Studentenleben
Vegetarischer Tag in der Mensa am Park – Juristen grillen 1.000 Würstchen zum Protest
Lisa Rogge
Foto: Wiebke Eichler
Juristen grillen vor der Mensa.
Falafel mit Joghurt-Limettendip, Curry-Gemüsepfanne und Tofusteak mit mediterranem Gemüse – am 5. Mai gab es ausschließlich fleischlose Gerichte in der Mensa am Park. Doch nicht bei allen Studenten stieß der sogenannte Veggie-Day auf Wohlwollen. Die Mitglieder des Fachschaftsrates Jura wollten sich nicht vom Studentenwerk vorschreiben lassen, was sie essen. Deshalb versorgten sie fleischhungrige Studenten vor der Mensa mit Würstchen.
„Wir wollen uns bei unserem Mittagessen nicht bevormunden lassen“, begründet Anna Zeiler vom Fachschaftsrat Jura die Aktion. Mit dem großen Grill direkt vor der Mensa wolle die Fachschaft ein Zeichen setzen, sagt Zeiler, auch wenn dieser Protest eine gewisse Portion Ironie beinhalte. „Unsere Aktion ist nicht bierernst gemeint“, sagte sie. 1.000 Würstchen haben die Fachschaftsmitglieder eingekauft. Doch die Resonanz fiel wider Erwarten verhalten aus. Mehr als die Hälfte blieb am Ende übrig.
Theologie-Fachschaftsrat von der Idee begeistert
Theologie-Studentin Anja Schuster hat sich über das Angebot gefreut. „Ich esse gerne Fleisch und will mir von der Mensa nicht gegen meinen Willen ein vegetarisches Gericht aufdrängen lassen“, sagt sie. Der Mensch brauche nun mal tierische Eiweiße, ergänzt sie. Die Aktion rief aber auch kritische Stimmen hervor. Einige wenige Studenten beschwerten sich über den Fleischverkauf und beschimpften den Grillstand als „dämlich“. Für diejenigen gab es vegetarische Würstchen. Mitglieder des Theologie-Fachschaftsrats sind von dem Veggie-Day sogar so begeistert, dass sie mehr fleischfreie Tage forderten. Einmal pro Woche soll es nach ihrem Wunsch künftig in der Mensa Gemüse als Hauptgericht geben. Vor der Mensa sammelten sie dafür Unterschriften.
Foto: Wiebke Eichler
Grund für die Aktion: der Veggie-Day.
Das Studentenwerk nahm den Grillstand einigermaßen gelassen hin. Es bedauere zwar, dass sich einige durch den Veggie-Tag so stark eingeschränkt fühlen, dass sie eine Protestaktion starten, sagt Angela Hölzel vom Studentenwerk. Es sei aber Ziel des Tages, die Diskussion um den Fleischverzicht und die Auswirkungen auf die Lebensbedingungen von Tieren zu fördern. Für das Studentenwerk verlief der Veggie-Day äußerst erfolgreich. Insgesamt wurden 4.300 Portionen verkauft. Das sind einige Essen mehr als am 28. April, an dem auch fleischhaltige Gerichte angeboten worden waren.
Bei einer Befragung stimmt die Mehrheit für den vegetarischen Tag
Den ersten Veggie-Tag an der Universität Leipzig gab es im Dezember 2010. Damals wurden auch rund 1.200 Studenten und Mitarbeiter zu ihrer Meinung über die Gerichte ohne Fleisch befragt. Gut zwei Drittel begrüßten den vegetarischen Tag und wünschen sich dieses Angebot künftig mindestens ein Mal pro Monat. Knapp ein Drittel war gegen vegetarisches Essen. Ziel des Studentenwerkes ist es dennoch, an mindestens einem Tag pro Semester in der Mensa am Park ohne Fleisch zu kochen.
Die Autorin Lisa Rogge ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 05.05.2011, 19:07 Uhr