21.05.2012 13:21 Uhr
 
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CAMPUS SPECIAL: LIEBLINGSPLÄTZE

 
Claus Baderschneider im Rosental „Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite. Claus Baderschneider von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.   
Weitere Lieblingsplätze der Studenten, Professoren und Mitarbeiter der Leipziger Hochschulen lernen Sie hier kennen.
 

Campus-Serien

 
Tschüss, Prof! – Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt. Physiker Wolfgang Oehme weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.
 

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Studentenleben

"Hi, Prof!" - Professoren über den Umgangston in E-Mails

Kommt bei Professoren gar nicht gut an: Hingerotzte Mails   Foto: Sebastian Münster Kommt bei Professoren gar nicht gut an: Rüpelhafte Mails
Professoren bekommen jeden Tag zig Mails von Studenten. Einige davon sind so flapsig geschrieben, als wären sie für den besten Kumpel bestimmt. Die Professoren finden das gar nicht lustig. Die wollen ihre Studenten erziehen und antworten einfach nicht, wenn es zu platt wird. Einer bittet auf seiner Homepage sogar um höfliche Umgangsformen. Wie Uni-Dozenten mit missratenen studentischen Online-Schreiben umgehen.  

Ingo Bechmann hat Prinzipien, vor allem, wenn ihm seine Studenten eine E-Mail senden. Der Leipziger Anatomie-Professor bekommt etliche davon am Tag und in denen muss – so die Überzeugung des Professors – eine gewisse Form gewahrt werden. Doch flapsige Anreden wie „Hi, Prof.“ oder „Servus, Herr Bechmann“, gepaart mit Rechtschreib- und Grammatikfehlern, flattern ihm an manchen Tagen ins Postfach.

„Für mich ist das schon eine Visitenkarte, wie mir jemand schreibt“, sagt Bechmann. Und damit meint er nicht nur eine seriöse Anrede, sondern auch Rechtschreibung und Grammatik im gesamten Text – denn das gehört ebenfalls zur Form. „Lesen und Schreiben sind die Kernkompetenzen, um Wissenschaft zu machen“, sagt er. Und „da wir ja an der Universität und nicht an einer Gesamtschule in Bremen, Berlin oder Hamburg sind, antworte ich auch manchmal nicht auf E-Mails, in denen kein Komma am rechten Ort ist.“ Sofern ein unzweifelhaft deutscher Name darunter stehe.

Gibt es Erklärungen für so manche studentische Rüpelhaftigkeit, auf die Bechmann und auch andere Dozenten allergisch reagieren? Der Leipziger Sprachwissenschaftler Hans-Ulrich Schmid vom Institut für Germanistik der Uni Leipzig – einer, der es wissen muss – bietet folgende Interpretationan: Er sieht in der lockeren Schreibe der Studierenden keine Verrohung, sondern vielmehr reine Bequemlichkeit. Nicht nur in puncto Anrede. Die E-Mail könne beispielsweise auch den Gang in die Sprechstunde ersparen. „Leute erwarten, dass ich ihre Probleme löse, die in der Mail gelegentlich von 1 bis x durchnummeriert sind, nur weil sie sich nicht aufraffen können, persönlich zu mir zu kommen“, sagt Schmid.

Manche Professoren reagieren einfach nicht

Erfahrungen mit flapsigen Mails hat auch Hans-Werner Fischer-Elfert gemacht. Zwar ist der „Umfang noch erträglich“, berichtet der Uni-Professor für Ägyptologie, gleichwohl ist er ganz bei seinem Kollegen Bechmann: Auf „mangelnde Etikette“ reagiert Fischer-Elfert schlichtweg nicht mehr. „Den Hi, Prof. habe ich auch schon bekommen“, sagt Professor Gert Pickel von der theologischen Fakultät der Uni. Das dürfe man aber nicht zu ernst nehmen, so der Religionssoziologe. Ein „Sehr geehrter Herr …“ reiche ihm aus, bloß nichts Hochgestochenes. Wichtiger ist ihm, dass das Anliegen des Studenten „kurz und bündig“ ist.

Das sehen nicht alle so. Auch Professor Martin Gutzeit, der die Debatte um studentische Mails in einem Zeitungsinterview losgetreten hatte, ist ein gepflegter Umgangston sehr wichtig. Der Jura-Professor aus Gießen ist bestrebt, seinen Studierenden jenen unsäglichen Duktus stoisch auszutreiben. „Vor dem Computer fühlt man sich ungezwungen. Manche nehmen nicht wahr, dass die Kommunikation aus einem Chatroom nicht einfach in eine E-Mail übertragbar ist“, erklärt er. Das könne vor allem gegenüber Dritten gefährlich werden, also zum Beispiel potenziellen Arbeitgebern.

Bei Gutzeit hat sich der Ton in E-Mails inzwischen schon gebessert – auf seiner Homepage bittet er um eine höfliche Umgangsform. Sprachwissenschaftler Schmid wählt einen anderen Weg, um die schriftlichen Rohrkrepierer der Studierenden zu parieren. Neulich schrieb ihn ein Student an, nennen wir ihn Felix Schulz. Dessen Mail begann mit „Werter Herr Schmid“. Doch diese Anrede kenne er gar nicht, sagt Schmid, daher juxte er zurück: „Allerwertester Herr Schulz“.

Der Autor Philipp Weiskirch ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
 
 
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