Campus-Reporter begleiten Leipziger Hochschulangehörige und wollen herausfinden, was an ihnen und an ihrem Tun besonders ist.
„Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite.
Claus Baderschneider
von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.
Tschüss, Prof!
– Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt.
Physiker Wolfgang Oehme
weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.
Foto: Marcel Ruge
Seit zehn Jahren ist Rainer Köhler Hausmeister im Studentenwohnheim an der Nürnberger Straße.
„Kommse rein, is warm hier“, grüßt Rainer Köhler herzlich, als er die Tür zu seinem Büro öffnet. Dahinter trifft man auf zehn Quadratmeter geordnete Gemütlichkeit. Eine Schreibmaschine steht im Regal, an der Wand hängen Bilder, die sonnige Berglandschaften zeigen und auf dem Schreibtisch liegen einige Dokumente. „Heute zieht eine neue Mieterin ein, die muss nur noch ihren Schlüssel bei mir abholen.“ Rainer Köhler, gerade 50 Jahre alt geworden, ist Hausmeister im Studentenwohnheim an der Nürnberger Straße. Für die Studenten ist es nur eine Zwischenstation – spätestens wenn sie fertig studiert haben, müssen sie ausziehen. Köhler dagegen bleibt. Auch wenn er nicht dort wohnt. Seit zehn Jahren kümmert er sich um alle kleinen und großen Probleme in der „Nürni“. Er selbst sagt, er sei die gute Seele für alles.
Er kennt fast alle im Wohnheim
Als das Wohnheim, das nur etwa einen Kilometer Fußweg von der Uni entfernt liegt, von 2002 bis 2004 saniert wurde, war Köhler fast jeden Tag dabei. Manchmal von vier Uhr morgens bis abends um elf. Die Farbe der Türrahmen, ein sattes Weinrot, war sein Vorschlag, ebenso wie die Installation von Feuerlöschern in den Zimmern. „Das Wohnheim ist ein bisschen wie mein eigenes Zuhause“, sagt er.
Rainer Köhler kennt jeden Winkel des sechsstöckigen Gebäudes, in dem rund 300 Studenten wohnen. Mehrmals am Tag macht er Kontrollgänge. Dann schaut er nach, ob die riesigen Lüftungsanlagen ordnungsgemäß funktionieren oder tauscht flackernde Glühbirnen in den Gängen aus. Wenn ihm ein Student begegnet, grüßt er mit einem Lächeln. Er kennt sie fast alle.
Bis zu 25 Aufträge am Tag
So altmodisch der Beruf des Hausmeisters auch klingen mag, Köhler ist auf dem neusten Stand. Der Computer im Büro ist die Schaltzentrale seiner Arbeit. Die meisten Bewohner schreiben ihm eine Mail, wenn sie seine Hilfe brauchen. Zwischen fünf und 25 Aufträge bekommt er so täglich in elektronischer Form. Wenn der Abfluss verstopft ist oder sich das Fenster nicht öffnen lässt, ist der gelernte Baufacharbeiter wenig später zur Stelle.
Der Ausdruck einer E-Mail liegt auf seinem Tisch. Eine Marie schreibt: „Sehr geehrter Herr Köhler, meine Lampe flackert schon wieder“. Köhler war schon da und hat sie repariert. Vertrauen, sagt er, sei das Wichtigste bei seiner Arbeit. Die Bewohner müssten das Gefühl haben, dass sie sich auf ihn verlassen können.
Von seinem Büro geht Köhler vorbei an der Tafel mit Aushängen der Studenten runter in die Katakomben des Gebäudekomplexes. Köhler ist wieder auf Kontrollgang. Ein langer Korridor verbindet die einzelnen Häuserabschnitte miteinander. Ein kleiner Fitness-Raum ist hier und ein Waschsalon. Am Anfang des Ganges steht eine Tischtennisplatte. Ein wenig verwaist sieht sie aus, doch Köhler sagt, dass die Studenten hier abends häufig zum spielen herunter kämen.
Ein paar Schritte weiter kommt man zu einer Tür, hinter der sich die Werkstatt von Rainer Köhler befindet. Hier erledigt er kleinere Reparaturen, kaputte Lüfter zum Beispiel. Im Raum nebenan stehen ein paar Kartons und Kisten, die eigentlich gar nicht hierhin gehören. „Das Wohnheim wurde schon immer gerne als Abstellkammer benutzt“, sagt Köhler. „Alles in die Nürni“, hieß es dann meist. Das werde sich wohl so schnell nicht ändern.
Ein Viertel Jahrhundert im Wohnheim
Und Rainer Köhler weiß, wovon er spricht. Seit fast 25 Jahren ist er Wohnheimhausmeister. Damit ist er wohl der Dienstälteste beim Leipziger Studentenwerk. Schon gegen Ende seiner Schulzeit hat er bei einem Wohnheim im Stadtteil Schönefeld ausgeholfen. Und später dort seine erste Hausmeisterstelle übernommen. Als das Wohnheim dann saniert wurde, hat Köhler die alten Möbel im Alleingang aus den Zimmern geholt und in Container geworfen.
Das würde er heute nicht mehr schaffen, sagt er und zeigt auf die Möbel in einem der Studentenzimmer. Die seien jetzt solider und schwerer als damals. „Ikea ist das jedenfalls nicht.“. Köhlers zweites Zuhause ist auf der Höhe der Zeit. Die Zimmer sehen hell und wohnlich aus. Die Heizungen regeln die Temperaturen automatisch, sogar die Jalousien fahren in einigen Zimmern herunter, sobald zu viel Sonne scheint.
Er will bei den Studenten bleiben
Bei der ganzen Technik kann der Hausmeister vieles nicht mehr alleine erledigen. Solche Aufträge gibt er dann an externe Firmen weiter. „Mittlerweile bin ich zu 50 Prozent Hausmeister und zu 50 Prozent für die Verwaltung zuständig.“ Doch auch das mache er gerne. Köhler ist zufrieden mit seinem Job. Man habe ihn sogar schon gefragt, ob er nicht Leiter für den Service-Bereich bei den Studentenwerken werden wolle. Doch dann hätte er nicht mehr so viel Kontakt zu den Bewohnern. Das sei ihm wichtiger. Darum habe er abgelehnt.
Köhler ist auf seinem Kontrollgang am Ende des unterirdischen Korridors angekommen. Er steigt die Stufen empor zum Hinterhof des Gebäudes. Hier steht eine Fahrradgarage. Eine Pflanze klettert an der Wand empor. "Damit das hier nicht so kahl aussieht", sagt Köhler. Die Blätter haben ein sattes Grün, bald sollen die Pflanzen orange Früchte tragen. Das passt zur „Nürni“, sagt Köhler. Natürlich hat er die Pflanze ausgesucht.
Der Autor Marcel Ruge ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt der LVZ und des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig.