Am vorigen Mittwoch haben die Dozenten schon mal geprobt und sich von einem professionellen DJ die Technik zeigen lassen. Mit dabei, der Sportphilosoph Professor Arno Müller, fast ein alter Hase - in Bielefeld konnte er bei der „Vorlesung aus Vinyl" erste Erfahrung hinter den Turntables sammeln.
Der Philosoph versucht es mit Mainstream
Müller tüftelt noch an seiner Musikauswahl. „Die Philosophie wird ja häufig als verkopft angesehen", sagt er. Da gebe es schon eine gewisse Distanz. Am Donnerstag setzt der Sportphilosoph auf Mainstream und will sein Publikum mit aktuellem Pop einfangen. Auch sonst ist Müller musikalisch gut aufgestellt: Früher hat er Klavier gelernt, jetzt bringt er sich gerade selbst das Gitarrespielen bei.
Doch die Konkurrenz schläft nicht. Wirtschaftswissenschafts-Professor Matthias Schmidt ist bei Studenten bekannt für seine Vorlesung zur Einführung in die Buchhaltung. Die soll gar nicht so staubtrocken sein, wie der Name verspricht. Schmidt steigt mit Funk aus den 1980ern in den Ring: Mit Geheimtipps wie „Tower of Power" aus Oakland, die einst die Amerikaner im Kalten Krieg eingeschleppt haben, will er die Moritzbastei aufmischen. „Ich bin jahrelang in die Diskothek gegangen, die gleich in der Nähe der amerikanischen Kaserne lag", sagt Schmidt. Und dort sei immer die legendäre „Studio 54"-Musik gespielt worden. Auch Schmidt greift manchmal selbst zur Gitarre. „Ich bin gerade auf der Suche nach einer Band."
Noch zwei weitere angehende DJs mischen mit: Bei Professor Daniel Huster, Dozent für medizinische Biophysik, wird man die Einflüsse seiner USA-Aufenthalte heraushören. Bei Medienwissenschaftler Hans-Jörg Stiehler soll es hingegen rockig zugehen. Alle vier Professoren bekommen für ihren Auftritt eine Gage, die sie spenden werden.
Distanzen über den Abend hinaus überwindenDer Wettkampf bei „My Prof is my DJ" sei zweitrangig, sagt Veranstalter Stefan Lorenz. „Es soll mal die Distanz wegfallen, damit die Studenten auch mal ein Bier mit dem Professor an der Theke trinken können." Lorenz glaubt, dass es oft gar nicht die Professoren, sondern die Studenten sind, die der anderen Seite mit übertriebener Distanz begegnen. „Da wird nicht selten das Du angeboten und dann sind die Studenten ganz verwirrt."
Nicht nur an der Uni Leipzig drehen die Gelehrten die Plattenteller. Am Donnerstag versuchen sich zum Beispiel auch Berliner Professoren als DJs. Hauptsache, sie wechseln jetzt nicht scharenweise den Beruf. Wie sie in Zukunft mit dem Groupie-Problem umgehen wollen, bleibt abzuwarten.
Der Autor Martin Rank ist Mitglied der Lehrredaktion Campus,
einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität
Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.