21.05.2012 13:28 Uhr
 
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Ein Tag mit ...

 
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Claus Baderschneider im Rosental „Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite. Claus Baderschneider von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.   
Weitere Lieblingsplätze der Studenten, Professoren und Mitarbeiter der Leipziger Hochschulen lernen Sie hier kennen.
 

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Tschüss, Prof! – Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt. Physiker Wolfgang Oehme weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.
 

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Ein Tag mit …

Ausziehen für die Kunst

Noch ist der Hocker leer, auf dem Lothar Häßler später als Aktmodel posieren wird.   Foto: Deborah Löffler Noch ist er leer: Der Hocker, dauf dem Lothar Häßler Model sitzen soll.
Lothar Häßler verdient seine Brötchen mit dem Nacktsein und denkt auch mit 66 Jahren noch nicht ans Aufhören. Der Leipziger arbeitet seit 46 Jahren als Aktmodell, seit 20 Jahren macht er diesen Job hauptberuflich. Inzwischen ist er deutschlandweit gefragt und fährt täglich von Hochschule zu Hochschule. Dabei hat Häßler einige missratene Zeichnungen von sich ertragen müssen.

Er sitzt ganz ruhig da und wartet. Auf sein Publikum, auf seinen Auftritt, auf die Studenten. Lothar Häßler lässt sich beinahe jeden Tag von einer anderen Malklasse zeichnen. Auch als Akt. Das kann bis zu vier Stunden dauern. Manchmal auch länger, je nachdem, was die Professoren und Studenten wollen. Heute sitzt er für einen Kurs des Dozenten Tobias Rost am Leipziger Institut für Kunstpädagogik, morgen in der Volkshochschule, übermorgen auf Burg Giebichenstein, der Kunsthochschule in Halle.

Seit 46 Jahren im Geschäft

Langes Stillsitzen hat er verinnerlicht. Er ist geduldig. Bereits eine halbe Stunde sitzt er nun schon auf seinem vollgeklecksten Stuhl an der kurzen Seite des Raumes und wartet. „Pünktlich geht es hier nie los“, sagt Häßler. Neben ihm lehnen Staffeleien an der Wand. Es riecht nach getrockneter Farbe und gealtertem Holz. Der Raum hat hohe Decken. Vor den Fenstern stehen Tische, auf denen noch unfertige Werke der Studenten liegen. Ein Sammelsurium von Porträts, abstrakten Zeichnungen und Skulpturen steht durcheinander. Mitten im Raum befindet sich Häßlers kleine Bühne: Die sieht in jedem Atelier ein wenig anders aus. Hier bei den Kunstpädagogen ist es ein abgearbeitetes Holzpodest, darauf liegt eine rote Decke. In der Mitte des Podests steht ein Hocker. Darauf würde sich der groß gewachsene Mann eigentlich setzen – wenn endlich ein Student käme. Während des Wartens auf sein Publikum bleibt er jedoch am Rand des Raums.

Lothar Häßler ist ein gefragtes Aktmodel - seit 46 Jahren schon.   Foto: Deborah Löffler Lothar Häßler ist seit fast fünf Jahrzehnten ein gefragtes Aktmodel.
1964 hat Häßler erstmals für Malschüler die Hüllen fallen lassen. Damals arbeitete er eigentlich als Elektromonteur im Ernst-Thälmann-Kraftwerk. Einige Studenten der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, die dort als Praktikanten Modellzeichnungen anfertigten, hatten ihn überredet, probeweise an der Hochschule als Modell zu arbeiten. Was das bedeutete, wurde ihm erst später klar. „Ich dachte erst, ich sollte da für Porträts sitzen. Aber auf einmal war ich dann Aktmodell“, erzählt er. Zuerst habe er sich sehr unwohl gefühlt. Mittlerweile, nach 46 Jahren, ist ihm auf diesem Gebiet aber nichts mehr peinlich.

Über misslungene Zeichnungen sieht er hinweg

Der 66-Jährige ist verheiratet; seine Frau lernte er kennen, als er schon zehn Jahre als Aktmodell gearbeitet hat. Da war sein Nebenerwerb schon Routine. Auch seine vier Kinder hat es nie gestört, dass ihr Vater von so vielen Menschen nackt gemalt wird. Jedes Jahr besucht Häßler mit seinen Töchtern den Rundgang, die Jahresausstellung in der Hochschule. „Da wird dann auch mal diskutiert“ – darüber, ob der Vater schmeichelhaft getroffen wurde.

Aber selbst über misslungene Porträts kann Häßler sich freuen. „Man ist ja dabei, wie die Studenten ihre ersten Schritte machen. Das ist spannend. Gerade im ersten Studienjahr muss man auch mal über Fehler hinwegsehen.“ So macht er sich jedes Jahr einen Spaß daraus, auch bei den Aufnahmeprüfungen Modell zu sitzen. Die Bewerber müssen dann innerhalb von vier Stunden ein Porträt von ihm zeichnen – und er beobachtet die Kandidaten dabei ganz genau. „Vielen sitzt förmlich die Angst im Nacken. Das ist besser als Fernsehen!“

Persönlicher Kontakt ist ihm wichtig

Zeichenutensilien warten auf fleißige Künstlerhände.   Foto: Deborah Löffler Die Zeichenutensilien der Studenten sind im Atelier abgelegt.
Lothar Häßler pflegt viel persönlichen Kontakt zu den Malern. Manchmal macht die ganze Klasse samt Modell Ausflüge, oft geht er in den Pausen mit den Professoren ins Café. Er hat schon viele Maler kommen und gehen sehen, auch Neo Rauch gehört zu ihnen. Bei den Sommerkursen von Rauchs Frau sitzt er Modell. „Das war schon peinlich, als ich da angefragt wurde. Ich hab erst gar nicht gewusst, wer sie ist. Sie nennt sich ja Rosa Loy, das ist ein Künstlername“, erzählt Häßler. Ein paar der Studenten trifft er noch nach Jahren in der Stadt wieder – als Taxifahrer oder am Gemüsestand. „Nur wenige der Künstler schaffen nach dem Abschluss auch den Durchbruch. Das ist schade.“

Reisen gehört zum Beruf

Als Modell ist Lothar Häßler schon viel herumgekommen – „von Wismar bis Wien“ – überall war und ist er gern. Nur im westlichen Teil Deutschlands gefällt es ihm nicht so gut. Die Stimmung dort ist ihm zu aufgeladen, die Konkurrenz unter den Studenten zu groß. „Ich arbeite lieber in Sachsen und Thüringen.“

Seit 1990 steht Häßler hauptberuflich Modell. „Mein damaliger Arbeitgeber hat Stellen abgebaut. Und von der Arbeitslosenhilfe wollte ich nicht leben.“ Er möchte noch so lange wie möglich arbeiten. Sein Alter sieht man ihm kaum an, wenn er sitzt. Nur wenn er ein paar Schritte geht, kann man es an seinen etwas steifen Bewegungen erahnen. Sein Haar ist braun getönt. Angst vor dem Altern hatte er allerdings noch nie: „So junge, hübsche Modelle, die malt man ja im Nu. Ich bin schon eine Herausforderung!“ Er lächelt und an seinen Mundwinkeln und um die blauen Augen treten deutliche Falten zutage.

Bis zu 17 Euro verdient Häßler pro Stunde – auch wenn kein Student vorbeikommt. So wie heute. Nach zwei Stunden Wartezeit gibt ihm der Dozent frei. „Heute kommt wohl keiner mehr“, sagt Professor Rost. Häßler steht von seinem Stuhl auf. Wieder anziehen muss er sich heute nicht. Nur seine nicht genutzte Bühne abbauen.

Die Autorin Deborah Löffler ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt der LVZ und des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig.
 
 
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