Zwischenruf
Längeres Studieren kann auch nützlich sein
Stefan Lehmann
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Stefan Lehmann kommentiert
Langzeitstudent, das Wort hat etwas von Müßiggang oder fehlender Organisation. Die Gründe für eine ungeplante Verlängerung der Studienzeit können mannigfaltig sein: stressige Nebenjobs zur Finanzierung des akademischen Werdegangs, keine Krippenplätze für die Kinder oder Krankheit können den geordneten Studienablaufplan gehörig durcheinander bringen. So kommt man dann schnell über die Regelstudienzeit.
Aber auch ohne diese triftigen Gründe kann es sinnvoll sein, länger zu studieren. Schließlich geht es an der Hochschule nicht nur um den fachbezogenen Wissensgewinn. Mindestens genauso wichtig ist doch der Beitrag des Studiums zur persönlichen Weiterentwicklung. Personalchefs sprechen gerne von Soft Skills. Dazu gehört es eben auch, sich auszuprobieren. Das beginnt bei Wahlmodulen fern des eigenen Kernfachs und endet bei einem zweiten, ergänzenden Studium. Für diese Art von Erfahrungsgewinn taugt kein Zeitkorsett.
Nur allzu unentschlossen sollte man das Studium nicht angehen. Hinter jedem noch so verschlungenen Pfad durch die Hochschullandschaft sollte ein Ziel stehen. Irgendwann muss jeder einmal zum Ende finden, um nicht als Bummelstudent verschrien zu sein. So wie ein gewisser Freiherr Meinhard von Seckendorff. Er studierte dem Vernehmen nach ganze 90 Semester - bis er pleite war. Dagegen sind selbst die schlimmsten Leipziger Langzeitstudenten mit ihren 30 Semestern regelrecht vorbildlich.
Der Autor Stefan Lehmann ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 19.08.2011, 14:18 Uhr