Campus-Reporter begleiten Leipziger Hochschulangehörige und wollen herausfinden, was an ihnen und an ihrem Tun besonders ist.
„Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite.
Claus Baderschneider
von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.
Tschüss, Prof!
– Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt.
Physiker Wolfgang Oehme
weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.Die Küche in der Dachgeschosswohnung ist schmal. Wenn alle sitzen, kann niemand mehr zwischen Küchenzeile und Tisch durchgehen. Die Wände sind hellgelb gestrichen und aus dem Radio tönt Musik. Lena sitzt in ihrem hohen Kinderstuhl, wartet aufs Frühstück. Ihre Mutter Judith holt aus dem Schrank zwei Glasdosen mit Müsli und stellt sie auf den Tisch. „Was willst du essen?“, fragt die große Studentin mit den blonden, schulterlangen Haaren ihre Tochter. „Papas Müsli“, ruft diese sofort zurück und meint die Schokoflocken, die ihr Vater so gerne mag.
„Und was willst du heute Abend in die Mathe-Vorlesung zum Spielen mitnehmen?“ fragt Judith weiter. Ihre kleine Tochter mit den hellblonden kurzen Haaren und den Ohrringen klettert auf ihren Schoß. „Ein Puzzle ... und Aufkleber.“ Lena grinst. Und Judith sagt beim Abräumen: „Meine Vorlesungen liegen oft abends um 17 Uhr. Da hat die Kindertagesstätte schon zu und ich muss Lena mit in die Veranstaltung nehmen. Die Uni nimmt da keine Rücksicht drauf. Richtig aufpassen und mitschreiben kann ich auch nicht, wenn Lena mitkommt. Wenn sie dann quengelt und nach Hause will, gehen wir auch schon früher.“
Vor der Vorlesung in die Kita
Der Tag heute ist anders als andere Dienstage. Eigentlich kommt dann immer Judiths Mutter aus Magdeburg und kümmert sich um Lena. „Da gehe ich alleine zur Uni. Aber wenn die Oma dann wie heute mal nicht da ist, müssen wir uns anders organisieren“, sagt die 23-Jährige. Mutter und Tochter gehen Hand in Hand die Treppe hinunter. Judith schiebt ihr schwarzes Mountainbike auf den Bürgersteig, setzt ihre Tochter in den Kindersitz. Auf dem Weg zur Kita fängt es an zu regnen. Judith fährt schneller.
Judith rast nach Hause, kommt klitschnass an und zieht sich erst einmal um. Mit dem Auto geht es zur Talstraße, zu einer Mikrobiologie-Vorlesung, die um viertel nach acht beginnt. Judith ist im sechsten Semester, später will sie am Gymnasium unterrichten. „Dieses Semester ist eigentlich relativ entspannt. Ich hab nur 15 Wochenstunden.“ Im letzten Semester hatte sie mehr als doppelt so viele. „Ohne meine Kommilitonen, die für mich oft mitgeschrieben haben, hätte ich das nicht geschafft. Ohne Unterstützung ist es einfach nicht möglich, Kind und Studium zu vereinbaren.“
Die Tagesplanung ändert sich
Nach der Vorlesung geht Judith arbeiten. Sie pflegt die Homepage für die Biologiedidaktik. Dann, um halb zwei, kommt sie wieder zu Hause an. Schon als sie den Schlüssel im Türschloss umdreht und ihren Mann im Wohnzimmer hört, ist ihr klar: „Da ist was mit Lena. Ihr ging es heute Nacht schon nicht so gut.“
Das Mädchen liegt mit einem Magen-Darm-Infekt im Bett und schläft. Der Vater ist von der Arbeit direkt zur Kita gefahren – eine Ausnahme. Sonst muss Judith einspringen, wenn ihre Tochter krank ist und abgeholt werden muss. „Das Schwierigste am Studieren mit Kind sind ungeplante Zwischenfälle. Die werfen aus dem Konzept. Besonders ungünstig ist es, wenn Lena gerade in der Prüfungszeit krank wird, so wie jetzt“, sagt sie.
Das Kind ist wichtiger als das Studium
Nachdem ihre Tochter aufgewacht ist, fährt Judith mit ihr zum Arzt. Kindergeschrei tönt ihnen dort entgegen. „Eine Stunde wird es wohl dauern, bis Sie dran sind“, meint die Sprechstundenhilfe. Judith und Lena gehen ins rappelvolle Wartezimmer, setzen sich. Lena holt Stelzen aus der Spielecke und läuft damit herum. Judith kramt ihre Lernkarten für die Matheklausur aus dem Stoffbeutel. Immer wieder schaut sie auf, guckt, was Lena macht. Richtig konzentrieren kann sie sich nicht. „Etwas neu zu lernen geht nicht, wenn ich mit Lena zusammen bin, höchstens Wissen festigen.“
Zu Hause hat der Vater den Tisch schon gedeckt. Nach dem Essen bringt er Lena ins Bett. Die Zeit nutzt Judith wieder zum Lernen und sagt: „Obwohl es manchmal stressig ist, Kind und Studium unter einen Hut zu bringen, bin ich glücklich.“
Christine Berg ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt der LVZ und des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig.