Zwischenruf
Im Osten nichts Neues: Phantasielose Sparpolitik statt Personalreform
Clemens Haug
Foto: Andreas Lamm
Campus-Redakteur Clemens Haug kommentiert
Man darf das Modell der Juniorprofessur in Leipzig als so gut wie gescheitert betrachten. Der Freistaat Sachsen hat die Fördergelder des Bundes abgegriffen und darüber hinaus nichts investiert. Wer sich als Juniorprofessor auf den Weg in eine akademische Karriere gemacht und eine ordentliche Professur angestrebt hat, steht nun mit leeren Händen da.
Schon seit Beginn des neuen Jahrtausends stehe die Universität Leipzig unter permanentem Sparzwang, sagen die Verantwortlichen für das akademische Personal. Das mache die Schaffung neuer Stellen so gut wie unmöglich. Damit scheitert auch die im Modell Juniorprofessur vorgesehene Beförderung nach einer Zeit der Bewährung - ein katastrophales Signal.
Wieder einmal werden junge Wissenschaftler verprellt. Kein Einzelfall, bereits im vergangenen Sommer berichtete Campus über die Abwanderung junger, gut ausgebildeter Fachkräfte aus der Medizinischen Fakultät. Junge Ärzte gehen, weil sie in Leipzig keine sichere Jobperspektive haben. Die Staatsregierung hat außer der Vorgabe, dass die sächsischen Hochschulen drastisch Personal kürzen müssen, nichts anzubieten. Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer hat sich bislang nicht mit einem schlüssigen Konzept, wie Sachsens Hochschullandschaft fit für die Zukunft gemacht werden kann, hervorgetan. Damit würgt sie jede Modernisierung des akademischen Betriebs ab, denn die Hochschulen verfallen angesichts drohenden Stellenabbaus in eine Starre.
Dabei hätte das Modell Juniorprofessur durchaus seinen Reiz. Statt Nachwuchswissenschaftler durch den Zwang zur Habilitation jahrelang an ein Projekt zu binden, sollten sie als Juniorprofessor von Beginn an in universitäre Forschung und Lehre eingebunden sein. Sie hätten dann auch eher die Möglichkeit gehabt, schon von Beginn ihrer Karriere an regelmäßig auf Veröffentlichungen in international anerkannten wissenschaftlichen Fachzeitschriften hinzuarbeiten. Denn das gilt in der scientific community als Messlatte. Doch stattdessen werden die Juniorprofessoren wie Stiefkinder behandelt. Ein Trauerspiel.
Der Autor Clemens Haug ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 17.02.2011, 17:12 Uhr