Zwischenruf
Wenn firmenfinanziert, dann bitte transparent
Britta Veltzke
Foto: Andreas Lamm
Campus-Redakteurin Britta Veltzke kommentiert.
Bis zur Markteinführung von neuen Arzneien ist es ein langer Weg. Doch wer zahlt die aufwendigen Testreihen? An der Medizinischen Fakultät der Uni Leipzig werden rund 80 Prozent der klinischen Studien von der Pharmaindustrie bezahlt.
Ergebnisse firmenfinanzierter Studien fallen öfter im Sinne der Auftraggeber aus als bei staatlich finanzierten Tests. Dieser Zustand gibt Anlass zur Beunruhigung: Auf den Markt können Arzneimittel gelangen, die nach einer unabhängig konzipierten Studie womöglich nie zugelassen worden wären - auf Kosten von Krankenkassen und Patienten. Die Gesundheitsbehörden, die für die Zulassung letztlich verantwortlich sind, müssen sich auf die Studien verlassen können. Die öffentliche Finanzierung klinischer Studien könnte hier Abhilfe schaffen. Damit wäre es weniger verlockend, mit dem Ergebnis dem Geldgeber gefallen zu wollen.
In einem System, in dem Profitstreben über allem steht, bleibt diese Lösung aber eine Wunschvorstellung. Ein Kompromiss: Forschungsdesigns, Studienprotokolle und Verträge sollten konsequent offen gelegt werden.
Die Autorin Britta Veltzke ist Mitglied der Lehrredaktion Campus, einem Gemeinschaftsprojekt des Studiengangs Journalistik der Universität Leipzig und der Leipziger Volkszeitung.
© LVZ-Online, 24.11.2011, 19:12 Uhr