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Sachsens Karnevalisten rüsten sich für die großen Umzüge
Christiane Raatz, dpa
Foto: Regina Katzer
Leipziger Rosensonntagsumzug 2011
Anfang Februar beginnen sachsenweit die großen Faschingsumzüge. „Themen gibt es genug, allein der Bundespräsident liefert ja genügend Stoff“, sagt der Präsident des Verbandes Sächsischer Carneval, Günter Bührichen. Seit dem 11.11.2011 läuft die fünfte Jahreszeit, vielerorts wird in Sachsen kräftig mit Prunksitzungen, Kinderfasching und Büttenreden gefeiert. Doch nicht überall sind die Säle voll. „Man merkt, dass die Bevölkerung älter wird und weniger ausgeht“, erzählt Bührichen.
Vor allem in den ländlichen Regionen rund um Dresden und Chemnitz, in Meerane und Glauchau habe der Fasching noch eine große Tradition. In den Großstädten dagegen sei es für die Narren nicht so einfach. „Da ist das kulturelle Angebot einfach zu groß“, sagt Bührichen. Getrübt wird die Feierfreude zudem von Geldsorgen. Zum einen blieben die Sponsoren aus, zum anderen seien die Mieten vielerorts gestiegen. „Viele Narren können sich die Räume für ihre Veranstaltungen kaum noch leisten.“
In Dresden kann der Dresdner Carneval Club zum ersten Mal nicht mehr in seinem traditionellen Veranstaltungsort Ballhaus Watzke feiern. Stattdessen weichen die Narren auf den Gasthof Weißig aus. Vom 10. bis zum 21. Februar sind acht Veranstaltungen geplant, dreimal wird zum Kinderfasching geladen. Dafür werben kann der Verein allerdings noch nicht: „Wir dürfen keine Plakate aufhängen, wegen des anstehenden Bürgerentscheids“, erklärt Präsident Michael Thiele. Trotz aller Widrigkeiten hat er seinen Humor nicht verloren. „Wenn wir diese Saison überstehen, schaffen wir jede andere auch.“
Den Auftakt zu den großen Festumzügen macht am 4. Februar Meerane, gefolgt von Daubitz und Freital. Zu den festen Terminen für die Karneval-Fans gehört auch der Skifasching am 19. Februar in Oberwiesenthal. An diesem Tag ziehen zum „Rosensonntagsumzug“ auch Tausende Narren durch Leipzigs Innenstadt - unter dem Motto „Leipzig ist ’ne Wasserstadt, die kaum noch etwas flüssig hat“. Mit der Umweltzone sind viele ältere Fahrzeuge Marke Eigenbau allerdings aus dem Umzug verschwunden. Wer dennoch mit einem Traktor oder einem ähnlichen Gefährt teilnimmt, muss eine Ausnahmegenehmigung beantragen. „Das ist für uns immer mit Aufwand verbunden“, berichtet Heiko Seidel, Vorsitzender des Förderkomitees Leipziger Karneval.
In Radeburg (Landkreis Meißen) steigt bereits das Lampenfieber: Hier treffen sich jedes Jahr am Sonntag vor Fastnacht (19. Februar) Zehntausende Fans zum größten Faschingsumzug Sachsens. Die Narren feiern mittlerweile ihre 55. Saison in Radeburg. Entsprechend lautet das Motto in diesem Jahr „Mit 55 hat man noch Träume...“. „Mehr als 60 Bilder werden dabei sein, alle bunt und fantasievoll“, sagt Olaf Häßlich vom RCC Radeburg. Wie genau die Gruppen ihre Wagen gestalten, bleibt bis zum Umzugstag ein gut gehütetes Geheimnis. Bisher habe es sechs Veranstaltungen in Radeburg gegeben - alle waren ausverkauft. Fans halten der Faschingshochburg eben die Treue, hieß es.
Mit einer großen Gala wird am 28. Januar in Chemnitz das 22-jährige Bestehen des sächsischen Carnevalverbandes gefeiert. „Da zeigen wir einen Querschnitt, was den Karneval in Sachsen in den letzten Jahren ausgemacht hat“, erklärt Bührichen. In Sachsen gibt es nach Angaben des Landesverbandes rund 200 000 aktive Karnevalisten, die meisten von ihnen sind in den insgesamt 184 Vereinen organisiert. Bis zum Saisonende am Aschermittwoch, der auf den 22. Februar 2012 fällt, stehen vielerorts Festumzüge, Partys in Ballsälen, Prunksitzungen und Kinderfasching auf dem Programm.
© LVZ-Online, 23.01.2012, 12:57 Uhr