21.05.2012 13:30 Uhr
 
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Ein Tag mit ...

 
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CAMPUS SPECIAL: LIEBLINGSPLÄTZE

 
Claus Baderschneider im Rosental „Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite. Claus Baderschneider von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.   
Weitere Lieblingsplätze der Studenten, Professoren und Mitarbeiter der Leipziger Hochschulen lernen Sie hier kennen.
 

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Tschüss, Prof! – Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt. Physiker Wolfgang Oehme weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.
 

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Ein Tag mit …

Forschen gegen Fettsucht

Übergewicht ist nicht nur ein Problem des äußeren Aussehens. Zu viel Körperfett gefährdet auch die Gesundheit.
Nicht nur das eigene Unwohlsein wächst beim Blick auf die Waage, denn Fettleibigkeit ist ein akutes Gesundheitsrisiko. Die Universität Leipzig und das Max-Planck-Institut suchen gemeinsam nach ihren Ursachen. Mit dabei ist auch Internist Haiko Schlögl. Campus hat ihm bei seiner Arbeit einen Tag lang über die Schulter geschaut.

Die rote Lampe neben der Tür beginnt zu leuchten. „Bitte nicht stören“ steht darauf. Testperson Markus Schmidt* erwartet jetzt eine Reihe von psychologischen Tests. Der Mann sitzt in einem kargen Büro im Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI). Weiße Wände, grauer Teppich. Nun wird sein räumliches Kurzzeitgedächtnis überprüft. „Die Probanden müssen sich sehr konzentrieren“, erklärt Haiko Schlögl. Abwechselnd leuchten kleine, grüne Quadrate am Computer auf. Der Proband muss diese nun in der richtigen Reihenfolge anklicken. „Mit solchen Tests versuchen wir herauszufinden, ob Fettsucht bestimmte Funktionen des Gehirns negativ beeinflusst“, erklärt der Wissenschaftler.

Erst an den Tropf, danach in die Röhre

Internist Haiko Schlögl forscht am Max-Planck-Institut zur Fettleibigkeit.   Foto: Claudia Schittelkopp Internist Haiko Schlögl forscht am Max-Planck-Institut zur Fettleibigkeit.
Haiko Schlögl will der Fettsucht, im Fachjargon Adipositas, wissenschaftlich zu Leibe rücken. Auf vier Jahre ist die Studienreihe angelegt, heute geht es um ein neues Medikament. 20 Menschen soll ein Diabetes-Mittel verabreicht und ihr Gehirn im Magnetresonanztomografen (MRT) gescannt werden. Sie bekommen über einen Bildschirm im MRT Bilder von Lebensmitteln gezeigt und müssen deren Appetitlichkeit bewerten. Dabei wird ihre Gehirnfunktion untersucht.

Für Betroffene wie Markus Schmidt sind diese Untersuchungen auch ein Hoffnungsschimmer. Wie alt er ist, will er ebensowenig sagen, wie seinen richtigen Namen oder Details aus seiner Biografie. Insgesamt zwei Tage kommt er ins MPI, das die notwendigen Geräte für die Untersuchungen bereitstellt. Heute ist Sonntag. Er durfte 16 Stunden nichts essen und nur Wasser und Tee trinken. Zu Beginn des Tages bekam er eine Infusion über einen Tropf verabreicht. Darin enthalten ist entweder das Medikament oder ein Placebo. Weder Forscher noch Probanden wissen, an welchen Tagen sie tatsächlich das Medikament bekommen und an welchen Tagen nur ein Scheinmedikament verabreicht wird. Damit soll unbewusste Manipulation der Versuche oder bei der Datenauswertung ausgeschlossen werden.

30 Minuten Büfett für die Versuchspersonen

Kekse sind Teil des verlockenden Angebots für die Probanten.   Foto: Claudia Schittelkopp Kekse sind Teil des verlockenden Angebots für die Probanten.
Seit vier Stunden ist der Proband bereits im MPI, dann endlich die Aussicht auf etwas zu Essen. Gemeinsam mit Schlögl steigt er von der MRT-Untersuchung im Erdgeschoss in den zweiten Stock zur Neuropsychologie hinauf und wird in ein karges Büro geführt: weiße Wände, grauer Teppich, graue Stühle. Dutzende Schweißperlen stehen auf der Stirn des Übergewichtigen, als er sich auf den Stuhl fallen lässt. Auf einem kleinen weißen Teller liegen Butterkekse, auf einem weiteren wurden kleine, braune Hackbällchen drapiert. Daneben liegen Gummibärchen, Bananen sowie gekochte Eier und Wurstschnittchen. Eine Medizinstudentin trägt zwei weitere Teller mit Käsebroten in den Raum. Schmidt betrachtet das Büfett auf dem Schreibtisch. In der nächsten halben Stunde darf er soviel essen, wie er möchte. Dann wird von den Wissenschaftlern ausgewertet, wie viel und welche Speisen die Testperson gegessen hat und wie viele Kalorien sie zu sich genommen hat – unter Berücksichtigung des verabreichten Medikaments oder des Placebos. So wollen Schlögl und sein Team herausfinden, ob das Medikament den Hunger in irgendeiner Weise beeinflusst.

Heute kommen noch weitere Probanden aus anderen Versuchsreihen des Projektes. Die Wissenschaftler betreuen an solch einem Testwochenende immer mehrere Studien parallel. Schlögl macht sich erneut auf den Weg ins Erdgeschoss, wo bereits eine Probandin wartet. Sie ist auffallend schlank.  „Wir suchen immer schlanke oder normalgewichtige Menschen, die an unseren Versuchen als Vergleichspersonen teilnehmen möchten.“ Dies sei wichtig für vergleichende Analysen mit Fettsüchtigen. Seit zwei Jahren arbeitet Schlögl bereits in Leipzig und hat sich auf  Endokrinologie spezialisiert – sowohl im klinischen Alltag an der Universitätsklinik als auch in der Forschung am MPI.

Vorsicht vor dem großen Magneten

Die Probanten werden im Magnetresonanztomografen untersucht.   Foto: Claudia Schittelkopp Die Probanten werden im Magnetresonanztomografen untersucht.
„Sind alle Taschen leer?“, fragt der Arzt, bevor er den Raum des MRT-Gerätes betritt. Seine Kollegin ist bereits vorgegangen. „Der Griff in die Tasche ist bei uns Routine, damit da auch wirklich nichts mehr drin ist.“ Handys, Schlüssel oder auch Haarklammern  – der Tomograph hat so einen starken Magneten, dass alle magnetischen Gegenstände sofort von ihm angezogen würden. Eine Frau mittleren Alters liegt bereits auf der Liege, nur ihre bordeauxroten Socken sind noch zu sehen. Schlögls Kollegin beginnt die Untersuchung. „Wir fangen jetzt an“, sagt sie ins Mikrofon. Die riesige weiße Röhre beginnt ihre Arbeit. Ganz leise fährt die Liege die Probandin in die Röhre. Vom Vorraum aus lassen sich das MRT und die Probandin beobachten. An der Wand hängt ein CD-Regal, bestückt von Volksmusik bis HipHop, als Ablenkung für die Patienten. „Doch bei mir gibt es im MRT keine Musik“, scherzt Schlögls Kollegin.

Das Gehirn wird gescannt - so zeigt sich, was darin während der Studie geschieht.   Foto: Max-Planck-Institut Das Gehirn wird gescannt - so zeigt sich, was darin während der Studie geschieht.
Alle zwei Sekunden durchleuchtet das MRT-Gerät das menschliche Gehirn einmal komplett und spielt die Bilder auf den Rechner. Nach und nach erscheinen die schwarz-weißen Bilder des Gehirns. Blutgefäße, die Schädelumrisse aber auch die Augen sind deutlich zu erkennen. Etwa 30 Minuten liegt die Frau in der Röhre. „Da haben wir eine Menge Daten auszuwerten“, sagt er. Hier kann er nicht mehr helfen und steigt wieder die Treppen zu seinem Büro und den Testräumen der Neuropsychologie hinauf.

Der Arbeitstag am Sonntag nimmt kein Ende

Das Büro in dem vorher die Versuchsperson gegessen hat, ist nun leer. Auf dem Teller liegen noch drei einsame Hackbällchen. Der Proband Markus Schmidt sei bereits nach Hause gegangen, erzählt ein Doktorand Schlögl. Er habe sich wohlgefühlt, es gab keinerlei Probleme. Währenddessen beginnt es draußen bereits zu dämmern. Den letzten Probanden erwartet Schlögel gegen 19 Uhr.

„Ich glaube, die Arbeitsbelastung ist teilweise höher als im Klinikbetrieb“, sagt der Mediziner, als er sich auf seinem Bürostuhl niederlässt. Zur Arbeit am Adipositas-Projekt, der Arbeit mit den Probanden sowie der Datenanalyse und Veröffentlichung kommen für ihn wöchentliche Team-Sitzungen, Vorträge und Bereitschaftsdienste im Uniklinikum hinzu. „Für mich ist gerade diese Kombination spannend. Nur in der Klinik zu arbeiten oder nur zu forschen, das könnte ich mir nicht vorstellen“, begründet Schlögl seinen straffen Arbeitsplan. Ein bisschen muss Haiko Schlögl noch durchhalten: „Wenn alles gut läuft, komm ich heute um halb acht hier heraus.“ Morgen Vormittag sitzt er wieder im Büro, um die Daten auszuwerten.

*Namen von der Autorin geändert.

Die Autorin Claudia Schittelkopp ist Mitglied der Lehrredaktion „Campus Online“, einem Gemeinschaftsprojekt von LVZ-Online und dem Studiengang Journalistik der Universität Leipzig.

 
 
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