18.05.2013 23:45 Uhr
 
Journalisitenaustausch Indien - Deutschland
Bangalore-Stories

Mumbai: Fantasie und deutsche Hightech treffen sich im German Beergarden

Wer hätte gedacht, dass ich an meinem zweiten Tag in Indien schon im German Beergarden sitze? Es gibt Kartoffelsalat und Bockwurst,  Schinkenbrote und Käsespätzle, Apfelstrudel und Schwarzwälder Kirschtorte. Und natürlich bayerische Brezeln, die hier German Pretzel“ heißen. Nach einem Tag mit 35 Grad Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit, an dem ich pausenlos durchgeschwitzt bin, ist das bayerische Bier der reinste Genuss. Mit 500 Rupien, rund acht Euro, wird der halbe Liter allerdings auch zu einer sehr kostbaren Erfrischung. Aber die Inder gönnen sich einmal im Leben diese Rarität, die sie sonst nicht zu kaufen bekommen. Am Abend ist der Freisitz voll, die deutschen Gerichte sind sogar teilweise ausverkauft.

Der Biergarten gehört zur „Urban Mela“, einer für jedermann geöffneten deutschen Mini-Expo im Cross Maidan Garden von Mumbai. Die 16 roten, weißen oder silbernen Pavillons in Form von geschliffenen Diamanten - entworfen von einem Münchner Objektdesigner, gebaut von Handwerkern aus Delhi und Mumbai - stehen auf einer  Grünfläche im historischen Viertel der Stadt, auf der sonst Cricket gespielt wird. Die Ausstellung ist das Highlight im Deutschland-Indien-Jahr 2011/2012 anlässlich von 60 Jahren deutsch-indischer Beziehungen. Zum Auftakt  ist sogar Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer in die Wirtschaftsmetropole Mumbai gekommen. 

Für jeweils zehn Tage macht die Hightech-Show deutscher Firmen und Wissenschaftseinrichtungen in fünf indischen Mega-Cities Station. Dazu gibt es jede Menge Kultur, von der Kölner Schäl Sick Brass Band über HipHop, Breakdance und Graffiti mit deutschen Akteuren. Bis hin zu einem Berliner Figurentheater, das die Inder mit seiner Stelzen-Performance verzaubert und künstlerisch in den Arm nimmt. Nächster Ausstellungsort ist Bangalore, die Stadt, in die ich demnächst weiterfliege, mein eigentlicher Einsatzort. Aber wenn die „Urban Mela“ dorthin kommt, bin ich schon wieder zu Hause.


Im Pavillon von BASF  gibt es ein Kinder-Labor. Jeden Tag kommen indische Schüler und führen kleine Experimente durch, so machen sie Beton mit Hilfe eines „Super-Plastizisers“ wieder formbar. Die Kinder kommen von ganz normalen Schulen, privaten  und öffentlichen, und seien nicht besonders privilegiert, wird mir versichert. Das Kontrastprogramm zu den kleinen Nachwuchs-Chemikern hatte ich direkt vorm Eingang zur „Urban Mela“ gesehen:  Ein indischer Junge saß mit einer Kuh, die am Zaun angebunden war, an der stark befahrenen Kreuzung. Und seine Schwester warf einem der vielen Straßenhunde ein paar Brocken zu.

Berliner Figurentheater-Künstler begeistern das indische Publikum.   Foto: Kerstin Decker Berliner Figurentheater-Künstler begeistern das indische Publikum.
Im Gemeinschafts-Pavillon des Bundesforschungsministeriums hat auch das Fraunhofer-Institut Dresden einen Stand. Marita Mehlstäubl, eine gebürtige Leipzigerin, präsentiert eine wärmereflektierende Folie für Gebäude oder gläserne Fensterfronten. Die hitzegeplagten  Inder  interessieren sich dafür, fragen, woher sie solche Folien bekommen können. In Deutschland gibt es sie im Baumarkt, in Indien wird erst noch ein Industriepartner gesucht.

Noch eine gebürtige Leipzigerin treffe ich im Projektteam, das die „Urban Mela“ organisiert hat und nun damit durchs Land tourt: Eventmanagerin Jenny  Tschauschew. Die 31-Jährige ist seit einem Jahr dabei, zuvor hat sie ein ähnliches Projekt in China betreut. Sie hat am Lindenauer Markt die Schule besucht, teilweise auch in der bulgarischen Heimat ihres Vaters gelebt. Nach dem Stress der letzten Vorbereitungstage ist sie happy, dass die Ausstellung erfolgreich gestartet ist und die Zeitungen in Mumbai sie umfangreich angekündigt haben. Indien ist für die Deutsche „ein großes, verrücktes Land, jeder Tag ist abenteuerlich und sehr interessant.“  Und um noch mal auf den Biergarten zurückzukommen: Es ist das erste Mal überhaupt, dass die Lizenz erteilt wurde, auf diesem öffentlichen Platz in Mumbai Alkohol auszuschenken, erzählt Jenny.

 
 
 
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