Campus-Reporter begleiten Leipziger Hochschulangehörige und wollen herausfinden, was an ihnen und an ihrem Tun besonders ist.
„Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite.
Claus Baderschneider
von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.
Tschüss, Prof!
– Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt.
Physiker Wolfgang Oehme
weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.
Foto: Marcel Ruge
Architekt Torsten Fischer vor dem Uni-Neubau am Augustusplatz.
Der Bürotrakt im dritten Stock der Universitätsstraße 14 sieht nicht so aus, als wolle man es sich hier für längere Zeit gemütlich machen. An den weißen Wänden stehen meterlange Aktenschränke aus Metall. Auf den Rücken der Ordner ist „Glasdach Aula“, „Fassade Hauptgebäude“ oder „Halle Audimax“ zu lesen. Ein kleiner Tisch steht in der Ecke neben der Eingangstür, darauf ein Papiermodell des neuen Universitätshauptgebäudes. Es sind die Büroräume von Torsten Fischer und seinem Team. Fischer ist seit Mai 2009 der leitende Architekt für die Großbaustelle am Augustusplatz. Sein Vorgänger Erick van Egeraat, der den Entwurf angefertigt hatte, ging pleite.
Spezialist für „Feuerwehreinsätze“
„Das ist einer von diesen Crasheinsätzen, auf die ich und mein Partner uns spezialisiert haben“, sagt Fischer, als er mit einem schweren Metall-Trolley und einer schwarzen Umhängetasche zur Tür herein kommt. Fischer und sein Partner Hagen Werner haben seit 14 Jahren eine gemeinsame Firma in Berlin. Ihr Spezialgebiet sind „Feuerwehreinsätze“. Sie springen ein, wenn der Architekt insolvent geht und der Auftraggeber jemanden braucht, der das Projekt zu Ende führt – wie in Leipzig, wo nach der Pleite des Niederländers Erick van Egeraat ein Nachfolger gesucht wurde. Fischer leert in seinem Büro die Tasche und seinen Trolley. „Alles voller Akten“, schnauft er und wuchtet ein paar Ordner auf den Schreibtisch. Daneben stellt er ein klobiges Notebook, das die ein oder andere Schramme hat, und holt vier USB-Sticks hervor. Der Mann ist ständig unterwegs.
Er lässt sich in den Schreibtischstuhl fallen. „Eine Tasse Kaffee wäre gut“, sagt er zu der Sekretärin. Neben ihm hat Frank Heidmann Platz genommen. Er ist der Bauleiter für das neue Uni-Hauptgebäude, die rechte Hand von Fischer. „Machen Sie mir ‘nen Weißen“, sagt Heidmann und meint damit einen Kaffee mit viel Milch. Dann faltet er einen Plan auseinander. Der Grundriss des neuen Hauptgebäudes wird sichtbar.
Eine Baustelle mit vielen Problemen
Architekt und Bauleiter bereiten gemeinsam die Baustellenbegehung vor, die gleich ansteht. Die Dachdecker wollen, dass sich jemand ihre Arbeit anschaut, bevor es zur Endabnahme kommt. Danach soll es weiter zur Sichtung der übrigen Gebäudeteile gehen. Bauleiter Heidmann erläutert den aktuellen Stand und deutet immer wieder mit einem Stift auf die Problemzonen der Baustelle. Der Grundriss wird zum Lageplan für die künftigen Hindernisse: Der Haustechnikplaner schließt gerade sein Büro in Leipzig. Solange kein Ersatz gefunden ist, kommen auch die anderen Bauabschnitte nicht richtig weiter. Der Maler, der gerade den Zuschlag erhalten hat, ist insolvent gegangen. Nun muss der Auftrag neu ausgeschrieben werden.
Foto: Marcel Ruge
Mit kritischem Blick begutachtet Torsten Fischer den Bauzustand.
„Lassen Sie den Mist wegräumen“
Mit dem Baustellenfahrstuhl geht es in den fünften Stock. Auch hier sieht es nicht aus wie in den prunkvollen Entwürfen. Die Wände des Aufzugs sind provisorisch aus Holz, ebenso wie die meisten Treppen. Es ist noch viel zu tun. Oben auf dem Dach des Augusteums beginnt Fischer zusammen mit Bauleiter Heidmann und einem Mitarbeiter der Dachdeckerfirma den Rundgang. Immer wieder macht er Fotos und moniert jedes Detail. An den Fundamenten der riesigen Luftbefeuchter, die auf dem Dach stehen, hat sich schon Moos gebildet, weil das Wasser nicht richtig ablaufen kann. „Geht gar nicht“, grummelt Fischer. Es muss nachgebessert werden. Ein Bauarbeiter sagt, dass man manche Dinge eben erst hinterher bemerke. Fischer entgegnet trocken: „Sehen Sie es mir nach. Ich bin seit 20 Jahren auf Baustellen unterwegs und habe schon alle Ausreden gehört.“
Foto: Marcel Ruge
Immer mit dabei: die Kamera.
Die Baustelle ist Fischer wichtig, nicht die Politik
Zurück im Büro bespricht Fischer mit seinem Bauleiter die Ergebnisse der Baustellenbesichtigung. Dann geht es in die nächste Konferenz. Anders als beim Rundgang sind hier allerdings keine Medien erwünscht. „Wir stehen schon genug im Blickpunkt der Öffentlichkeit“, sagt Christine Hartmann vom Sächsischen Immobilien- und Baumanagement (SIB), das Bauherr auf dem Campus ist, und deutet auf die Tür. Fischer kann daran nichts ändern. Er weiß um die angespannte politische Situation und den Druck, der auf ihm lastet, möchte das nicht an sich heran lassen, sondern einfach nur seine Arbeit ordentlich machen. Er hätte nichts dagegen gehabt, wenn die Presse bei der Konferenz dabei gewesen wäre.
„Das Projekt ist von Beginn an keine leichte Aufgabe gewesen“, sagt Fischer. Durch die Insolvenz des Vorgängers seien viele Daten verloren gegangen. Einiges musste ganz neu gezeichnet, vieles überarbeitet werden. Sein Team in Leipzig besteht aus 15 Leuten und hat immer gut zu tun: Pläne anfertigen, Aufträge ausschreiben, den Bau überwachen. Fischer kommt meist nicht vor Mitternacht ins Bett. Morgens steht er sehr früh auf – und schließt aus, dass er mal verschlafen könnte. „Ich habe einen drei Jahre alten Sohn, da brauche ich keinen Wecker.“
Der Autor Marcel Ruge ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt der LVZ und des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig.