosphäre im Ensemble schätzen gelernt. „Dort treffen Laien auf Profis, aber keiner muss dem anderen etwas beweisen", sagt die Violinistin, die seit drei Jahren dabei ist.
Zehn Jahre nach der Gründung musizieren die ersten Kinder mit
Ein besonderer Höhepunkt im sommerlichen Musikprogramm ist die Aufführung einer Kinderoper. In diesem Jahr war es „Robin Hood". "Das hat uns die Gelegenheit gegeben, auch unsere Kinder mit einzubeziehen", erklärt Stephan Vorwergk. Denn zehn Jahre nach der Gründung steht ein guter Teil der Mitglieder schon fest im Berufs- und Familienleben. Auch HMT-Absolvent Samuel Seifert gehört dazu, seine beiden Kinder haben bei der „Robin Hood"-Oper im Chor gesungen. „Es ist interessant, das musikalische Handwerk mit seiner Familie zu teilen", sagt der 32-Jährige. „Außerdem ist die Kinderoper ein gutes Experimentierfeld für Musikpädagogen wie mich."
Erfahrungen und Kontakte sammeln
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Viele langjährige Mitglieder des Ensembles haben inzwischen eine Familie gegründet. Die Kinder musizieren mit.
Bei den Konzerten in den Ferien verdienen die Studenten und freischaffenden Musiker kein Geld. „Es soll aber auch niemand draufzahlen", sagt Stephan Vorwergk. Er schätzt, dass dem Ensemble ein Budget von 5000 Euro zur Verfügung steht. „Allein die Werbung für unsere Konzerte macht ein Drittel der Kosten aus", rechnet er vor. Die Kollekte aus Kirchenkonzerten betrage aber oft weniger als 200 Euro. „Man muss also sehen, dass man auch mal ein Konzert macht, bei dem man deutlich mehr verdient." Um die Kosten in Zukunft sicherer abdecken zu können, hat das Ensemble deshalb inzwischen Förderanträge bei den Kulturstiftungen von Sachsen und Thüringen gestellt und ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein geworden.
Reich können die Musiker mit ihrem Engagement hier ohnehin nicht werden, sagt Andreas Reuter. Vielmehr wöllten vor allem die Musik-Studenten neue Erfahrungen und Kontakte sammeln. „Man lernt zwar an der Hochschule vieles, kocht dort aber immer in der eigenen Suppe", erklärt er.
Für die Zukunft hat Andreas Reuter vor allem eines im Auge: Die musikalische Qualität noch weiter steigern und noch häufiger spielen. Nicht nur aus musikalischem Ehrgeiz, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen: Denn wenn sich das Ensemble profiliere, dann komme hoffentlich auch etwas mehr Geld in die Kassen, sagt Reuter und lächelt.
Der Autor Stefan Lehmann ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 17.11.2011, 16:11 Uhr