24.05.2013 13:58 Uhr
 
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Foto: Privat Damals an der Hochschule: In lockerer Folge stellen wir in dieser Rubrik Persönlichkeiten vor, deren Karriere in Leipzig begann.
Schriftsteller und Schamane Galsan Tschinag kam kurz nach dem Mauerbau aus der Mongolei nach Leipzig und studierte von 1962-1968 Germanistik an der Universität Leipzig Mehr Erinnerungen an die Studienzeiten Prominenter gibt es hier .
 
 

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Mit gutem Gewissen Krimis lesen – Anglistik-Professor Clausdirk Pollner verlässt die Uni

Schätzt das Leipziger Anglistik-Institut: Professor Clausdirk Pollner   Foto: Stefan Lehmann Schätzt das Anglistik-Institut: Professor Clausdirk Pollner.
Nach 18 Jahren an der Universität Leipzig hat sich Anglistik-Professor Clausdirk Pollner offiziell vom Lehrbetrieb verabschiedet. Seinem Ruhestand sieht er eher weinenden Auges entgegen. Denn das Anglistik-Institut in Leipzig hat er zu schätzen gelernt, das gute Arbeitsklima genossen. Mit Campus Online blickt er zurück auf seine Zeit als Professor an der Universität Leipzig und spricht über seine Pläne.

Bevor er 1993 nach Leipzig kam, hatte der heute 65-jährige Pollner als Gastprofessor in Wien und im italienischen Trento gelehrt und geforscht. Nach einem weiteren Lehrauftrag in Osnabrück, ging es für ihn in die Pleißestadt, wo er die Linguistik-Professur am Institut für Anglistik übernahm. „Damals war das die einzige deutsche Professur mit der Beschreibung Varietäten des Englischen“, erzählt Pollner, „und vielleicht ist sie das immer noch.“ Rund 18 Jahre lehrte und forschte der Anglist und Germanist an der Universität. In seinen Seminaren und Vorlesungen behandelte er fast alle nationalen Dialekte der englischen Sprache, wie er stolz erzählt: vom schottischen und kanadischen bis hin zum australischen Englisch. „Es geht dabei nicht darum, diese verschiedenen Varietäten sprechen zu können“, erklärt Pollner. Seine Studenten sollten aber wissen, woran man die Dialekttypen erkennt – und auch etwas über die Geschichte der Sprache lernen.

Während seiner Zeit in Leipzig hat der gebürtige Gießener die Universität schätzen gelernt. Vor allem die Atmosphäre am Institut lobt er in den höchsten Tönen. „Ich war an sieben Anglistik-Instituten; das hier ist mit Abstand das angenehmste und netteste. Es gibt hier eine große Kooperation, ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis und große Hilfsbereitschaft.“ Das sei nicht selbstverständlich, und auch die Studenten wüssten diese Atmosphäre zu schätzen. Gerade deshalb vermisst Pollner seine Kollegen und Studenten schon jetzt. Und das, obwohl er mit dem Lehren noch nicht vollständig aufgehört hat. Denn die Universität hat noch keinen Nachfolger für seine Professur benannt. Deshalb darf der Anglistik-Professor mit dem weißen Vollbart und der silbernen Brille auch im Sommersemester noch ein Blockseminar über Amerikanisches Englisch geben. „Vielleicht kommt sogar ein weiteres Blockseminar im Wintersemester. Das hängt davon ab, ob meine Stelle bis dahin wieder besetzt ist.“ Dass er über die Pensionsgrenze hinaus an der Uni bleibt, macht ihm nichts aus. Im Gegenteil. „So ist der Abschied etwas einfacher.“

Auch wenn Pollner vieles vermissen wird, über die gewonnene Zeit freut er sich. „Früher hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich während des Semesters zu meiner eigenen Unterhaltung gelesen habe.“ Jetzt sei das kein Problem mehr. Zur Zeit schmökert er im Krimi „When will there be good news“ von Kate Atkinson. Überhaupt bedeute der Ruhestand mehr Freiheit. Er könne nun zum Beispiel zu jeder Jahreszeit verreisen. „Ich war gerade eben in London. Da bin ich im Frühling noch nie gewesen, weil ich in dieser Zeit normalerweise immer unterrichtet habe“, sagt er und lächelt. Das nächste Reiseziel heißt Edinburgh, seit 1969 besucht er die schottische Stadt jährlich und übernachtet bei einem guten Freund.

Und auch die Forschung lässt den gestandenen Wissenschaftler nicht ganz los. „Ich brauche ja kein Labor. Und meine Bücher kann ich auch zu Hause lesen.“ Aber jetzt könne er sich den Themen widmen, die ihn persönlich interessieren, ohne dass dabei am Ende ein Buch oder wissenschaftlicher Artikel herauskommen müsse. Sein aktuelles Lieblingsthema ist der schottische Dialekt Scots. „Das Scots hatte lange Zeit einen ganz üblen sozialen Status in Schottland. Inzwischen ändert sich das – jetzt werden beispielsweise Kinderbücher in diesen Dialekt übersetzt“, sagt Pollner. Schon in diesem Sommer fährt er auf eine Konferenz ins italienische Padua und stellt seine bisherigen Forschungsergebnisse vor. Dass er danach wieder nach Leipzig zurückkehren wird, steht für ihn fest. Seine Wohnung hier behält er jedenfalls: Er pendelt weiterhin zwischen seinen beiden Wohnorten Aachen und Leipzig, der längsten Station in Clausdirk Pollners beruflicher Laufbahn.

Der Autor Stefan Lehmann ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.

 
 
 
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