1. FC Lokomotive
"Es war einfach gigantisch" - Uwe Zötzsche erinnert sich an Europacup mit dem 1. FC Lok
Interview: Matthias Roth
Foto: André Kempner
Zötzsche betreute heute den Nachwuchs des VfB Zwenkau.
Leipzig. Am kommenden Sonntag jährt sich das Europapokal-Finale zwischen Ajax Amsterdam und dem 1. FC Lok Leipzig zum 25. Mal. Grund genug für die beteiligten Spieler aus Probstheida sich zu treffen und über alte Zeiten zu plaudern. Das große Wiedersehen steigt am Donnerstagabend in der LVZ-Kuppel. Mit dabei ist auch Linksverteidiger Uwe Zötzsche. Im Interview mit LVZ-Online spricht der gebürtige Zwenkauer über die legendäre Saison seiner Loksche 1986/87.
25 Jahre nach der Finalniederlage in Athen treffen sich die alten Lok-Kameraden von damals. Zu wie vielen Spielern haben sie noch engen Kontakt?
Zötzsche: Eigentlich habe ich zu niemanden mehr Kontakt. Man trifft sich doch nur noch zu solchen Veranstaltungen wie am Donnerstag oder bei Traditionsturnieren. Ich hatte einen Teilabriss der Achillessehne und kann deshalb nicht mehr spielen. Auf das Wiedersehen mit den Kameraden freue ich mich aber riesig.
Spielt das Endspiel heute noch eine Rolle in Ihrem Leben?
Für mich ist das Spiel abgehakt. Wenn ich ehrlich bin, habe ich auch mehr Erinnerungen an unser Halbfinale gegen Bordeaux im Zentralstadion.
Das Spiel haben offiziell 73.000 Zuschauer gesehen, tatsächlich sollen aber 100.000 Fans im Stadion gewesen sein. Haben Sie damals in den Katakomben gespürt, wie voll es war?
Wir hatten eine Information, dass auf dem Vorplatz noch jede Menge Menschen stehen. Als wir dann ins Stadion einliefen, war es einfach gigantisch. Die Aufgänge waren nicht mehr zu sehen, alles voll mit Menschen.
In der Verlängerung haben Sie damals einen Elfmeter verschossen. Was war da los?
Ich war eigentlich immer ein sicherer Schütze. Da haben bei mir vor der Kulisse die Nerven versagt. Mein Elfer war wirklich schlecht geschossen, halbhoch. An der Kondition hat es nicht gelegen. Wir waren alle fit.
Trotz des Fehlversuchs sind Sie im Elfmeterschießen noch einmal angetreten, hatten Sie keine Angst?
Ich habe kurz überlegt, ob ich es mache. Da kam unser Co-Trainer Gunter Böhme zu mir und sagte, dass ich noch einmal schießen soll. Es war gut, dass ich nicht als Erster ran musste. Zwei Treffer hatten wir da schon. Ich habe dann flach und scharf geschossen. In so einem Moment denkt man nicht nach, sondern haut den Ball einfach rein.
Nach dem glücklichen Sieg ist eine rauschende Siegesparty in der Postkutsche am Wintergartenhochhaus überliefert. Erinnern Sie sich noch?
Nur noch dunkel, Einzelheiten kann ich nicht mehr erzählen. Wir hatten schon in der Kabine gefeiert und als Leistungssportler haben wir damals auch nicht viel vertragen.
Foto: Archiv
Uwe Zötzsche als DDR-Nationalspieler 1984.
Im Endspiel trafen Sie dann auf Ajax Amsterdam mit Marco van Basten und Frank Rijkaard. Welche Aufgabe hatte ihnen Trainer Uli Thomale zugedacht?
Einen konkreten Gegenspieler hatte ich gar nicht, wir haben uns die Spieler in der Abwehr übergeben. Nur Matthias Lindner war auf Marco van Basten angesetzt und hat das ordentlich erledigt. Man muss schon sagen, bei Ajax hatten alle europäisches Niveau.
Hatte Lok überhaupt eine Chance?
Wir hatten kaum Möglichkeiten. Dennoch: das Ergebnis zeigt, dass wir auf Augenhöhe waren. Ich glaube aber, Ajax hätte bei einem Tor von uns einfach noch mal angezogen.
Wie haben Sie die Tage nach der Niederlage zu Hause in Leipzig erlebt?
Vorwürfe gab es keine. Fans und Offizielle haben uns am Flughafen empfangen und wir haben viel Lob bekommen. Aber es ist doch klar, dass man sich nach einem verlorenen Finale ärgert.
Wie sind Sie heute mit dem Fußball verbunden?
Ich trainiere beim VfB Zwenkau die A-Jugend. Die Jungs habe ich seit der C-Jugend begleitet. Wir wollen dieses Jahr in die Bezirksliga aufsteigen. Das sieht gut aus, derzeit sind wir Erster.
© LVZ-Online, 09.05.2012, 14:10 Uhr