„Wo die Hochschule glücklich ist“ heißt seit Jahren eine Rubrik auf der LVZ-Campus-Seite.
Claus Baderschneider
von der Hochschule für Telekommunikation ist am liebsten im Rosental - zusammen mit seinen Söhnen.
Tschüss, Prof!
– Professor im Ruhestand - das heißt: kein Verwaltungskram mehr, keine Lehrverpflichtungen, keine Prüfungen. Aber kann ein Wissenschaftler einfach so mit dem Forschen aufhören? Campus hat bei einigen nachgefragt.
Physiker Wolfgang Oehme
weiß schon jetzt, was er besonders vermissen wird: Die Arbeit mit künftigen Physiklehrern und Schülern - und seine Experimentierkästen.„Dampflokomotiven faszinieren mich bis heute, als Kind wollte ich Eisenbahner werden“, blickt Reinhard Kirmse zurück. „Mein Vater hätte es gern gesehen, dass ich Dreher werde – so wie er.“ Doch auch daraus wurde nichts: Mit 18 begann Kirmse 1965 in Leipzig sein Chemiestudium. „Ich hatte nur in Naturwissenschaften eine Eins, in anderen Fächern ging es nach unten – und wenn ich an Latein denke, das war sogar kritisch“, erinnert er sich. Sinnloses Vokabellernen sei das gewesen. „Diesen Speicherplatz habe ich nun für andere Dinge frei.“ 1970 erhielt er sein Diplom. Zwei Jahre später war Kirmse bereits promovierter Chemiker.
Ohne Butter in Kasan
Dazwischen das Tagesgeschäft, mit zahlreichen Anekdoten gewürzt. „Chemie ist dadurch charakterisiert, dass bei weitem nicht immer alles so geht, wie man es sich vorstellt“, sagt Kirmse. „Das ist schön und macht es immer spannend.“ Ähnlich aufregend war die Beschaffung von Chemikalien für Forschungsvorhaben, denn einige Substanzen waren in der DDR nicht zu bekommen. „Da war es gut, wenn einer ins Ausland musste. Und der musste dann sehen, dass er das Zeug irgendwie hierher bekommen hat“, blickt Kirmse zurück.
Übernachten im Chemiekalienlager
„Kurios“, sagt Kirmse nur über seine Erlebnisse im Jahr 1989. Am 7. Oktober, dem 40. Jahrestag der DDR, kam er im Zug aus Nimwegen zurück. In Berlin feierte die SED, während auf den Straßen Demonstranten Reformen forderten. Den Leipziger Bahnhof konnte er gar nicht verlassen: Überall standen Polizisten in Kampfmontur, die auf die Protestierer losgingen. „Ich musste warten, bis es vorbei war, und durfte erst dann nach Hause.“ Später bekam er Order, in der Fakultät in der Liebigstraße zu bleiben, „möglichst sogar dort zu schlafen.“ Warum? „Verhindern, dass sich Demonstranten an unseren Chemikalien bedienen konnten.“
Nach dem Untergang der DDR warteten Herausforderungen: Die „sehr systemnahen Mitarbeiter“, wie es Kirmse ausdrückt, mussten gehen. Bei allen herrschte Ungewissheit, das Personal musste sich auf die nun bundesweit ausgeschriebenen Stellen bewerben. „Viele Gruppen, die gut zusammen gearbeitet haben, sind auseinander gegangen“, sagt Kirmse – weil viele eine Arbeit in der freien Wirtschaft der ungewissen Zukunft an der Universität vorzogen. Für Kirmse bedeutete seine Berufung zum Professor 1992 ein Stück Zukunftssicherheit. „Als ich den großen Brief aus Dresden bekommen habe, habe ich ihn drei Wochen lang nicht aufgemacht, weil ich dachte, es könnte die Entlassung sein. Bis mir von anderer Seite gesteckt wurde, dass das nicht so ist.“
Guter Kontakt zu Studenten und Doktoranden