Zwischenruf
Nebenverdiener bereichern die Hochschulen – wenn sie sich an die Spielregeln halten
Silvia Perdoni
Foto: Andreas Lamm
Silvia Perdoni kommentiert
„Offiziell geben 16 Prozent aller Professoren eine Nebentätigkeit an", zitierte die Financial Times Deutschland jüngst Wirtschaftsprofessor Uwe Kamenz von der FH Dortmund. Kamenz schätzt die Dunkelziffer jedoch dreimal so hoch. Denn viele Professoren verheimlichten ihre Nebenjobs oder hängen sie zumindest nicht an die große Glocke, so die Quintessenz seines 2007 veröffentlichten Buches „Professor Untat".
Hat ein Professor einen weiteren Arbeitgeber als die Hochschule, keimen schnell Fragen nach der Unabhängigkeit des Wissenschaftlers von der Wirtschaft auf oder es wird landläufig Geldgier unterstellt.
Hier geschieht den Professoren unrecht. Gut möglich, dass beispielsweise ein privates Beratungsunternehmen mehr zahlt als eine staatliche Hochschule. Aber ist Geldverdienen nicht ein legitimer Wunsch? Auch ich freue mich, wenn der Guthabenbetrag auf meinem Konto am Ende des Monats möglichst hoch ausfällt. Professoren haben das Know-How, um kompetente Beratung zu leisten.
Lassen wir sie!
Solange die zulässigen acht Wochenarbeitsstunden außerhalb der Hochschule nicht überschritten werden. Sonst würden die adäquate Betreuung der Studenten, Forschung und Lehre leiden. Solange eine Vorlesung keiner Werbekampagne gleicht, in der bei jeder Gelegenheit auf das entsprechende Unternehmen verwiesen wird. Dies würde den neutralen Standpunkt des Professors zunichte machen und die Studenten manipulieren. Solange keine Universitätsgelder privaten Betrieben zugeschanzt werden. Dies wäre schlicht rechtswidrig.
Hält sich ein Professor jedoch an die Spielregeln, birgt sein Nebenjob Potenzial für die Studenten: Praxisbeispiele und branchenspezifische Details sind eine gute Vorbereitung auf das Arbeitsleben. Pauschale Unterstellungen gehören verworfen, stattdessen sollten Professoren offen mit ihren Nebenjobs umgehen können. Denn neben einigen schwarzen Schafen gibt es viele Professoren, die zwei (!) wirklich gute Jobs machen.
Die Autorin Silvia Perdoni ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem
Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität
Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 10.08.2011, 15:51 Uhr