Zwischenruf
Die Steindorff-Sammlung muss bleiben
Stefanie Dietz
Foto: Andreas Lamm
Campus-Redakteurin Stefanie Dietz kommentiert
Nach dem verlorenen Rechtsstreit um die Steindorff-Sammlung des
Ägyptischen Museums der Universität Leipzig soll es Ende des Monats neue
Gespräche zwischen Uni-Vertretern und der Jewish Claims Conference
(JCC) geben. Somit gibt es neue Hoffnung im Kampf um die Sammlung. Fair
wäre es, sie der Universität zu belassen. Da, wo sie hingehört.
Fair ging es zu Zeiten des NS-Regimes mit Sicherheit nicht zu. Doch allein die Tatsache, dass Georg Steindorff aus dem Ägyptischen Museum das gemacht hat, was es heute ist, bezeugt, dass es quasi sein Baby ist. Es ist sein Werk und trägt heute sogar offiziell seinen Namen. Wüsste Steindorff, was für ein Streit momentan um seine Privatsammlung herrscht, er würde sich im Grabe umdrehen. Sein Wille wäre es, dass sie dem Museum erhalten bleibt. Der Enkel des Archäologen, Thomas Hemer, hat dies sogar beim Prozess bekräftigt.
Doch das zählte nicht. Die JCC wollte beweisen, dass die NS-Diktatur Einfluss auf den Verkauf hatte und hat vor Gericht Recht bekommen. Natürlich gab es einen Einfluss. Ohne die Nazis hätte Steindorff vielleicht '37 nicht verkauft. Vielleicht hätte er nie verkauft, vielleicht aber auch zu einem späteren Zeitpunkt - oder er hätte die Sammlung dem Museum ganz und gar geschenkt. Hätte, wäre, wenn - das alles bleibt Spekulation. Juristisch hat die JCC Recht erhalten, doch jetzt muss eine Entscheidung getroffen werden. Die bevorstehenden Gespräche bereiten Hoffnung auf eine gütliche Einigung jenseits der Justiz. Damit „das Gesamtkunstwerk Steindorff-Sammlung“ zu Hause bleibt. Dort, wo es die Geschichte des Museums geprägt hat und noch heute für die Lehre unentbehrlich ist – in Leipzig.
Die Autorin Stefanie Dietz ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem
Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität
Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 17.06.2011, 20:11 Uhr