Campus-Reporter begleiten Leipziger Hochschulangehörige und wollen herausfinden, was an ihnen und an ihrem Tun besonders ist.
„Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite.
Claus Baderschneider
von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.
Tschüss, Prof!
– Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt.
Physiker Wolfgang Oehme
weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.
Übergewicht ist nicht nur ein Problem des äußeren Aussehens. Zu viel Körperfett gefährdet auch die Gesundheit.
Die rote Lampe neben der Tür beginnt zu leuchten. „Bitte nicht stören“ steht darauf. Testperson Markus Schmidt* erwartet jetzt eine Reihe von psychologischen Tests. Der Mann sitzt in einem kargen Büro im Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI). Weiße Wände, grauer Teppich. Nun wird sein räumliches Kurzzeitgedächtnis überprüft. „Die Probanden müssen sich sehr konzentrieren“, erklärt Haiko Schlögl. Abwechselnd leuchten kleine, grüne Quadrate am Computer auf. Der Proband muss diese nun in der richtigen Reihenfolge anklicken. „Mit solchen Tests versuchen wir herauszufinden, ob Fettsucht bestimmte Funktionen des Gehirns negativ beeinflusst“, erklärt der Wissenschaftler.
Erst an den Tropf, danach in die Röhre
Foto: Claudia Schittelkopp
Internist Haiko Schlögl forscht am Max-Planck-Institut zur Fettleibigkeit.
Für Betroffene wie Markus Schmidt sind diese Untersuchungen auch ein Hoffnungsschimmer. Wie alt er ist, will er ebensowenig sagen, wie seinen richtigen Namen oder Details aus seiner Biografie. Insgesamt zwei Tage kommt er ins MPI, das die notwendigen Geräte für die Untersuchungen bereitstellt. Heute ist Sonntag. Er durfte 16 Stunden nichts essen und nur Wasser und Tee trinken. Zu Beginn des Tages bekam er eine Infusion über einen Tropf verabreicht. Darin enthalten ist entweder das Medikament oder ein Placebo. Weder Forscher noch Probanden wissen, an welchen Tagen sie tatsächlich das Medikament bekommen und an welchen Tagen nur ein Scheinmedikament verabreicht wird. Damit soll unbewusste Manipulation der Versuche oder bei der Datenauswertung ausgeschlossen werden.
30 Minuten Büfett für die Versuchspersonen
Heute kommen noch weitere Probanden aus anderen Versuchsreihen des Projektes. Die Wissenschaftler betreuen an solch einem Testwochenende immer mehrere Studien parallel. Schlögl macht sich erneut auf den Weg ins Erdgeschoss, wo bereits eine Probandin wartet. Sie ist auffallend schlank. „Wir suchen immer schlanke oder normalgewichtige Menschen, die an unseren Versuchen als Vergleichspersonen teilnehmen möchten.“ Dies sei wichtig für vergleichende Analysen mit Fettsüchtigen. Seit zwei Jahren arbeitet Schlögl bereits in Leipzig und hat sich auf Endokrinologie spezialisiert – sowohl im klinischen Alltag an der Universitätsklinik als auch in der Forschung am MPI.
Vorsicht vor dem großen Magneten
Foto: Max-Planck-Institut
Das Gehirn wird gescannt - so zeigt sich, was darin während der Studie geschieht.
Der Arbeitstag am Sonntag nimmt kein Ende
Das Büro in dem vorher die Versuchsperson gegessen hat, ist nun leer. Auf dem Teller liegen noch drei einsame Hackbällchen. Der Proband Markus Schmidt sei bereits nach Hause gegangen, erzählt ein Doktorand Schlögl. Er habe sich wohlgefühlt, es gab keinerlei Probleme. Währenddessen beginnt es draußen bereits zu dämmern. Den letzten Probanden erwartet Schlögel gegen 19 Uhr.
„Ich glaube, die Arbeitsbelastung ist teilweise höher als im Klinikbetrieb“, sagt der Mediziner, als er sich auf seinem Bürostuhl niederlässt. Zur Arbeit am Adipositas-Projekt, der Arbeit mit den Probanden sowie der Datenanalyse und Veröffentlichung kommen für ihn wöchentliche Team-Sitzungen, Vorträge und Bereitschaftsdienste im Uniklinikum hinzu. „Für mich ist gerade diese Kombination spannend. Nur in der Klinik zu arbeiten oder nur zu forschen, das könnte ich mir nicht vorstellen“, begründet Schlögl seinen straffen Arbeitsplan. Ein bisschen muss Haiko Schlögl noch durchhalten: „Wenn alles gut läuft, komm ich heute um halb acht hier heraus.“ Morgen Vormittag sitzt er wieder im Büro, um die Daten auszuwerten.
*Namen von der Autorin geändert.
Die Autorin Claudia Schittelkopp ist Mitglied der Lehrredaktion „Campus Online“, einem Gemeinschaftsprojekt von LVZ-Online und dem Studiengang Journalistik der Universität Leipzig.