Zwischenruf
Eine Frage der Wortwahl
Julia Reinard
Foto: Andreas Lamm
Julia Reinard kommentiert
Für die Ehre - heißt: nicht gegen Lohn oder Belohnung. In Deutschland engagiert sich mehr als jeder Dritte laut Freiwilligensurvey 2009 des Bundesfamilienministeriums in einem Verein oder einem sozialen Projekt. Die meisten Ehrenamtlichen arbeiten im Sport, aber ein Großteil ist auch im sozialen Bereich tätig.
Wenn nun an der Universität Leipzig „Service Learning" - am besten übersetzt als „ehrenamtliches Engagement" - unterrichtet wird, klingt das zunächst befremdlich. Denn dadurch wird aus der Arbeit ohne Gegenleistung plötzlich, wenn nicht bezahlte, so doch entlohnte: Die Studenten engagieren sich, um gute Noten zu erhalten.
Eine andere Übersetzung würde einen Teil der Irritation nehmen: statt Ehrenamt könnte man auch von „sozialem Engagement" sprechen. Diese Bezeichnung macht deutlich: Es geht um Arbeiten im sozialen Bereich, bei denen Sport nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die Arbeit wird betont, nicht der Ehrenamtspart.
Dass Engagment allein nicht genügt, zeigen die vielen entstehenden und wieder verschwindenden Vereine. Denen fehlt es oft an Organisation, an Öffentlichkeit, an den richtigen Ansprechpartnern. Wie man ein Projekt anstößt und all diese Punkte beachtet, das lernen die Studenten im Modul „Service Learning". Und wenn ein Drittel von ihnen sich nach Seminarende und erhaltener Note weiterhin engagiert - dann tatsächlich im Ehrenamt.
So kommt das Seminar allen zugute: Den Vereinen, weil sie wissenschaftlich begleitet unterstützt werden, den Studierenden, weil sie einmalige Erfahrungen sammeln und der Uni schließlich, weil sie mit ihrer Arbeit am städtischen Leben teilnimmt.
Die Autorin Julia Reinard ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 22.07.2011, 23:07 Uhr