Zwischenruf
Verschnaufpause nutzen
Jonas Wissner
Foto: Andreas Lamm
Jonas Wissner kommentiert
Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Sagt das Grundgesetz. Zudem genießen die meisten Professoren Beamtenstatus, was sie im Hochschulbetrieb nahezu unantastbar macht. Wie gut sie ihren Job ausüben, spielt dabei kaum eine Rolle, wie sich an der Hochschule für Musik und Theater (HMT) zeigt.
Dass die Studenten fast ausnahmslos zu Lehrbeauftragten gewechselt sind, ist ein klares Votum. Trotzdem bleiben die betroffenen Professorinnen in Amt und Würden bei laufenden Bezügen. Mehr Leistungsorientierung im Beamtenrecht hätte der HMT Kosten erspart.
Der Musicalnachwuchs kann sich indes ans Revers heften, (vorläufig) erfolgreich für mehr Fachkompetenz in der Gesangsausbildung gestritten zu haben. Manches spricht dafür, dass es auch ein Happy End für die Ausbildung gibt. Zwar liegen die Musical- Bewerberzahlen hinter jenen anderer HMT-Studiengänge, aber die Fachrichtung ist, von Berlin abgesehen, einzigartig im Osten.
Der einjährige Aufnahmestopp muss genutzt werden, um Strukturen zu hinterfragen. Aber bitte ohne Rotstift, gerade jetzt, da sich Studienklima und Qualität der Gesangsausbildung verbessert haben. Von der Verschnaufpause könnten sogar die verschmähten Professorinnen profitieren: Indem sie sich weiterbilden. Eine Chance, die sie als Lehrbeauftragte nicht hätten.
Der Autor Jonas Wissner ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 03.08.2011, 14:27 Uhr