Fasching
Kleine Karnevalsgeschichte
Katrin Tominski
Foto: André Kempner
In der fünften Jahreszeit feiern die Menschen auf der Welt seit vielen Jahrzehnten Karneval oder Fasching – in ganz verschiedenen Bräuchen. Diese Bräuche haben sich in den zahlreichen Karnevals-, Fastnachts- und Faschingshochburgen mit spezifischen Eigenarten entwickelt.
Die Verhöhnung der jeweiligen Machthaber in der Karnevalszeit konnte schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts beobachtet werden. Verspottete man in Mainz die Franzosen, so konnten in Köln die Preußen straffrei verballhornt werden, die nach dem Wiener Kongress das Rheinland und Westfalen annektiert hatten.
Vorläufer des Karnevals wurden bereits vor 5000 Jahren im Zweistromland gefeiert. Im mittelalterlichen Europa feierte man – zwar in Kirchen, jedoch nicht kirchlich – „Narrenfeste“ vom 12. Jahrhundert bis zum Ende des 16. Jahrhunderts um den Epiphaniastag (6. Januar). Dabei übernahmen die unteren Kleriker vorübergehend Rang und Privilegien der höheren Geistlichkeit. Kirchliche Rituale wurden parodiert; selbst ein „Pseudopapst“ wurde gekürt.
Da die Reformation die vorösterliche Fastenzeit abschaffte und somit auch die Fastnacht ihren Sinn verlor, gerieten viele Bräuche zum Teil wieder in Vergessenheit. Bis heute ist der Karneval Sinnbild katholischer Mentalität. Während ältere Fastnachten in Südwestdeutschland sich nach wie vor in katholischen Gebieten finden lassen, führte ein regelrechter Fastnachtsboom in den 1990er Jahren auch in evangelischen Gegenden die Fastnacht ein.
Im Barock und Rokoko wurden vor allem auf Schlössern und an den Fürstenhöfen rauschende Karnevalsfeste gefeiert, deren Masken sich stark an die italienische Commedia dell'Arte anlehnten.
Begriffskunde
Fasching taucht im Hochdeutschen bereits ab dem 13. Jahrhundert zunächst in den Formen vaschanc und vaschang auf. Etymologisch leitet sich Fasching, Vaschang vom „Fastenschank“ her, also dem letzten Ausschank (alkoholischer Getränke) vor der damals noch strengen Fastenzeit.
Karneval: Die heute geläufigste Vermutung ist die Ableitung vom mittellateinischen carnelevare („Fleischwegnehmen“), daraus carnelevale als Bezeichnung für die Fastenzeit („Fleischwegphase“); scherzhaft ist die Übersetzung von „carne vale“ als „Fleisch, lebe wohl!“ möglich.
© LVZ-Online, 05.11.2010, 15:52 Uhr