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Leipziger Karnevalsvereine Teil 6: In Reudnitz ist der Teufel los!
Julia Wick
Foto: André Kempner
Die Reudnitzer Teufel beim Rosensonntagsumzug.
Klein aber oho - man könnte durchaus sagen, dass dieses saloppe Motto auf den 1. Reudnitzer Karnevalsclub zutrifft. Denn mit seinen nur knapp 20 Mitgliedern ist er neben dem CCF (vierter Serienteil) einer der kleinsten Faschingsclubs der Stadt. Seit 1986 richtet die kleine katholische Gemeinde der Kirche St. Laurentius im besagten Leipziger Stadtteil ihren Karneval aus. Begonnen hat alles mit dem Wunsch, dem tristen Alltag zu entrinnen und hin und wieder einen gemeinsamen närrischen Abend zu verbringen. Was damals im kleinen Publikumskreis von ein paar Dutzend Zuschauern begann, wurde im Laufe der Jahre für die Gemeindemitglieder zu einem immer stärker anziehenden Magneten. "So machen wir zwar nur eine Veranstaltung in der Saison, diese ist dafür aber immer sehr gut gefüllt", erklärt Joachim Stockmann. Seit knapp zehn Jahren ist der 60-Jährige im Verein, sechs Jahre davon im Amt des Elferratsvorsitzenden und Präsidenten. Das etwas skurrile daran: Stockmann selbst ist evangelisch, doch „bis auf ein paar Sticheleien hin und wieder von beiden Seiten" sei das gemeinsame Vereinsleben sehr harmonisch und gut organisiert.
Einig sind sich die Reudnitzer allen voran nämlich damit, dass ihr Programm und ihre Saaldekoration jedes Jahr aufs Neue herausragend sein sollen. „Und wir denken, das gelingt uns aufgrund unserer Vielseitigkeit tatsächlich sehr gut", so der Präsident. Die Vielschichtigkeit rühre im Übrigen daher, dass man in den eigen Reihen alle denkbaren Berufsgruppen sitzen habe. „Vom pensionierten Tischler über die Hausfrau bis hin zum Zahnarzt ist alles vertreten - das schafft Kreativität!" Vielleicht hat sich der Karnevalsclub St. Laurentius auch deshalb in den vergangenen Jahren einen so guten Namen bei den rund 1500 Kirchenmitgliedern ihres Bezirkes gemacht. Oder aber es lag an dem sehr persönlichen Programm. Denn statt jede Saison nur Witze auf Kosten der Politik und der Gesellschaft zu reißen, sticheln die Reudnitzern in den eigenen Reihen. So wurde beim diesjährigen Programm „Sächs'sches Middelalder - hier gönn se was erlebn!" aufgrund eines eigentlich belanglosen Streites um die Beschilderung eines Parkstückes sogar ein Krieg unter den Rittern ausgelöst. Zurückzuführen ist die Idee für jenen Programmverlauf auf nichts anderes als die Ordnungsfanatik von Pfarrer Ulrich Dombrowsky, die in der Gemeinde schon das eine oder andere Mal für Schmunzler gesorgt hat.
In mittelalterlicher Tracht: Andreas und Magda vom Elferrat des 1. Reudnitzer Karnevalsclub St. Laurentius.
Ihre alljährliche Abendveranstaltung haben die Reudnitzer zwar seit vergangenem Samstag schon hinter sich gelassen, dennoch freuen sie sich auf ihr zweites großes Highlight. Wie jedes Jahr werden sie auch dieses Mal wieder ihren bunt geschmückten Wagen zum Rosensonntagsumzug durch die Innenstadt fahren. Ihrem Motto der Vorjahre „In Reudnitz ist der Teufel los", was für manche Katholiken in den Anfangszeiten etwas gewöhnungsbedürftig war, sind sie treu geblieben. „Wir haben Spaß unter diesem Slogan und hoffen damit alle Leipziger anzustecken!"
© LVZ-Online, 07.02.2012, 12:01 Uhr